Ein EU-Verbot, das kaum bemerkt wurde
Seit 2021 sind Hydroxyanthracen-Derivate aus Aloe-Blättern in Lebensmitteln EU-weit verboten. Die
EFSA hatte Aloe-Emodin, Emodin und Danthron als genotoxisch bewertet — sie können das Erbgut
schädigen, und für solche Stoffe lässt sich keine sichere Aufnahmemenge festlegen.
Betroffen sind alle Zubereitungen aus dem ganzen Blatt, also genau der Teil, der die abführende
Wirkung ausmacht. Aloe-Abführmittel als Nahrungsergänzung gibt es damit nicht mehr; als
Arzneimittel bestehen sie in engen Grenzen fort.
Das Verbot ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich der Markt ändert, ohne dass die
Ratgeberliteratur nachzieht: Ältere Texte empfehlen Aloe-Saft weiterhin bei Verstopfung.
Blattgel oder Latex — die Trennung entscheidet alles
Ein Aloeblatt besteht aus drei Schichten. Innen das klare, gelartige Gewebe. Direkt unter der
Rinde ein gelber, bitterer Saft, der Aloin enthält. Außen die grüne Blattrinde.
Das Innengel ist als Lebensmittel zulässig, sofern der Aloingehalt unter 0,1 mg je Kilogramm
liegt — dafür braucht es einen sauberen Filetierprozess und eine Aktivkohlefiltration. Der gelbe
Saft ist der verbotene Teil.
Wer eine Aloe auf der Fensterbank hat und selbst filetiert, sollte das wissen: Der gelbe Saft
muss vollständig abgewaschen werden, sonst landet genau der problematische Bestandteil im
Smoothie.
Wo die Datenlage tatsächlich brauchbar ist
Die überzeugendsten Studien betreffen die äußerliche Anwendung: bei Sonnenbrand, leichten
Verbrennungen und Hautreizungen berichten Untersuchungen über eine schnellere Abheilung und
gelinderte Beschwerden. Ein Cochrane-Review zur Wundheilung kommt allerdings zu einem
zurückhaltenderen Urteil.
Für die innerliche Anwendung von Trinkgel gibt es kleine Studien zu Reizdarm, Blutzucker und
Cholesterin mit uneinheitlichen Ergebnissen. Für eine Empfehlung reicht das nicht, und zulässig
wäre die Aussage ohnehin nicht.
Was in einem Trinkgel steckt
Über neunundneunzig Prozent Wasser. Die verbleibenden Bestandteile sind Polysaccharide,
allen voran Acemannan, dazu Spuren von Vitaminen und Mineralstoffen — in Mengen, die
ernährungsphysiologisch keine Rolle spielen.
Wer Aloe trinkt, sollte das wissen: Der Nährwert ist es nicht, und ein belegter Nutzen liegt
nicht vor. Für die Haut nach zu viel Sonne bleibt das Gel dagegen ein bewährtes und harmloses
Hausmittel.