Kurkuma oder Curcumin — was auf der Packung steht
Gewürzpulver, Extrakt, Curcuminoide, Piperin: Was die Angaben auf Kurkuma- und Curcumin-Packungen bedeuten, was bei Health Claims gilt und warum BfR und Verbraucherzentrale warnen.
03. November 2026 · Redaktion Vernatura
„Kurkuma“ steht auf dem Gewürzglas, „Curcumin“ auf der Kapseldose. Das klingt nach demselben Stoff in unterschiedlicher Verpackung. Tatsächlich sind es zwei verschiedene Dinge — und die Zahlen auf der Packung sind nur lesbar, wenn man den Unterschied kennt.
Gewürzpulver und Extrakt: zwei verschiedene Produkte
Das Gewürz ist der gemahlene Wurzelstock der Pflanze. Er enthält laut BfR etwa 1 bis 5 % Curcuminoide, die Expertenkommission von BVL und BfArM nennt 3 bis 5 %. Beide Angaben stehen nebeneinander; welche für ein bestimmtes Pulver gilt, sagt keine der Stellungnahmen.
Ein Extrakt ist daraus hergestellt und enthält mehr davon. Der Farbstoff E 100 muss nach EU-Recht mindestens 90 % Curcuminoide enthalten. Das BfR weist darauf hin, dass sowohl der gemahlene Wurzelstock als auch daraus hergestellte Extrakte als „Curcumin“ bezeichnet werden. Der Name allein sagt also nicht, was in der Kapsel steckt.
Curcuminoide: was hinter dem Wort steckt
Curcuminoide sind die gelben Inhaltsstoffe des Wurzelstocks: Curcumin, Demethoxycurcumin und Bisdemethoxycurcumin. Laut Expertenkommission macht Curcumin etwa 75 bis 80 % aus, Demethoxycurcumin etwa 15 bis 20 % und Bisdemethoxycurcumin etwa 3 bis 5 %; die Anteile schwanken je nach Herkunft.
Prüffrage: Steht auf der Packung „Curcumin“ oder „Curcuminoide“ — und wie viel davon je Tagesdosis, nicht nur das Gewicht des Extrakts?
Piperin und andere Zusätze auf dem Etikett
Curcumin ist nahezu unlöslich in Wasser und wird laut Expertenkommission ausgesprochen schlecht aufgenommen. Deshalb werben Hersteller mit Zusätzen und besonderen Formen:
- Piperin aus schwarzem Pfeffer: Es hemmt den Abbau in Leber und Darm und steigert die Aufnahme unterschiedlich stark. Zugleich hemmt Piperin Enzyme des Arzneimittelabbaus und kann die Blutspiegel vieler Arzneimittel erhöhen. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, klärt die Einnahme vorher ärztlich ab. Mehr auf der Seite Piperin.
- Mizellares Curcumin: in Mizellen eingebettet; laut BfR (zitiert nach der Expertenkommission 2020) ist eine Erhöhung der Bioverfügbarkeit um mehr als den Faktor 100 möglich.
- Phytosom-Curcumin: an Phospholipide gebunden.
Wo mit „x-fach bioverfügbar“ geworben wird, lohnt der Blick auf den Vergleichsmaßstab: Die Bezugsgröße ist meist unformuliertes Curcuminpulver. Wie man Zutatenliste und Mengen insgesamt prüft, steht im Ratgeber Das Etikett lesen.
Health Claims: zugelassen ist keine Angabe
Für Kurkuma und Curcumin ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Laut EU-Register führt die Kommission Angaben zu pflanzlichen Stoffen unter denen, deren Bewertung nicht abgeschlossen ist — sie sind weder zugelassen noch abgelehnt. Der Status auf der Wirkstoffseite lautet deshalb „ausstehend“. Wer auf einer Packung trotzdem mit einer Wirkung wirbt, bewegt sich rechtlich auf unsicherem Grund. Wie das System der Angaben funktioniert, erklärt die Seite Health Claims.
Warnungen: Aufnahmemenge und Leber
Das BfR nennt als Grundlage den von der EFSA für Curcumin als Lebensmittelfarbstoff E 100 abgeleiteten ADI-Wert von 3 mg je Kilogramm Körpergewicht und Tag; die Gesamtaufnahme über alle Quellen soll langfristig nicht darüber liegen. Zwei vom BfR beschriebene Produkte lagen bei angenommenen 70 kg Körpergewicht mit 6,1 und 8,3 mg je Kilogramm und Tag deutlich darüber. Eine empfohlene Tagesdosis für Verbraucher nennen weder BfR noch Expertenkommission — und dieser Beitrag auch nicht.
Hinzu kommen Verdachtsfälle möglicher Leberschäden, vor allem nach Präparaten mit verbesserter Bioverfügbarkeit, oft mit Piperin. Das BfR hält eine abschließende Bewertung auf dieser Datenbasis nicht für möglich. Bei solchen Produkten hält es den ADI-Wert zudem für wenig konservativ.
Weitere Hinweise mit unterschiedlicher Belegstärke:
- Gallensteine: Die Verbraucherzentrale rät Menschen mit Gallensteinen von Produkten mit Kurkuma-Extrakten ab. Die EMA spricht für den Wurzelstock eine vorsorgliche Warnung aus, ausdrücklich keine Gegenanzeige.
- Gerinnungshemmer: Eine Wechselwirkung ist möglich, aber klinisch nicht belegt; die EMA nennt nur einen Einzelfallbericht mit Warfarin.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Die Sicherheit ist laut EMA nicht belegt; die Verbraucherzentrale rät zum Verzicht auf Kurkuma-Nahrungsergänzungsmittel. Kurkuma als Gewürz nennt sie unbedenklich.
Die Kurzfassung
- Kurkuma-Gewürz und Curcumin-Extrakt sind verschiedene Produkte; „Curcumin“ wird für beide benutzt.
- Auf Curcuminoide je Tagesdosis achten, nicht auf das Extraktgewicht.
- Piperin und Spezialformen ändern die Aufnahme — und können die Risiken verändern.
- Keine gesundheitsbezogene Angabe ist zugelassen; die Bewertung steht aus.
- Es gibt einen Obergrenzen-Richtwert (ADI), aber keine Verbraucher-Dosis. Details und Quellen: Wirkstoffseite Curcumin.
Quellen: EFSA 2014 (Refined exposure assessment for curcumin, E 100); BfR-Stellungnahme 040/2021; Gemeinsame Expertenkommission BVL/BfArM, Stellungnahme 02/2020; EMA/HMPC, Assessment report on Curcuma longa L., rhizoma; Verbraucherzentrale, „Kurkuma: Fakten und Mythen“.