Hagebutte Wirkung — der Irrtum mit dem Hagebuttentee
Hagebutten sind eine der reichsten Vitamin-C-Quellen überhaupt — frisch enthalten sie ein
Vielfaches dessen, was in einer Zitrone steckt. Daraus ist die feste Überzeugung geworden,
Hagebuttentee sei ein Vitamin-C-Getränk.
Das stimmt nicht. Vitamin C ist hitze- und sauerstoffempfindlich; beim Trocknen der Früchte und
beim Aufbrühen mit kochendem Wasser bleibt praktisch nichts davon übrig. Was bleibt, ist ein
angenehm säuerliches Getränk mit Carotinoiden — und die rote Farbe, die viele für den Beweis
halten.
Wer das Vitamin C will, braucht schonend getrocknetes Pulver oder frisch verarbeitete Früchte.
Hagebutte bei Arthrose — die Gelenkstudien
Der zweite, weniger bekannte Strang betrifft die Arthrose. Ein Galaktolipid mit dem Kürzel GOPO,
das in Hagebuttenschalen und -kernen vorkommt, hemmt in Untersuchungen die Einwanderung weißer
Blutkörperchen in entzündetes Gewebe.
Mehrere randomisierte Studien mit 5 g Hagebuttenpulver täglich fanden über drei bis vier Monate
eine Schmerzlinderung bei Hüft- und Kniearthrose sowie einen geringeren Verbrauch an
Schmerzmitteln. Eine Metaanalyse bestätigte einen kleinen, aber statistischen Effekt.
Die Größenordnung liegt unter der von Teufelskralle, bei sehr guter Verträglichkeit. Für ältere
Menschen, die entzündungshemmende Medikamente schlecht vertragen, ist das ein Argument.
Hagebuttenpulver — worauf es ankommt
Entscheidend ist die schonende Trocknung. GOPO ist wärmeempfindlich, und in Untersuchungen von
Handelsware schwankte der Gehalt erheblich.
Verwendet werden sollten zudem ganze Früchte samt Kernen — die Studienpräparate wurden so
hergestellt. Ein Pulver nur aus der Schale enthält weniger vom untersuchten Wirkstoff.
Hagebutte Nebenwirkungen — die Kernhaare
Im Inneren der Hagebutte sitzen feine Härchen, die auf der Haut heftigen Juckreiz auslösen —
Generationen von Kindern haben sie als Juckpulver verwendet.
Bei der Verarbeitung werden sie entfernt. Wer Hagebutten selbst sammelt und zu Mus verarbeitet,
sollte das gründlich tun — sie reizen auch die Schleimhaut.