Warum es überhaupt funktioniert
Curcumin ist der Standardfall: Aus einer gewöhnlichen Kurkumakapsel kommt fast nichts im Blut an,
weil Darmwand und Leber es binnen Minuten an Glucuronsäure koppeln und ausscheiden.
Piperin hemmt genau diesen Schritt. Eine viel zitierte Studie fand mit 20 mg Piperin eine um das
Zwanzigfache höhere Curcuminkonzentration im Blut. Das ist der Grund, warum Piperin in
unzähligen Kombipräparaten steckt — bei Curcumin, Resveratrol, Grüntee-Extrakten und
Vitaminmischungen.
Der Haken steckt im selben Mechanismus
Die Enzyme, die Curcumin unschädlich machen, sind dieselben, die Arzneistoffe abbauen. Piperin
hemmt CYP3A4 und den Transporter P-Glykoprotein — dieselben Systeme, über die Grapefruitsaft
für seine Wechselwirkungen bekannt ist.
Wer also seine Curcuminaufnahme verzwanzigfacht, hebt möglicherweise auch die Spiegel seines
Blutdrucksenkers, seines Statins oder seines Immunsuppressivums. Für Wirkstoffe mit enger
therapeutischer Breite ist das dokumentiert.
Dieser Zusammenhang steht auf keiner Packung. Er ist der wichtigste Punkt dieses Eintrags: Ein
Bioverfügbarkeitsverstärker verstärkt nicht nur, was man möchte.
Die Alternative
Es gibt einen zweiten Weg zur besseren Aufnahme, der ohne Enzymhemmung auskommt: die
Formulierung. Mizellare und phytosomale Zubereitungen verpacken den Wirkstoff so, dass er den
Darm besser passiert, ohne den Abbau anderer Stoffe zu bremsen.
Sie sind teurer, aber für Menschen mit Dauermedikation die sinnvollere Wahl.
Was die Küche längst wusste
Die indische Küche kombiniert Kurkuma seit jeher mit schwarzem Pfeffer und Fett — in praktisch
jedem Currygericht. Ob das aus Erfahrung entstand oder Zufall war, lässt sich nicht sagen, aber
es entspricht genau dem, was die Pharmakologie später beschrieben hat.
Eine kräftige Prise Pfeffer liefert dabei Piperin in einer Größenordnung, die manche Kapsel
erreicht. Für den Alltag ist das der unaufgeregtere Weg.
Die rechtliche Fußnote
Auch die Aussage „verbessert die Aufnahme“ ist eine gesundheitsbezogene Angabe und ohne Zulassung
nicht zulässig. Sie steht trotzdem auf zahllosen Etiketten — meist in der Form „mit BioPerine für
optimale Verwertung“.