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VII · Darmflora

Joghurtkulturen

auch: Lactobacillus delbrueckii ssp. bulgaricus · Streptococcus thermophilus · Lebendkulturen

Die einzige zugelassene Angabe im gesamten Probiotika-Bereich — und sie gilt für gewöhnlichen Joghurt.

Studienlage

Sehr gut belegt, von Fachgesellschaften anerkannt

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Zugelassene Angabe

Was über Joghurtkulturen gesagt werden darf

Für diesen Stoff stehen gesundheitsbezogene Angaben in der Unionsliste (VO (EU) 432/2012). Sie dürfen im angegebenen Wortlaut verwendet werden.

  1. 01

    „Lebende Joghurtkulturen in Joghurt oder fermentierter Milch verbessern die Lactoseverdauung des Produkts bei Personen, die Schwierigkeiten mit der Lactoseverdauung haben“

    Bedingung Das Erzeugnis muss je Gramm mindestens 100 Millionen lebende Kulturen von Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus und Streptococcus thermophilus enthalten

Dies ist die einzige zugelassene gesundheitsbezogene Angabe im gesamten Bereich der Milchsäurebakterien. Sämtliche Anträge zu Darmflora, Abwehrkräften, Verdauung und Wohlbefinden wurden abgelehnt — auch das Wort „probiotisch“ gilt in Deutschland als unzulässige Angabe.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Der einzige Probiotika-Claim, den es gibt

Die Bilanz der Milchsäurebakterien vor der EFSA ist verheerend: Über zweihundert Anträge wurden gestellt — zu Darmflora, Abwehrkräften, Verdauung, Wohlbefinden, Infektabwehr. Praktisch alle wurden abgelehnt.

Übrig geblieben ist ein einziger Satz, und er handelt von etwas denkbar Bescheidenem: Lebende Joghurtkulturen verbessern die Verdauung der Lactose, die im selben Produkt enthalten ist.

Das ist zugleich der Grund, warum in Deutschland niemand mehr „probiotisch” auf ein Lebensmittel schreiben darf. Der Begriff selbst gilt als gesundheitsbezogene Angabe — und eine zugelassene ist er nicht.

Warum ausgerechnet dieser Antrag durchkam

Der Mechanismus ist einfach und messbar. Die beiden Joghurtbakterien bringen eigene Laktase mit. Sie überstehen die Magenpassage teilweise und spalten im Dünndarm den Milchzucker weiter, der sonst unverdaut in den Dickdarm gelangt und dort Blähungen verursacht.

Der Effekt ließ sich in Atemtests direkt nachweisen: weniger Wasserstoff in der Atemluft, weniger Beschwerden. Kein Zwischenbefund, keine Hypothese über die Darmflora — ein ablesbares Ergebnis.

Genau daran sind die anderen Anträge gescheitert. Dass ein Stamm die Bifidobakterienzahl erhöht, ist gut messbar, gilt der Behörde aber nicht als gesundheitlicher Nutzen.

Was das für den Einkauf bedeutet

Zwei Angaben auf dem Becher zählen. Erstens: „mit lebenden Kulturen“ — wärmebehandelter Joghurt ist länger haltbar und enthält keine lebenden Bakterien mehr. Er muss als wärmebehandelt gekennzeichnet sein, und für ihn gilt der Claim nicht.

Zweitens die Keimzahl von mindestens 100 Millionen je Gramm. Frischer Naturjoghurt erfüllt sie in aller Regel; gegen Ende der Haltbarkeit sinkt sie ab.

Teure probiotische Spezialjoghurts bringen für diese Wirkung nichts, was gewöhnlicher Naturjoghurt nicht auch könnte.

Der praktische Nutzen

Menschen mit Lactoseintoleranz vertragen Joghurt oft deutlich besser als Milch — und das, obwohl Joghurt kaum weniger Lactose enthält. Der Unterschied sind die Kulturen.

Das ist eine der wenigen Stellen, an denen sich eine Alltagsbeobachtung, ein verstandener Mechanismus und eine amtlich zugelassene Angabe treffen. In dieser Datenbank ist das seltener, als man denken würde.

Joghurtkulturen — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Naturjoghurt mit lebenden Kulturen hoch Die Form, für die der Claim gilt. Die Bakterien bringen ihre eigene Laktase mit und spalten den Milchzucker im Darm weiter.
Wärmebehandelter Joghurt niedrig Nach der Fermentation erhitzt und damit länger haltbar — die Kulturen sind tot, der Claim gilt nicht. Muss entsprechend gekennzeichnet sein.
Kefir hoch Enthält ein breiteres Spektrum aus Bakterien und Hefen. Für Kefir gibt es keine eigene zugelassene Angabe.
Probiotische Präparate hoch Definierte Stämme in hoher Keimzahl, in dieser Datenbank unter Probiotika geführt. Ohne zugelassene Angabe — unabhängig davon, wie gut ein einzelner Stamm untersucht ist.

Joghurtkulturen einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Zu oder nach den Mahlzeiten. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.

Joghurt wird von vielen Menschen mit Lactoseintoleranz besser vertragen als Milch — nicht weil weniger Lactose enthalten wäre, sondern weil die Kulturen sie im Darm weiter abbauen.

Joghurtkulturen Wechselwirkungen

Antibiotika

hemmt

Antibiotika töten auch die Joghurtkulturen ab. Zwei Stunden Abstand halten oder auf die Hefe Saccharomyces boulardii ausweichen, der Antibiotika nichts anhaben können.

Laktase-Präparaten

verstärkt

Beide zielen auf dasselbe. Wer Joghurt gut verträgt, braucht dafür kein Enzym.

Schwerer Immunschwäche

Vorsicht

Bei stark geschwächter Abwehr ist bei allen lebenden Kulturen Zurückhaltung angebracht.

Wer auf Joghurtkulturen besonders achten sollte

  • Menschen mit Lactoseintoleranz — die Gruppe, für die der Claim ausdrücklich gilt
  • Menschen nach Antibiotikatherapie
  • Vorsicht bei schwerer Immunschwäche

Joghurtkulturen in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Naturjoghurt mindestens 100 Millionen lebende Kulturen je Gramm
Kefir zusätzlich Hefen, breiteres Keimspektrum
Fermentiertes Gemüse liefert andere Milchsäurebakterien, meist ohne Keimzahlangabe

Häufige Fragen zu Joghurtkulturen

01Wann sollte man Joghurtkulturen einnehmen?

Zu oder nach den Mahlzeiten. Joghurt wird von vielen Menschen mit Lactoseintoleranz besser vertragen als Milch — nicht weil weniger Lactose enthalten wäre, sondern weil die Kulturen sie im Darm weiter abbauen.

02Wie viel Joghurtkulturen am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 100–200 g Joghurt mit lebenden Kulturen je Portion.

03Wie viel Joghurtkulturen ist zu viel?

Keine Obergrenze. EFSA; Joghurt ist ein traditionelles Lebensmittel. Für die Angabe müssen mindestens 100 Millionen lebende Kulturen je Gramm enthalten sein. Wärmebehandelter Joghurt erfüllt das nicht — er muss als „wärmebehandelt“ gekennzeichnet sein.

04Welche Wechselwirkungen hat Joghurtkulturen?

Zu beachten sind Antibiotika, Laktase-Präparaten und Schwerer Immunschwäche. Antibiotika: Antibiotika töten auch die Joghurtkulturen ab. Zwei Stunden Abstand halten oder auf die Hefe Saccharomyces boulardii ausweichen, der Antibiotika nichts anhaben können. Laktase-Präparaten: Beide zielen auf dasselbe. Wer Joghurt gut verträgt, braucht dafür kein Enzym. Schwerer Immunschwäche: Bei stark geschwächter Abwehr ist bei allen lebenden Kulturen Zurückhaltung angebracht.

05Für wen ist Joghurtkulturen nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Menschen mit Lactoseintoleranz — die Gruppe, für die der Claim ausdrücklich gilt; Menschen nach Antibiotikatherapie; Vorsicht bei schwerer Immunschwäche. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Joghurtkulturen?

Gute Quellen sind Naturjoghurt (mindestens 100 Millionen lebende Kulturen je Gramm), Kefir (zusätzlich Hefen, breiteres Keimspektrum) und Fermentiertes Gemüse (liefert andere Milchsäurebakterien, meist ohne Keimzahlangabe).

07Welche Form von Joghurtkulturen ist am besten?

Gut aufgenommen werden Naturjoghurt mit lebenden Kulturen, Kefir und Probiotische Präparate. Schlechter verfügbar ist Wärmebehandelter Joghurt. Zu Naturjoghurt mit lebenden Kulturen: Die Form, für die der Claim gilt. Die Bakterien bringen ihre eigene Laktase mit und spalten den Milchzucker im Darm weiter.

08Womit darf für Joghurtkulturen geworben werden?

Zugelassen sind nach der Unionsliste unter anderem: „Lebende Joghurtkulturen in Joghurt oder fermentierter Milch verbessern die Lactoseverdauung des Produkts bei Personen, die Schwierigkeiten mit der Lactoseverdauung haben“. Bedingung: Das Erzeugnis muss je Gramm mindestens 100 Millionen lebende Kulturen von Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus und Streptococcus thermophilus enthalten.

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Belege

  1. 01 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Unionsliste zulässiger Angaben · Europäische Kommission · 2012
  2. 02 Scientific Opinion on live yoghurt cultures and improved lactose digestion · European Food Safety Authority · 2010
  3. 03 Ablehnungsverordnungen zu Probiotika-Angaben · Europäische Kommission

Siehe auch

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