Bremse statt Motor
Die meisten Sportpräparate versprechen mehr Aufbau. HMB wirkt an anderer Stelle: Es hemmt den
Abbau von Muskeleiweiß, indem es den Proteinabbauweg der Zelle dämpft.
Daraus folgt, wer davon profitiert. Wo viel abgebaut wird — bei Untrainierten zu Trainingsbeginn,
bei Älteren mit altersbedingtem Muskelschwund, bei längerer Bettruhe — kann eine Bremse etwas
bewirken. Wo der Abbau ohnehin gering ist, wie beim gut trainierten Sportler, bleibt wenig übrig.
Genau dieses Muster zeigen die Studien: deutliche Effekte bei Untrainierten und Älteren, kaum
messbare bei Erfahrenen.
Die interessantere Zielgruppe
Der Markt spricht Kraftsportler an. Die aussichtsreicheren Daten kommen aus der Altersmedizin.
Metaanalysen bei älteren Menschen fanden unter 3 g HMB täglich einen Erhalt oder leichten Zuwachs
an Muskelmasse, besonders in Kombination mit Eiweiß und Vitamin D. Auch bei längerer Ruhigstellung
— nach Operationen oder Krankenhausaufenthalten — bremste HMB in Studien den Muskelverlust.
Sarkopenie, der altersbedingte Muskelschwund, ist ein ernstes Problem: Sie führt zu Stürzen,
Selbstständigkeitsverlust und schlechteren Krankheitsverläufen. Ein Mittel, das dort etwas
bewirkt, ist mehr wert als ein Prozent mehr Bankdrücken.
Die Rechnung mit dem Leucin
HMB entsteht aus Leucin, aber nur etwa fünf Prozent davon werden umgebaut. Für die untersuchten
3 g HMB wären rechnerisch 60 g Leucin nötig — eine Menge, die über die Ernährung nicht zu
erreichen ist.
Das ist das Argument für die direkte Zufuhr. Und es ist zugleich der Grund, warum ein
Leucin-Präparat kein Ersatz für HMB ist.
Was zuerst kommt
Die Grundlage bleibt Eiweiß in ausreichender Menge — für ältere Menschen 1,0 bis 1,2 g je
Kilogramm Körpergewicht — und Krafttraining, das den stärksten Reiz gegen den Muskelabbau setzt.
HMB ist eine Ergänzung für Situationen, in denen beides nicht ausreicht oder nicht möglich ist.
Beworben werden darf davon nichts.