Derselbe Stoff, zwei Rechtslagen in Europa
In Deutschland ist Acetylcystein ein Arzneistoff und als Nahrungsergänzungsmittel nicht
verkehrsfähig (Stoffliste des Bundes und der Länder, Kategorie Arzneistoffe, Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit). In mehreren anderen EU-Staaten wird NAC dagegen als
Nahrungsergänzung verkauft.
Wer NAC aus dem europäischen Ausland bezieht, kauft ein Produkt, das hier
arzneimittelrechtlich einzuordnen wäre.
NAC Wirkung — belegt bei Bronchitis und Paracetamolvergiftung
Belegt ist NAC als Schleimlöser (als Arzneimittel 600 mg am Tag) und als Gegenmittel bei
Paracetamolvergiftung (Cochrane-Übersicht „Acetylcysteine for acetaminophen poisoning“); eine
zugelassene gesundheitsbezogene Angabe gibt es nicht, die Evidenzstufe ist 4.
Bei chronischer Bronchitis und COPD ist NAC als Arzneimittel etabliert; dazu gibt es die Studie
„N-acetylcysteine in chronic obstructive pulmonary disease — PANTHEON study“ (The Lancet
Respiratory Medicine, 2014). In Studien wurden 600–1.800 mg eingesetzt.
Im Körper wird die Acetylgruppe abgespalten und Cystein freigesetzt, eine Vorstufe des
Glutathions. Direkt zugeführtes Glutathion wird im Darm weitgehend gespalten, der Umweg über
Cystein gilt als der zuverlässigere Weg.
NAC Nebenwirkungen — Sodbrennen, Übelkeit, Geruch
Als Arzneimittel ist NAC gut untersucht und verträglich. Häufigste Nebenwirkungen sind
Sodbrennen, Übelkeit und der Schwefelgeruch. Bei Asthma sind in Einzelfällen Bronchospasmen
beschrieben; Vorsicht gilt bei Asthma bronchiale und bei Magengeschwüren. Nicht am späten Abend
einnehmen — die schleimlösende Wirkung kann den Schlaf stören.
Wechselwirkungen:
- Antibiotika: NAC kann manche Antibiotika inaktivieren, wenn sie zeitgleich eingenommen
werden. Zwei Stunden Abstand halten.
- Nitroglycerin: Verstärkte gefäßerweiternde Wirkung mit Blutdruckabfall und Kopfschmerz.
- Hustenstiller: Eine unsinnige Kombination — der eine löst den Schleim, der andere
unterdrückt den Hustenreiz, der ihn hinausbefördern soll.
- Aktivkohle: Bindet NAC und mindert die Wirkung.
Cystein aus der Nahrung
Cysteinreich sind Molkenprotein (2.000–2.500 mg je 100 g), Sonnenblumenkerne (450 mg),
Haferflocken (400 mg), Hähnchenfleisch (300 mg) und Hühnerei (270 mg je 100 g).