Die Anwendung, die man besser lässt
Kamillenspülungen und Kamillenkompressen bei geröteten Augen gehören zu den ältesten
Hausmitteln — und die Augenheilkunde rät ausdrücklich davon ab.
Der Grund ist doppelt. Kamillenaufgüsse sind nicht keimfrei und enthalten Schwebstoffe, die die
gereizte Bindehaut zusätzlich mechanisch belasten. Und Kamille ist ein Korbblütler: Bei
Menschen mit entsprechender Sensibilisierung kann sie am Auge eine allergische Bindehautentzündung
auslösen, also genau das verschlimmern, was behandelt werden soll.
Für gereizte Augen sind sterile Kochsalz- oder Tränenersatzlösungen die richtige Wahl. Bei
anhaltender Rötung mit Schmerzen oder Sehstörungen gehört die Sache untersucht.
Wo Kamille tatsächlich gut ist
Der HMPC hat die äußerliche Anwendung bei Haut- und Schleimhautentzündungen als gut belegt
eingestuft — Mundspülungen, Sitzbäder, Umschläge. Verantwortlich sind Bisabolol, Chamazulen und
Flavonoide, die entzündungshemmend und leicht krampflösend wirken.
Innerlich gilt die traditionelle Anwendung bei leichten Magen-Darm-Krämpfen und Blähungen. Für
Säuglinge und Kleinkinder mit Bauchweh ist Kamillentee eines der wenigen breit akzeptierten
Hausmittel.
Zugedeckt ziehen lassen
Die wirksamen Bestandteile sind ätherische Öle — flüchtig und wasserdampfflüchtig. Wer die Tasse
offen stehen lässt, sieht die Wirkstoffe buchstäblich aufsteigen.
Zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen ist keine Zeremonie, sondern der Unterschied zwischen einem
Kamillentee und heißem Wasser mit Kamillengeschmack.
Die Rollkur
Bei Magenschleimhautbeschwerden ist die klassische Empfehlung, nach dem Trinken jeweils fünf
Minuten auf dem Rücken, der linken Seite, dem Bauch und der rechten Seite zu liegen. So benetzt
der Tee die gesamte Schleimhaut statt nur den Weg nach unten zu nehmen.
Das ist alte Erfahrungsheilkunde ohne Studienbeleg — aber plausibel, kostenlos und ohne Risiko.
Bei anhaltenden Magenbeschwerden gehört allerdings abgeklärt, was dahintersteckt.