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VI · Pflanzenstoffe

Resveratrol

auch: trans-Resveratrol · Japanischer Staudenknöterich · Polygonum cuspidatum · Rotweinpolyphenol

Der Stoff hinter dem französischen Paradoxon — mit abgelehnten Claims, einer miserablen Aufnahme und einer Rotweinrechnung, die niemand trinken könnte.

Studienlage

Erste Studien am Menschen, uneinheitliche Ergebnisse

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Angabe abgelehnt

Was über Resveratrol gesagt werden darf

Beantragte gesundheitsbezogene Angaben wurden von der EFSA geprüft und nicht zugelassen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.

Die EFSA hat Anträge zu Zellschutz, Herz-Kreislauf-Funktion und Blutfetten geprüft und abgelehnt. Werbung mit Zellalterung, Langlebigkeit oder Gefäßgesundheit ist damit ausdrücklich zurückgewiesen — die Vermarktung stützt sich fast vollständig auf Anspielungen.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Resveratrol — das französische Paradoxon und was daraus wurde

In den 1990er Jahren fiel auf, dass in Frankreich trotz fettreicher Ernährung vergleichsweise wenige Herzinfarkte auftraten. Der Rotwein galt als Erklärung, und Resveratrol als der Stoff darin, der es richtet. Der Rest ist Marktgeschichte.

Die Rechnung dahinter hält allerdings nicht. Ein Liter Rotwein enthält ein bis drei Milligramm Resveratrol. Um die in Studien verwendeten Mengen zu erreichen, müsste man hundert Liter und mehr trinken — womit der Alkohol jeden denkbaren Nutzen um ein Vielfaches überwiegt. Auch das Paradoxon selbst gilt heute als weitgehend erklärt, unter anderem durch unterschiedliche Erfassung von Todesursachen.

Resveratrol Wirkung — die Sirtuin-Hypothese

Der wissenschaftliche Schub kam 2003 aus Harvard: Resveratrol aktiviere SIRT1, ein Enzym, das mit Kalorienrestriktion und Lebensverlängerung in Verbindung gebracht wird. Hefen, Würmer und Fliegen lebten unter Resveratrol länger.

Später zeigte sich, dass die Aktivierung im Testsystem auf einem Artefakt beruhte — der verwendete Fluoreszenzmarker verfälschte das Ergebnis. Ob Resveratrol Sirtuine im lebenden Organismus überhaupt direkt aktiviert, ist bis heute umstritten. Bei Mäusen mit normaler Ernährung ließ sich keine Lebensverlängerung nachweisen.

Resveratrol Bioverfügbarkeit — das eigentliche Problem

Resveratrol wird gut aufgenommen und fast ebenso schnell wieder unschädlich gemacht. Darmwand und Leber koppeln es binnen Minuten an Glucuronsäure und Sulfat; die Halbwertszeit der freien Substanz liegt bei wenigen Minuten. Im Blut messbar sind fast ausschließlich diese Konjugate.

Ob sie eine eigene Wirkung haben oder nur Abfall auf dem Weg nach draußen sind, ist offen. Für die Beurteilung aller Zellkulturstudien ist das entscheidend — dort wird freies Resveratrol in Konzentrationen eingesetzt, die im Menschen nie erreicht werden.

Resveratrol Studien — was am Menschen untersucht ist

Studien zu Blutzucker, Blutdruck, Entzündungsmarkern und Gefäßfunktion liegen vor, mit uneinheitlichen Ergebnissen und meist kleinen Teilnehmerzahlen. Die EFSA hat die vorgelegten Belege für nicht ausreichend befunden.

Bemerkenswert ist die abgebrochene Studie an Patienten mit multiplem Myelom: Unter 5 g täglich traten Nierenschäden auf. Das ist eine Erinnerung daran, dass ein pflanzlicher Stoff in hoher Dosis ein pharmakologischer Eingriff bleibt — auch wenn er aus dem Weinberg kommt.

Resveratrol kaufen — für die Entscheidung

Wenn überhaupt, dann trans-Resveratrol innerhalb der zugelassenen 150 mg am Tag und von einem Anbieter, der die Isomerenform ausweist. Wer stattdessen auf Traubenkerne, Beeren, grünen Tee und buntes Gemüse setzt, bekommt ein breites Polyphenolmuster in Mengen, die der Körper gewohnt ist — und muss sich um Novel-Food-Grenzen keine Gedanken machen.

Resveratrol — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
trans-Resveratrol (synthetisch) niedrig Die einzige in der EU als neuartiges Lebensmittel zugelassene Form, bis 150 mg am Tag. Nur das trans-Isomer gilt als wirksam.
Extrakt aus japanischem Staudenknöterich niedrig Die mengenmäßig wichtigste Rohstoffquelle, standardisiert auf 50 bis 98 Prozent trans-Resveratrol. Enthält daneben Emodin, das abführend wirkt.
Traubenschalenextrakt niedrig Deutlich geringerer Resveratrolgehalt, dafür begleitende Polyphenole. Für die deklarierte Menge braucht es entsprechend große Extraktmengen.
Pterostilben mittel Ein verwandtes Molekül aus Heidelbeeren mit besserer Aufnahme, weil es dem raschen Abbau in der Darmwand teilweise entgeht. Als neuartiges Lebensmittel in der EU nicht zugelassen.

Resveratrol Wechselwirkungen

Gerinnungshemmer und ASS

verstärkt

Resveratrol hemmt die Blutplättchenverklumpung. Vor Operationen absetzen, unter Gerinnungshemmung ärztlich abklären.

CYP3A4-Substrate

hemmt

In höherer Dosierung hemmt Resveratrol Abbauenzyme der Leber. Die Spiegel zahlreicher Medikamente können dadurch steigen.

Hormonabhängige Erkrankungen

Vorsicht

Resveratrol wirkt schwach östrogenartig. Bei Brustkrebs oder unter Antihormontherapie ist davon abzuraten.

Wer auf Resveratrol besonders achten sollte

  • Nicht für Schwangere und Stillende — von der Novel-Food-Zulassung ausdrücklich ausgenommen
  • Nicht bei hormonabhängigen Tumorerkrankungen
  • Vorsicht unter Gerinnungshemmung

Resveratrol in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Rotwein 1–3 mg je Liter
Japanischer Staudenknöterich (Wurzel) bis 500 mg je 100 g Trockenmasse
Weintrauben mit Schale 0,2–1 mg je 100 g
Erdnüsse 0,1 mg je 100 g
Heidelbeeren Spuren

Häufige Fragen zu Resveratrol

01Wann sollte man Resveratrol einnehmen?

Zu einer fetthaltigen Mahlzeit. Resveratrol wird in Darmwand und Leber binnen Minuten an Glucuronsäure und Sulfat gekoppelt und ausgeschieden. Die Blutspiegel der freien Substanz bleiben deshalb niedrig, egal wie hoch dosiert wird.

02Wie viel Resveratrol am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 150 mg trans-Resveratrol am Tag; in Studien wurden 250–1.000 mg eingesetzt.

03Wie viel Resveratrol ist zu viel?

Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei 150 mg am Tag für synthetisches trans-Resveratrol in Nahrungsergänzungsmitteln. Durchführungsverordnung (EU) 2016/1190 zur Zulassung als neuartiges Lebensmittel. Die Zulassung gilt für Erwachsene und schließt Schwangere aus. In einer Studie mit Myelompatienten traten unter 5 g täglich Nierenschäden auf, weshalb sie abgebrochen wurde — ein Hinweis darauf, dass hohe Dosen nicht harmlos sind.

04Welche Wechselwirkungen hat Resveratrol?

Zu beachten sind Gerinnungshemmer und ASS; CYP3A4-Substrate; Hormonabhängige Erkrankungen. Gerinnungshemmer und ASS: Resveratrol hemmt die Blutplättchenverklumpung. Vor Operationen absetzen, unter Gerinnungshemmung ärztlich abklären. CYP3A4-Substrate: In höherer Dosierung hemmt Resveratrol Abbauenzyme der Leber. Die Spiegel zahlreicher Medikamente können dadurch steigen. Hormonabhängige Erkrankungen: Resveratrol wirkt schwach östrogenartig. Bei Brustkrebs oder unter Antihormontherapie ist davon abzuraten.

05Für wen ist Resveratrol nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Nicht für Schwangere und Stillende — von der Novel-Food-Zulassung ausdrücklich ausgenommen; Nicht bei hormonabhängigen Tumorerkrankungen; Vorsicht unter Gerinnungshemmung. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Resveratrol?

Gute Quellen sind Rotwein (1–3 mg je Liter), Japanischer Staudenknöterich (Wurzel) (bis 500 mg je 100 g Trockenmasse), Weintrauben mit Schale (0,2–1 mg je 100 g), Erdnüsse (0,1 mg je 100 g) und Heidelbeeren (Spuren).

07Welche Form von Resveratrol ist am besten?

Schlechter verfügbar sind trans-Resveratrol (synthetisch), Extrakt aus japanischem Staudenknöterich und Traubenschalenextrakt.

08Womit darf für Resveratrol geworben werden?

Nichts. Die EFSA hat Anträge zu Zellschutz, Herz-Kreislauf-Funktion und Blutfetten geprüft und abgelehnt. Werbung mit Zellalterung, Langlebigkeit oder Gefäßgesundheit ist damit ausdrücklich zurückgewiesen — die Vermarktung stützt sich fast vollständig auf Anspielungen.

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Tagesdosis
1 Kapsel zu einer Mahlzeit
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Packung
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Dosierung
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Resveratrol Extra

2.6 von 5

Staudenknöterich-Extrakt mit Traubenkern und Rotweinkonzentrat — die Rotwein-Molekül-Erzählung in Kapselform, deren Sirtuin-Grundlage kollabiert ist.

Tagesdosis
1 Kapsel zu oder zwischen den Mahlzeiten
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Polygonum-cuspidatum-Extrakt + Traubenkern + Rotweinkonzentrat
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Kosten je Tag
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Verbindung
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Belege

  1. 01 Durchführungsverordnung (EU) 2016/1190 über trans-Resveratrol als neuartiges Lebensmittel · Europäische Kommission · 2016
  2. 02 Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to resveratrol · European Food Safety Authority · 2011
  3. 03 Small molecule activators of sirtuins — a critical reassessment · Journal of Biological Chemistry

Siehe auch

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