Curcumin Wirkung — warum hier nichts versprochen werden darf
Curcumin ist ein Lehrstück für die Lücke zwischen Studienlage und Rechtslage. Es gibt Tausende
Veröffentlichungen zu entzündungsbezogenen Wirkungen, und einige klinische Studien zu
Gelenkbeschwerden sehen ordentlich aus. Zugelassen ist trotzdem keine einzige gesundheitsbezogene
Angabe.
Der Grund liegt nicht an Curcumin, sondern am Verfahren: Die EU-Kommission hat 2010 die Bewertung
pflanzlicher Stoffe ausgesetzt, weil sich Lebensmittel- und Arzneimittelrecht in die Quere kamen.
Seither hängen rund 2000 Anträge in der Warteschleife — weder zugelassen noch abgelehnt. Wer auf
einem Etikett trotzdem eine Wirkung behauptet, riskiert eine Abmahnung.
Curcumin-Bioverfügbarkeit — das eigentliche Problem ist die Aufnahme
Curcumin ist fettlöslich, wird in der Darmwand sofort umgebaut und über die Leber rasch
ausgeschieden. Von reinem Curcuminpulver gelangt kaum etwas ins Blut. Deshalb arbeitet die
Branche mit Tricks: Piperin aus schwarzem Pfeffer bremst den Abbau, Mizellen und
Phospholipid-Komplexe verbessern die Löslichkeit.
Beim Vergleich zweier Präparate ist die Milligrammzahl auf der Packung deshalb wenig
aussagekräftig. 200 mg mizellares Curcumin können mehr im Blut ankommen lassen als 1500 mg
Standardextrakt. Wo mit „x-fach bioverfügbar“ geworben wird, lohnt der Blick auf den
Vergleichsmaßstab — die Bezugsgröße ist fast immer unformuliertes Curcuminpulver, also der
denkbar schlechteste Ausgangspunkt.
Curcumin mit Piperin — nicht harmlos
Der Mechanismus, der Curcumin verfügbarer macht, macht auch Medikamente verfügbarer. Piperin
hemmt Enzyme des Arzneimittelabbaus. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, greift besser zu einer
piperinfreien Formulierung.
Curcumin Nebenwirkungen — meist der Magen, in hoher Dosis mehr
Das Bundesinstitut für Risikobewertung verweist in seinen häufig gestellten Fragen zu Curcumin in
Nahrungsergänzungsmitteln (BfR, 2023) darauf hin, dass vor allem hochdosierte Extrakte Übelkeit,
Durchfall und Kopfschmerzen auslösen können, während die in Currygerichten übliche Menge als
unbedenklich gilt. Grundlage der oben genannten Höchstmenge ist der von der EFSA für Curcumin als
Lebensmittelfarbstoff festgelegte ADI-Wert von 3 mg je Kilogramm Körpergewicht und Tag (EFSA
Journal 2010;8(9):1679) — bei den deutlich höher dosierten Extrakten vieler Präparate ist dieser
Wert schnell überschritten.
Darüber hinaus gelten die bereits im Abschnitt Wechselwirkungen genannten Risiken: eine verstärkte
Blutungsneigung unter Gerinnungshemmern und eine Gegenanzeige bei Gallenwegserkrankungen. Da für
Curcumin bislang keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen ist, fehlt auch die Möglichkeit einer
amtlichen Bewertung der verfügbaren Wirksamkeitsnachweise — der Status „on hold” bedeutet, dass
eine Entscheidung aussteht, nicht dass eine Nutzen-Risiko-Abwägung stattgefunden hat.