VII · Darmflora
Saccharomyces boulardii
auch: Arzneihefe · Trockenhefe · Perenterol · S. boulardii CNCM I-745
Eine Hefe statt Bakterien — als Arzneimittel gegen Durchfall zugelassen, mit einer ernsten Gegenanzeige für Immungeschwächte.
Studienlage
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Was über Saccharomyces boulardii gesagt werden darf
Beantragte gesundheitsbezogene Angaben wurden von der EFSA geprüft und nicht zugelassen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.
Die EFSA hat sämtliche Probiotika-Anträge zu Darmflora und Abwehrkräften abgelehnt — der Begriff „probiotisch“ gilt selbst als unzulässige gesundheitsbezogene Angabe. Aussagen zu Durchfall sind zudem krankheitsbezogen. Als Arzneimittel ist S. boulardii dagegen mit genau diesen Anwendungsgebieten zugelassen.
Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert
Eine Hefe unter lauter Bakterien
Fast alles, was als Probiotikum verkauft wird, sind Milchsäurebakterien und Bifidobakterien. Saccharomyces boulardii ist eine Hefe — und daraus ergibt sich ihr entscheidender praktischer Vorteil: Antibiotika können ihr nichts anhaben.
Wer bakterielle Probiotika während einer Antibiotikatherapie nimmt, muss den Einnahmeabstand beachten und nimmt in Kauf, dass ein Teil abgetötet wird. Bei der Hefe entfällt dieses Problem vollständig.
Entdeckt wurde sie in den 1920er Jahren auf der Schale von Litschis in Indochina, wo Einheimische sie gegen Durchfall einsetzten. Der französische Wissenschaftler Henri Boulard gab ihr den Namen.
Was belegt ist
Die beste Datenlage besteht für die Antibiotika-assoziierte Diarrhö: Cochrane-Auswertungen zeigen eine deutliche Verringerung der Häufigkeit, wenn die Einnahme mit der Antibiotikatherapie beginnt. Auch bei Reisedurchfall und bei akuten Durchfallerkrankungen von Kindern fanden Studien eine Verkürzung der Dauer um etwa einen Tag.
Diese Anwendungen sind in Deutschland Arzneimittelindikationen. Das erklärt die kuriose Lage: Ein und dieselbe Hefe steht in der Apotheke mit Anwendungsgebiet und Beipackzettel — und daneben als Nahrungsergänzungsmittel, das nichts davon sagen darf.
Warum alle Probiotika-Claims abgelehnt sind
Die EFSA hat sämtliche Anträge zur Darmflora und zur Abwehr zurückgewiesen. Sie bewertet die Vermehrung nützlicher Bakterien nicht als gesundheitlichen Nutzen, sondern als Zwischenbefund. Deshalb ist selbst das Wort „probiotisch“ auf Lebensmitteln in Deutschland als unzulässige Angabe eingestuft.
Das gilt unabhängig davon, wie gut ein einzelner Stamm bei einer bestimmten Erkrankung untersucht ist — die Claim-Verordnung kennt keine Indikationen, nur allgemeine Verbraucheraussagen.
Die Gegenanzeige, die ernst zu nehmen ist
Bei Menschen mit stark geschwächter Abwehr oder liegendem zentralem Venenkatheter sind Fälle beschrieben, in denen die Hefe in die Blutbahn gelangte und eine Fungämie verursachte. Ein Teil der Fälle entstand nicht einmal durch Einnahme, sondern durch Kontamination des Katheters, als im selben Raum Kapseln geöffnet wurden.
Auf Intensivstationen und in der Onkologie ist S. boulardii deshalb kein harmloses Hausmittel. Für gesunde Menschen ist die Anwendung dagegen gut verträglich.
Saccharomyces boulardii — welche Form ist die beste?
Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.
| Form | Aufnahme | Anmerkung |
|---|---|---|
| Gefriergetrocknete Hefe (CNCM I-745) | hoch | Der in nahezu allen Studien verwendete Stamm. Übersteht die Magensäure gut und siedelt sich vorübergehend im Darm an, ohne ihn dauerhaft zu besiedeln. |
| Kapseln | hoch | Praktisch und geschmacksneutral. Nicht in heiße Getränke einrühren — über 50 Grad stirbt die Hefe ab. |
| Pulverbeutel | hoch | Für Kinder und bei Schluckproblemen. In lauwarmer Flüssigkeit oder Nahrung anrühren. |
| Bierhefe (Saccharomyces cerevisiae) | niedrig | Eine verwandte, aber andere Art ohne die untersuchten Eigenschaften. Die Verwechslung im Regal ist häufig. |
Saccharomyces boulardii Wechselwirkungen
Antimykotika
hemmtPilzmittel wie Fluconazol oder Nystatin töten die Hefe ab. Die gleichzeitige Anwendung hebt die Wirkung auf.
Immunsuppressiva
VorsichtBei geschwächter Abwehr steigt das Risiko, dass die Hefe in die Blutbahn übertritt. Gegenanzeige.
Zentraler Venenkatheter
VorsichtDie dokumentierten Fungämiefälle entstanden überwiegend durch Kontamination des Katheters beim Öffnen der Kapseln im selben Raum.
Wer auf Saccharomyces boulardii besonders achten sollte
- Menschen unter Antibiotikatherapie zur Vorbeugung von Durchfall
- Reisende mit Risiko für Reisedurchfall
- Nicht geeignet bei Immunschwäche, Krebstherapie, nach Transplantation und bei liegendem Katheter
- Nicht geeignet bei Hefeallergie
Häufige Fragen zu Saccharomyces boulardii
01Wann sollte man Saccharomyces boulardii einnehmen?
Bei Antibiotikatherapie vom ersten Tag an, über die Therapie hinaus fortführen. Auf nüchternen Magen, mit Abstand zu den Mahlzeiten. Anders als bakterielle Probiotika wird die Hefe von Antibiotika nicht abgetötet — ein zeitlicher Abstand ist deshalb nicht nötig. Nach Therapieende noch ein bis zwei Wochen weiter einnehmen.
02Wie viel Saccharomyces boulardii am Tag?
In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 250–500 mg (5–10 Milliarden koloniebildende Einheiten) am Tag.
03Wie viel Saccharomyces boulardii ist zu viel?
Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei Bis 1.000 mg am Tag in Studien eingesetzt. Fachinformationen der zugelassenen Arzneimittel. Strikte Gegenanzeige bei Immunschwäche und bei liegendem zentralem Venenkatheter — es sind Fälle beschrieben, in denen die Hefe in die Blutbahn gelangte und eine Fungämie auslöste. Die Kapseln sollen deshalb in Krankenzimmern nicht geöffnet werden.
04Welche Wechselwirkungen hat Saccharomyces boulardii?
Zu beachten sind Antimykotika, Immunsuppressiva und Zentraler Venenkatheter. Antimykotika: Pilzmittel wie Fluconazol oder Nystatin töten die Hefe ab. Die gleichzeitige Anwendung hebt die Wirkung auf. Immunsuppressiva: Bei geschwächter Abwehr steigt das Risiko, dass die Hefe in die Blutbahn übertritt. Gegenanzeige. Zentraler Venenkatheter: Die dokumentierten Fungämiefälle entstanden überwiegend durch Kontamination des Katheters beim Öffnen der Kapseln im selben Raum.
05Für wen ist Saccharomyces boulardii nicht geeignet?
Besondere Vorsicht gilt für: Menschen unter Antibiotikatherapie zur Vorbeugung von Durchfall; Reisende mit Risiko für Reisedurchfall; Nicht geeignet bei Immunschwäche, Krebstherapie, nach Transplantation und bei liegendem Katheter; Nicht geeignet bei Hefeallergie. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.
06Welche Form von Saccharomyces boulardii ist am besten?
Gut aufgenommen werden Gefriergetrocknete Hefe (CNCM I-745), Kapseln und Pulverbeutel. Schlechter verfügbar ist Bierhefe (Saccharomyces cerevisiae). Zu Gefriergetrocknete Hefe (CNCM I-745): Der in nahezu allen Studien verwendete Stamm. Übersteht die Magensäure gut und siedelt sich vorübergehend im Darm an, ohne ihn dauerhaft zu besiedeln.
07Womit darf für Saccharomyces boulardii geworben werden?
Nichts. Die EFSA hat sämtliche Probiotika-Anträge zu Darmflora und Abwehrkräften abgelehnt — der Begriff „probiotisch“ gilt selbst als unzulässige gesundheitsbezogene Angabe. Aussagen zu Durchfall sind zudem krankheitsbezogen. Als Arzneimittel ist S. boulardii dagegen mit genau diesen Anwendungsgebieten zugelassen.
Belege
- 01 Probiotics for the prevention of antibiotic-associated diarrhoea · Cochrane Database of Systematic Reviews
- 02 Saccharomyces boulardii fungaemia — review of reported cases · Clinical Microbiology and Infection
- 03 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 und Ablehnungsverordnungen zu Probiotika · Europäische Kommission
Siehe auch
Andere Darmflora
Wirkstoffbereiche
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Vitamine
Organische Verbindungen, die der Körper nicht oder nicht ausreichend selbst herstellt.
Mineralstoffe
Anorganische Nährstoffe, die der Körper in Mengen über 50 mg am Tag braucht.
Spurenelemente
Mineralstoffe, von denen der Körper täglich weniger als 50 mg benötigt.
Fettsäuren
Bausteine der Nahrungsfette, darunter die essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
Aminosäuren
Bausteine der Eiweiße, teils essenziell, teils vom Körper selbst herstellbar.
Pflanzenstoffe
Extrakte und Einzelstoffe aus Pflanzen. Für sie ist die Claim-Bewertung bis heute ausgesetzt.
Darmflora
Probiotische Kulturen und Ballaststoffe, die auf die Darmbesiedlung wirken.
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Weitere Stoffe
Körpereigene Verbindungen und Strukturstoffe, die keiner der übrigen Gruppen zufallen.