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VII · Darmflora

Saccharomyces boulardii

auch: Arzneihefe · Trockenhefe · Perenterol · S. boulardii CNCM I-745

Eine Hefe statt Bakterien — als Arzneimittel gegen Durchfall zugelassen, mit einer ernsten Gegenanzeige für Immungeschwächte.

Studienlage

Gut untersucht, überwiegend übereinstimmende Ergebnisse
Angabe abgelehnt

Was über Saccharomyces boulardii gesagt werden darf

Beantragte gesundheitsbezogene Angaben wurden von der EFSA geprüft und nicht zugelassen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.

Die Kommission hat 2013 die Angabe „Saccharomyces cerevisiae var. boulardii CNCM I-3799 helps maintain intestinal comfort“ nicht zugelassen (VO (EU) Nr. 1066/2013, ABl. L 289 vom 31.10.2013, S. 49, Anhang, Q-2012-00271), weil kein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang festgestellt werden konnte. Das betrifft nur diesen Stamm und diese Angabe. Nach Auffassung der Kommission gilt schon die Bezeichnung „Probiotika“ als gesundheitsbezogene Angabe (Beschluss des Europäischen Bürgerbeauftragten 2273/2023/MIK). Aussagen zu Durchfall sind zudem krankheitsbezogen. Als Arzneimittel ist S. boulardii dagegen mit genau diesen Anwendungsgebieten zugelassen.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Eine Hefe unter lauter Bakterien

Fast alles, was als Probiotikum verkauft wird, sind Milchsäurebakterien und Bifidobakterien. Saccharomyces boulardii ist eine Hefe — und daraus ergibt sich ihr entscheidender praktischer Vorteil: Antibiotika können ihr nichts anhaben.

Wer bakterielle Probiotika während einer Antibiotikatherapie nimmt, muss den Einnahmeabstand beachten und nimmt in Kauf, dass ein Teil abgetötet wird. Bei der Hefe entfällt dieses Problem vollständig.

Entdeckt wurde sie in den 1920er Jahren auf der Schale von Litschis in Indochina, wo Einheimische sie gegen Durchfall einsetzten. Der französische Wissenschaftler Henri Boulard gab ihr den Namen.

Was belegt ist

Die beste Datenlage besteht für die Antibiotika-assoziierte Diarrhö: Eine Cochrane-Auswertung bei Kindern zeigt eine deutliche Verringerung der Häufigkeit, wenn die Einnahme mit der Antibiotikatherapie beginnt.

Diese Anwendung ist in Deutschland eine Arzneimittelindikation. Das erklärt die kuriose Lage: Ein und dieselbe Hefe steht in der Apotheke mit Anwendungsgebiet und Beipackzettel — und daneben als Nahrungsergänzungsmittel, das nichts davon sagen darf.

Was für Probiotika-Angaben gilt

Nach Auffassung der Kommission gilt schon die Bezeichnung „Probiotika“ auf Lebensmitteln als gesundheitsbezogene Angabe (Beschluss des Europäischen Bürgerbeauftragten 2273/2023/MIK).

Das gilt unabhängig davon, wie gut ein einzelner Stamm bei einer bestimmten Erkrankung untersucht ist — die Claim-Verordnung kennt keine Indikationen, nur allgemeine Verbraucheraussagen.

Die Gegenanzeige, die ernst zu nehmen ist

Bei Immunschwäche und bei liegendem zentralem Venenkatheter ist S. boulardii nicht geeignet — es besteht eine strikte Gegenanzeige.

Saccharomyces boulardii — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Gefriergetrocknete Hefe (CNCM I-745) hoch Der in nahezu allen Studien verwendete Stamm. Übersteht die Magensäure gut und siedelt sich vorübergehend im Darm an, ohne ihn dauerhaft zu besiedeln.
Kapseln hoch Praktisch und geschmacksneutral. Nicht in heiße Getränke einrühren — über 50 Grad stirbt die Hefe ab.
Pulverbeutel hoch Für Kinder und bei Schluckproblemen. In lauwarmer Flüssigkeit oder Nahrung anrühren.
Bierhefe (Saccharomyces cerevisiae) niedrig Eine verwandte, aber andere Art ohne die untersuchten Eigenschaften. Die Verwechslung im Regal ist häufig.

Saccharomyces boulardii einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Bei Antibiotikatherapie vom ersten Tag an, über die Therapie hinaus fortführen. Unabhängig von einer Mahlzeit.

Anders als bakterielle Probiotika wird die Hefe von Antibiotika nicht abgetötet — ein zeitlicher Abstand ist deshalb nicht nötig. Nach Therapieende noch ein bis zwei Wochen weiter einnehmen.

Saccharomyces boulardii Wechselwirkungen

Antimykotika

hemmt

Pilzmittel wie Fluconazol oder Nystatin töten die Hefe ab. Die gleichzeitige Anwendung hebt die Wirkung auf.

Immunsuppressiva

Vorsicht

Bei Immunschwäche ist S. boulardii nicht geeignet. Gegenanzeige.

Zentraler Venenkatheter

Vorsicht

Bei liegendem zentralem Venenkatheter ist S. boulardii nicht geeignet. Gegenanzeige.

Wer auf Saccharomyces boulardii besonders achten sollte

  • Menschen unter Antibiotikatherapie zur Vorbeugung von Durchfall
  • Reisende mit Risiko für Reisedurchfall
  • Nicht geeignet bei Immunschwäche, Krebstherapie, nach Transplantation und bei liegendem Katheter
  • Nicht geeignet bei Hefeallergie

Häufige Fragen zu Saccharomyces boulardii

01Wann sollte man Saccharomyces boulardii einnehmen?

Bei Antibiotikatherapie vom ersten Tag an, über die Therapie hinaus fortführen. Auf nüchternen Magen, mit Abstand zu den Mahlzeiten. Anders als bakterielle Probiotika wird die Hefe von Antibiotika nicht abgetötet — ein zeitlicher Abstand ist deshalb nicht nötig. Nach Therapieende noch ein bis zwei Wochen weiter einnehmen.

02Wie viel Saccharomyces boulardii am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 250–500 mg (5–10 Milliarden koloniebildende Einheiten) am Tag.

03Wie viel Saccharomyces boulardii ist zu viel?

Bis 1.000 mg am Tag in Studien eingesetzt. Fachinformationen der zugelassenen Arzneimittel. Strikte Gegenanzeige bei Immunschwäche und bei liegendem zentralem Venenkatheter.

04Welche Wechselwirkungen hat Saccharomyces boulardii?

Zu beachten sind Antimykotika, Immunsuppressiva und Zentraler Venenkatheter. Antimykotika: Pilzmittel wie Fluconazol oder Nystatin töten die Hefe ab. Die gleichzeitige Anwendung hebt die Wirkung auf. Immunsuppressiva: Bei Immunschwäche ist S. boulardii nicht geeignet. Gegenanzeige. Zentraler Venenkatheter: Bei liegendem zentralem Venenkatheter ist S. boulardii nicht geeignet. Gegenanzeige.

05Für wen ist Saccharomyces boulardii nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Menschen unter Antibiotikatherapie zur Vorbeugung von Durchfall; Reisende mit Risiko für Reisedurchfall; Nicht geeignet bei Immunschwäche, Krebstherapie, nach Transplantation und bei liegendem Katheter; Nicht geeignet bei Hefeallergie. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06Welche Form von Saccharomyces boulardii ist am besten?

Gut aufgenommen werden Gefriergetrocknete Hefe (CNCM I-745), Kapseln und Pulverbeutel. Schlechter verfügbar ist Bierhefe (Saccharomyces cerevisiae). Zu Gefriergetrocknete Hefe (CNCM I-745): Der in nahezu allen Studien verwendete Stamm. Übersteht die Magensäure gut und siedelt sich vorübergehend im Darm an, ohne ihn dauerhaft zu besiedeln.

07Womit darf für Saccharomyces boulardii geworben werden?

Nichts. Die Kommission hat 2013 die Angabe „Saccharomyces cerevisiae var. boulardii CNCM I-3799 helps maintain intestinal comfort“ nicht zugelassen (VO (EU) Nr. 1066/2013, ABl. L 289 vom 31.10.2013, S. 49, Anhang, Q-2012-00271), weil kein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang festgestellt werden konnte. Das betrifft nur diesen Stamm und diese Angabe. Nach Auffassung der Kommission gilt schon die Bezeichnung „Probiotika“ als gesundheitsbezogene Angabe (Beschluss des Europäischen Bürgerbeauftragten 2273/2023/MIK). Aussagen zu Durchfall sind zudem krankheitsbezogen. Als Arzneimittel ist S. boulardii dagegen mit genau diesen Anwendungsgebieten zugelassen.

Belege

  1. 01 Probiotics for the prevention of pediatric antibiotic-associated diarrhea · Cochrane Database of Systematic Reviews · 2019
  2. 02 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Unionsliste zulässiger Angaben · Europäische Kommission · 2012

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