Die überzeugendste Anwendung ist die äußere
Melisse wird fast immer als Beruhigungskraut vermarktet. Die belastbarste Datenlage betrifft
allerdings etwas ganz anderes: die Creme mit einprozentigem Melissenextrakt bei Lippenherpes.
Kontrollierte Studien fanden bei früher Anwendung eine kürzere Heilungsdauer und eine geringere
Ausbreitung der Bläschen. Verantwortlich gemacht wird die Rosmarinsäure, die verhindert, dass das
Virus an die Zelle andockt.
Entscheidend ist der Zeitpunkt: Die Creme muss beim ersten Spannen und Kribbeln aufgetragen
werden, bevor die Bläschen sichtbar sind. Wer wartet, bis es soweit ist, kommt zu spät — für alle
Herpesmittel gilt das gleichermaßen.
Innerlich: Tradition ohne harten Nachweis
Der HMPC führt Melisse als traditionelles Arzneimittel bei leichter nervöser Anspannung und bei
leichten Magen-Darm-Beschwerden. Diese Einstufung stützt sich auf jahrhundertelange Anwendung,
nicht auf Wirksamkeitsstudien.
Kleine Untersuchungen zu Stress und Schlaf, meist in Kombination mit Baldrian, deuten auf milde
Effekte hin. Für eine Empfehlung reicht das nicht, gegen eine Tasse Melissentee am Abend spricht
aber ebenso wenig.
Der Doppelnutzen ist praktisch: Melisse entspannt der Tradition nach zugleich die glatte
Muskulatur im Magen-Darm-Trakt — der Grund, warum sie in Tees gegen nervöse Magenbeschwerden
auftaucht.
Ein Kraut, das man selbst ziehen kann
Melisse wächst in jedem Topf auf dem Fensterbrett und breitet sich im Garten von allein aus. Wer
sie frisch verwendet, hat den vollen Gehalt an ätherischen Ölen — getrocknete Ware verliert
davon rasch, weshalb alter Melissentee kaum noch riecht.
Beim Aufguss lohnt eine Kleinigkeit: zugedeckt ziehen lassen. Sonst gehen genau die flüchtigen
Bestandteile verloren, um die es geht.