Was „präbiotisch“ rechtlich wert ist
Inulin ist der Musterstoff für den Begriff Präbiotikum: unverdaulich für den Menschen,
Nahrungsgrundlage für Bifidobakterien und Laktobazillen im Dickdarm. Dass es diese Bakterien
vermehrt, ist gut gemessen und unbestritten.
Nur ist genau diese Aussage nicht zugelassen. Die EFSA hat die Vermehrung von Bifidobakterien
nicht als gesundheitlichen Nutzen anerkannt, sondern als Zwischenbefund ohne belegte Folge für
den Menschen. Erlaubt ist stattdessen die nüchterne Angabe zur Stuhlfrequenz — und die auch nur
für natives Zichorien-Inulin bei 12 g am Tag.
Wer auf einer Packung „präbiotisch — für eine gesunde Darmflora“ liest, liest damit eine Angabe,
die so nicht zulässig ist.
Die 12-Gramm-Hürde
Die vorgesehene Menge ist hoch. 12 g Inulin sind deutlich mehr, als die meisten Präparate je
Tagesdosis liefern, und mehr, als viele Menschen ohne Blähungen vertragen. In den zugrunde
liegenden Studien nahm die Stuhlfrequenz bei dieser Menge messbar zu, bei niedrigeren Mengen
nicht zuverlässig.
Realistisch ist deshalb: entweder einschleichend auf eine hohe Dosis hinarbeiten oder die
Erwartung an das anpassen, was 5 g leisten — nämlich Futter für die Darmflora, aber keine
zuverlässige Wirkung auf den Stuhlgang.
Warum es bei Reizdarm das Falsche ist
Inulin und die kurzkettige Oligofructose sind klassische FODMAP. Sie ziehen Wasser in den Darm
und werden rasch zu Gas vergoren. Bei einem empfindlichen Darm ist das genau der Auslöser der
Beschwerden, die abgestellt werden sollen.
Für diese Gruppe sind Flohsamenschalen die bessere Wahl: löslich, wasserbindend, aber kaum
vergärbar — und mit eigener zugelassener Angabe zur Darmfunktion.
Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt
Inulin taucht längst nicht nur in Präparaten auf. Es steckt als Fettersatz in fettreduzierten
Joghurts, als Ballaststoffzusatz in Riegeln und Broten, als Trägerstoff in Pulvern. Wer mehrere
solcher Produkte kombiniert und dazu ein Präparat nimmt, kommt schnell auf Mengen, die den Bauch
spürbar beschäftigen — ohne den Zusammenhang zu vermuten.