Natürlich oder synthetisch — der Unterschied, den es nicht gibt
Acerola wird als natürliche Vitamin-C-Quelle vermarktet, oft mit dem Hinweis, der Körper könne
sie besser verwerten als synthetische Ascorbinsäure.
Das Molekül ist in beiden Fällen dasselbe: L-Ascorbinsäure. Es gibt keinen Unterschied in der
Struktur, und Vergleichsstudien fanden keinen Unterschied in der Aufnahme. Der Körper kann
nicht erkennen, ob ein Molekül aus einer Frucht oder aus einem Fermenter stammt.
Was die Frucht mitbringt, sind Begleitstoffe — Anthocyane, Carotinoide, Flavonoide. Ob sie einen
Zusatznutzen haben, ist nicht gezeigt, und in der üblichen Pulvermenge sind sie in geringer Menge
enthalten.
Der Preisunterschied ist dagegen erheblich: Acerola kostet je Milligramm Vitamin C ein Vielfaches
der reinen Ascorbinsäure.
Was tatsächlich in der Dose ist
Frische Acerolafrüchte enthalten bis zu 1.700 mg Vitamin C je 100 g — mehr als jede andere
gängige Frucht. Das ist die Zahl, mit der geworben wird.
Das Pulver im Handel ist ein anderes Produkt. Es wird schonend getrocknet, häufig mit
Trägerstoffen wie Maltodextrin gemischt und auf einen Gehalt von 17 bis 25 Prozent Vitamin C
standardisiert.
Die einzige aussagekräftige Angabe ist deshalb der Vitamin-C-Gehalt je Tagesportion. Alles andere
— Fruchtvergleiche, Prozentangaben zur Orange — sagt über das gekaufte Produkt nichts.
Wofür es sich lohnt
Es gibt einen praktischen Vorteil: Acerolapulver schmeckt fruchtig-säuerlich und lässt sich in
Getränke und Müsli einrühren. Für Kinder ist das angenehmer als eine Tablette.
Und der wertvollste Effekt des Vitamin C hat mit der Quelle nichts zu tun: Zu einer pflanzlichen
Mahlzeit eingenommen, vervielfacht es die Eisenaufnahme. Ein Glas Orangensaft zum
Vollkornbrot leistet dasselbe wie eine Acerolakapsel — nur billiger.