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VII · Darmflora

2'-Fucosyllactose

auch: 2'-FL · HMO · Humane Milch-Oligosaccharide · Muttermilch-Oligosaccharide

Der häufigste Zucker der Muttermilch, den der Säugling gar nicht verdauen kann — und der genau deshalb wirkt.

Studienlage

Mehrere kontrollierte Studien, Bild noch nicht geschlossen

Unsere Empfehlung

Drei Präparate mit 2'-Fucosyllactose, drei Maßstäbe

Wie wir bewerten
  1. I Wirkstoffsieger

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Keine Angabe beantragt

Was über 2'-Fucosyllactose gesagt werden darf

Für diesen Stoff ist keine gesundheitsbezogene Angabe in der Unionsliste eingetragen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.

Für 2'-Fucosyllactose gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Die Novel-Food-Zulassung regelt allein die Verkehrsfähigkeit. Bei Säuglingsanfangsnahrung gelten zudem die strengen Werberegeln der Muttermilchersatz-Verordnung — Aussagen, die vom Stillen abhalten könnten, sind unzulässig.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Der dritthäufigste Bestandteil der Muttermilch

Nach Milchzucker und Fett kommen in der Muttermilch die Oligosaccharide — mehr als zweihundert verschiedene Zuckerketten, ein bis vier Gramm je Liter.

Der Säugling kann keine davon verdauen. Er besitzt die nötigen Enzyme nicht, und die Moleküle gelangen unverändert in den Dickdarm.

Dass der mütterliche Körper mit erheblichem Aufwand einen Stoff herstellt, den das Kind nicht verwerten kann, ist die eigentliche Merkwürdigkeit — und der Ausgangspunkt für alles Weitere.

Zwei Aufgaben statt Ernährung

Die erste Aufgabe ist die eines Futters für Bakterien. Bestimmte Bifidobakterien, allen voran Bifidobacterium longum subsp. infantis, können HMO abbauen und dominieren deshalb die Darmflora gestillter Kinder.

Die zweite Aufgabe ist subtiler. Viele Krankheitserreger heften sich an Zuckerstrukturen der Darmwand, um überhaupt Fuß zu fassen. HMO ähneln diesen Strukturen so sehr, dass die Erreger sich an ihnen festmachen — und mit ihnen wieder ausgeschieden werden.

Ein Köder also, kein Nährstoff. Beobachtungsstudien fanden weniger Durchfallerkrankungen und weniger Atemwegsinfekte bei Kindern, deren Muttermilch reich an bestimmten HMO war.

Der Sekretorstatus

Nicht jede Frau bildet 2’-Fucosyllactose. Es hängt von einem Gen ab, das ein bestimmtes Enzym steuert; rund ein Fünftel der Frauen in Europa sind Nichtsekretoren, und ihrer Milch fehlt dieses Molekül weitgehend.

Ihre Kinder gedeihen trotzdem — die Milch enthält dann andere Oligosaccharide in größerer Menge. Das ist ein nützlicher Dämpfer für die Erzählung, dieses eine Molekül sei unentbehrlich.

Was in der Säuglingsnahrung steckt

Seit 2015 darf 2’-Fucosyllactose Säuglingsnahrung zugesetzt werden. Hergestellt wird sie fermentativ von gentechnisch veränderten Bakterien; das Ergebnis ist chemisch identisch mit dem Molekül aus der Muttermilch.

Studien zeigen, dass sich die Darmflora der so ernährten Kinder der gestillter Kinder annähert, und einzelne Untersuchungen fanden weniger Infekte. Die Zulassungen betreffen die Unbedenklichkeit, nicht die Wirkung — eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe gibt es nicht.

Für die Werbung gilt außerdem eine Besonderheit: Bei Säuglingsanfangsnahrung ist alles untersagt, was vom Stillen abhalten könnte. Deshalb steht auf den Packungen der Hinweis, Muttermilch sei die beste Ernährung — auch dort, wo mit HMO geworben wird.

Die Einordnung

Für Kinder, die nicht gestillt werden können, ist die Annäherung der Flaschennahrung an die Muttermilch ein echter Fortschritt, und HMO sind der bislang größte Schritt dieser Art.

Für Erwachsene ist der Markt neu und die Datenlage dünn. Wer Präbiotika sucht, findet in Inulin, resistenter Stärke und schlicht mehr Gemüse die deutlich günstigere Antwort.

2'-Fucosyllactose — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
2'-Fucosyllactose in Säuglingsnahrung hoch Fermentativ mit gentechnisch veränderten Bakterien hergestellt, chemisch identisch mit dem Molekül der Muttermilch. Seit 2015 in der EU zugelassen.
HMO-Mischungen hoch Neuere Nahrungen enthalten mehrere Oligosaccharide, etwa zusätzlich Lacto-N-neotetraose. Muttermilch enthält über zweihundert verschiedene.
HMO für Erwachsene hoch Als Pulver bei Reizdarm vermarktet. Die Studienlage dazu ist klein.
GOS und FOS hoch Die älteren, aus Milchzucker oder Chicorée gewonnenen Präbiotika in Säuglingsnahrung. Sie ahmen die Wirkung nach, sind den HMO aber nicht gleich.

Wer auf 2'-Fucosyllactose besonders achten sollte

  • Nicht gestillte Säuglinge — die Gruppe, für die diese Zutat entwickelt wurde
  • Bei Reizdarm können größere Mengen Beschwerden auslösen
  • Muttermilch bleibt für Säuglinge die erste Wahl

2'-Fucosyllactose in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Muttermilch 1–4 g HMO je Liter, davon ist 2'-Fucosyllactose bei den meisten Frauen das häufigste
Kuhmilch enthält nur Spuren von Oligosacchariden — ein wesentlicher Unterschied

Häufige Fragen zu 2'-Fucosyllactose

01Wann sollte man 2'-Fucosyllactose einnehmen?

Nach Zubereitungsvorschrift der Nahrung. Zu oder direkt nach einer Mahlzeit. HMO werden nicht verdaut und gelangen unverändert in den Dickdarm. Das ist keine Schwäche, sondern der ganze Sinn der Sache.

02Wie viel 2'-Fucosyllactose am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind In Säuglingsnahrung 1,2 g je Liter; für Erwachsene in Studien 1–5 g am Tag.

03Wie viel 2'-Fucosyllactose ist zu viel?

Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei 1,2 g je Liter Säuglingsnahrung; für Nahrungsergänzungsmittel je nach Zulassung begrenzt. Durchführungsverordnungen der Europäischen Kommission zu 2'-Fucosyllactose. In hohen Mengen wirken HMO wie andere unverdauliche Zucker — Blähungen und weicher Stuhl sind bei Erwachsenen die häufigste Nebenwirkung.

04Für wen ist 2'-Fucosyllactose nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Nicht gestillte Säuglinge — die Gruppe, für die diese Zutat entwickelt wurde; Bei Reizdarm können größere Mengen Beschwerden auslösen; Muttermilch bleibt für Säuglinge die erste Wahl. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

05In welchen Lebensmitteln steckt 2'-Fucosyllactose?

Gute Quellen sind Muttermilch (1–4 g HMO je Liter, davon ist 2'-Fucosyllactose bei den meisten Frauen das häufigste) und Kuhmilch (enthält nur Spuren von Oligosacchariden — ein wesentlicher Unterschied).

06Welche Form von 2'-Fucosyllactose ist am besten?

Gut aufgenommen werden 2'-Fucosyllactose in Säuglingsnahrung, HMO-Mischungen, HMO für Erwachsene und GOS und FOS. Zu 2'-Fucosyllactose in Säuglingsnahrung: Fermentativ mit gentechnisch veränderten Bakterien hergestellt, chemisch identisch mit dem Molekül der Muttermilch. Seit 2015 in der EU zugelassen.

07Womit darf für 2'-Fucosyllactose geworben werden?

Nichts. Für 2'-Fucosyllactose gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Die Novel-Food-Zulassung regelt allein die Verkehrsfähigkeit. Bei Säuglingsanfangsnahrung gelten zudem die strengen Werberegeln der Muttermilchersatz-Verordnung — Aussagen, die vom Stillen abhalten könnten, sind unzulässig.

Belege

  1. 01 Durchführungsbeschlüsse zur Zulassung von 2'-Fucosyllactose als neuartiges Lebensmittel · Europäische Kommission
  2. 02 Human milk oligosaccharides — every baby needs a sugar mama · Glycobiology
  3. 03 Safety of 2'-fucosyllactose as a novel food ingredient · Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit

Siehe auch

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