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VII · Darmflora

Kefir

auch: Kefirknollen · Milchkefir · Wasserkefir · Tibetanischer Pilz

Das fermentierte Getränk mit Hefen im Spiel — und dem Unterschied zwischen echten Knollen und dem Becher aus dem Kühlregal.

Studienlage

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Unsere Empfehlung

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Wie wir bewerten
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Keine Angabe beantragt

Was über Kefir gesagt werden darf

Für diesen Stoff ist keine gesundheitsbezogene Angabe in der Unionsliste eingetragen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.

Für Kefir gibt es keine eigene zugelassene Angabe. Zulässig ist der Laktose-Claim für lebende Joghurtkulturen nur bei Joghurt im Sinne der Verordnung — Kefir fällt nicht darunter. Werbung mit Darmflora, Immunsystem oder Verdauung ist unzulässig.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Bakterien und Hefen zugleich

Kefirknollen sehen aus wie kleine Blumenkohlröschen und sind eine Lebensgemeinschaft: Milchsäure- und Essigsäurebakterien zusammen mit Hefen, eingebettet in ein Gerüst aus einem Zucker namens Kefiran, das die Bakterien selbst herstellen.

Diese Kombination unterscheidet Kefir von Joghurt. Die Hefen vergären einen Teil des Milchzuckers zu Kohlensäure und Alkohol — deshalb prickelt Kefir leicht und schmeckt hefig.

Die Knollen entstehen nicht neu; man kann sie nicht aus Reinkulturen züchten. Alle heute verwendeten stammen ab von Knollen, die vor Generationen im Kaukasus weitergegeben wurden.

Was im Becher aus dem Kühlregal ist

Handelsüblicher Kefir wird fast nie mit Knollen hergestellt. Für eine industrielle Produktion sind sie ungeeignet: Sie wachsen ungleichmäßig, verändern sich und lassen sich schlecht standardisieren.

Stattdessen werden ausgewählte Reinkulturen zugesetzt, häufig ohne Hefen. Das Ergebnis heißt in Deutschland meist Kefir mild — ein Milchprodukt mit Kefir-Charakter, aber ohne den Hefeanteil und ohne den Alkohol.

Wer wegen der Hefen zu Kefir greift, muss also selbst ansetzen oder gezielt suchen. Ein Blick auf die Zutatenliste hilft nur bedingt; die Kulturen werden selten genau benannt.

Der Laktose-Punkt

Kefir wird für Menschen mit Laktoseintoleranz empfohlen, und das zu Recht — aber nicht aus dem Grund, der meist genannt wird.

Der Milchzucker verschwindet nicht vollständig; je nach Gärdauer bleiben siebzig bis achtzig Prozent erhalten. Entscheidend ist etwas anderes: Die Kulturen bringen ihre eigene Laktase mit, die im Darm weiterarbeitet und den Rest aufschließt.

Für Joghurt ist genau dieser Zusammenhang die Grundlage der einzigen zugelassenen Probiotika-Angabe der Unionsliste. Kefir fällt formal nicht darunter, weil der Claim an lebende Joghurtkulturen in Joghurt gebunden ist — obwohl dieselbe Mechanik greift.

Ein gutes Beispiel dafür, wie eng die Unionsliste formuliert ist.

Was die Studien hergeben

Für die Laktoseverdauung gibt es solide Daten. Darüber hinaus liegen kleinere Untersuchungen zu Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin vor, mit uneinheitlichen und meist kleinen Effekten.

Das ist mehr als bei Kombucha und weniger als bei den gut untersuchten Einzelstämmen. Eine zugelassene Angabe existiert nicht.

Die Einordnung

Kefir ist ein gutes Lebensmittel: Protein, Calcium, Vitamin B12, wenig Zucker, angenehm sauer und für viele besser verträglich als Milch.

Als solches braucht er keinen Gesundheitsanspruch. Wer selbst ansetzt, bekommt zusätzlich die Hefen — und sollte die Knollen einfach regelmäßig füttern, kühl aufbewahren und wachsen lassen.

Kefir — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Kefir aus echten Knollen hoch Eine Lebensgemeinschaft aus Milchsäurebakterien, Essigsäurebakterien und Hefen in einer Matrix aus Kefiran. Die Knollen wachsen und werden weitergegeben.
Handelsüblicher Kefir hoch Mit ausgewählten Reinkulturen hergestellt, nicht mit Knollen — meist ohne die Hefen. Rechtlich heißt er häufig Kefir mild.
Wasserkefir (Japankristalle) hoch Eine andere Lebensgemeinschaft, auf Zuckerwasser mit Trockenfrüchten angesetzt. Milchfrei, mit anderem Keimspektrum.
Kefir-Starterkulturen aus der Tüte hoch Gefriergetrocknete Mischungen. Bequem, aber die Zusammensetzung bleibt über die Ansätze hinweg nicht stabil.

Kefir einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Über den Tag, als Lebensmittel. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.

Einschleichend beginnen — die ungewohnte Keimmenge kann anfangs Blähungen auslösen. Selbst angesetzten Kefir nach dem Abseihen kühl stellen, sonst gärt er weiter.

Kefir Wechselwirkungen

Antibiotika

hemmt

Die Kulturen werden abgetötet; zwei Stunden Abstand halten.

Immunsuppressiva

Vorsicht

Kefir enthält lebende Hefen. Bei schwerer Immunschwäche ist davon abzuraten.

Wer auf Kefir besonders achten sollte

  • Bei Laktoseintoleranz meist besser verträglich als Milch
  • Nicht bei schwerer Immunschwäche wegen der lebenden Hefen
  • Bei Kindern und in der Schwangerschaft auf den Alkoholgehalt selbst angesetzter Ware achten

Kefir in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Milchkefir Protein, Calcium, Vitamin B12 wie Milch, dazu lebende Kulturen
Kefir gegenüber Milch rund 20 bis 30 Prozent weniger Laktose, je nach Gärdauer

Häufige Fragen zu Kefir

01Wann sollte man Kefir einnehmen?

Über den Tag, als Lebensmittel. Zu oder direkt nach einer Mahlzeit. Einschleichend beginnen — die ungewohnte Keimmenge kann anfangs Blähungen auslösen. Selbst angesetzten Kefir nach dem Abseihen kühl stellen, sonst gärt er weiter.

02Wie viel Kefir am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 200–500 ml am Tag.

03Wie viel Kefir ist zu viel?

Keine Obergrenze festgelegt. EFSA; Kefir ist ein traditionelles Lebensmittel. Selbst angesetzter Kefir enthält Alkohol — je nach Gärdauer 0,2 bis über 1 Volumenprozent. Bei Kindern, in der Schwangerschaft und bei Alkoholabstinenz ist das zu bedenken.

04Welche Wechselwirkungen hat Kefir?

Zu beachten sind Antibiotika und Immunsuppressiva. Antibiotika: Die Kulturen werden abgetötet; zwei Stunden Abstand halten. Immunsuppressiva: Kefir enthält lebende Hefen. Bei schwerer Immunschwäche ist davon abzuraten.

05Für wen ist Kefir nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Bei Laktoseintoleranz meist besser verträglich als Milch; Nicht bei schwerer Immunschwäche wegen der lebenden Hefen; Bei Kindern und in der Schwangerschaft auf den Alkoholgehalt selbst angesetzter Ware achten. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Kefir?

Gute Quellen sind Milchkefir (Protein, Calcium, Vitamin B12 wie Milch, dazu lebende Kulturen) und Kefir gegenüber Milch (rund 20 bis 30 Prozent weniger Laktose, je nach Gärdauer).

07Welche Form von Kefir ist am besten?

Gut aufgenommen werden Kefir aus echten Knollen, Handelsüblicher Kefir, Wasserkefir (Japankristalle) und Kefir-Starterkulturen aus der Tüte. Zu Kefir aus echten Knollen: Eine Lebensgemeinschaft aus Milchsäurebakterien, Essigsäurebakterien und Hefen in einer Matrix aus Kefiran. Die Knollen wachsen und werden weitergegeben.

08Womit darf für Kefir geworben werden?

Nichts. Für Kefir gibt es keine eigene zugelassene Angabe. Zulässig ist der Laktose-Claim für lebende Joghurtkulturen nur bei Joghurt im Sinne der Verordnung — Kefir fällt nicht darunter. Werbung mit Darmflora, Immunsystem oder Verdauung ist unzulässig.

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Belege

  1. 01 Kefir — a review of its composition and health effects · Frontiers in Microbiology
  2. 02 Kefir improves lactose digestion and tolerance in adults with lactose maldigestion · Journal of the American Dietetic Association
  3. 03 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Angabe zu lebenden Joghurtkulturen · Europäische Kommission · 2012

Siehe auch

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