Zum Inhalt springen

II · Mineralstoffe

Phosphor

auch: Phosphat · P · Calciumphosphat · Phosphorsäure

Vier zugelassene Angaben — und ein Mineralstoff, von dem die Deutschen eher zu viel als zu wenig bekommen.

Studienlage

Sehr gut belegt, von Fachgesellschaften anerkannt
Zugelassene Angabe

Was über Phosphor gesagt werden darf

Für diesen Stoff stehen gesundheitsbezogene Angaben in der Unionsliste (VO (EU) 432/2012). Sie dürfen im angegebenen Wortlaut verwendet werden.

  1. 01

    „Phosphor trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“

    Bedingung mindestens 105 mg je 100 g bzw. je Portion (15 % des Referenzwerts)

  2. 02

    „Phosphor trägt zur normalen Funktion der Zellmembran bei“

    Bedingung mindestens 105 mg je 100 g bzw. je Portion

  3. 03

    „Phosphor trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei“

    Bedingung mindestens 105 mg je 100 g bzw. je Portion

  4. 04

    „Phosphor trägt zur Erhaltung normaler Zähne bei“

    Bedingung mindestens 105 mg je 100 g bzw. je Portion

Die Angaben sind zugelassen, taugen aber kaum als Kaufargument — sie beschreiben Funktionen, die bei der üblichen Ernährung ohne jede Ergänzung erfüllt werden.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Der Mineralstoff, bei dem die Richtung umgekehrt ist

Bei fast allen Stoffen in dieser Datenbank lautet die Frage: Bekomme ich genug? Bei Phosphor lautet sie: Bekomme ich zu viel? Die EFSA hält 550 mg am Tag für angemessen (eine angemessene Zufuhr, kein Bedarfswert); für Deutschland fehlen repräsentative Zufuhrdaten. Die EFSA schätzt die Zufuhr in neun EU-Ländern auf 1.000 bis 1.767 mg am Tag. Phosphor steckt in jedem eiweißreichen Lebensmittel — und zusätzlich als Zusatzstoff in verarbeiteten Produkten.

Ein Nahrungsergänzungsmittel mit Phosphor ergibt deshalb für gesunde Erwachsene keinen Sinn. Wo Phosphor in Präparaten auftaucht, ist er meist nur der Partner des Calciums im Calciumphosphat.

Phosphatzusätze auf dem Etikett

Phosphatzusätze aus Schmelzkäse, Brühwurst, Backpulver und Colagetränken liegen frei vor und werden nahezu vollständig aufgenommen. Auf dem Etikett stehen sie als E 338 bis E 452.

Warum das für Nierenkranke ernst ist

Eine gesunde Niere scheidet überschüssiges Phosphat zuverlässig aus. Lässt die Nierenfunktion nach, staut es sich im Blut. Risiken hoher Zufuhr für Herz-Kreislauf-System und Knochen werden in diesem Zusammenhang diskutiert. Für diese Gruppe sind phosphathaltige Präparate keine sinnvolle Ergänzung.

Auch bei Gesunden wird eine dauerhaft sehr hohe Phosphatzufuhr mit Herz-Kreislauf- und Knochenrisiken in Verbindung gebracht (diskutiert). Eine Ursache-Wirkung lässt sich nach der EFSA (2013) nicht ableiten.

Phosphor — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Calciumphosphat mittel Häufigste Form in Präparaten, meist als Begleiter des Calciums und nicht wegen des Phosphors gewählt.
Kaliumphosphat hoch Gut löslich, in Sportgetränken und in der klinischen Ernährung gebräuchlich.
Phosphatzusätze (E 338–E 452) hoch Aus Schmelzkäse, Wurst, Cola und Backpulver. Diese freien Phosphate werden fast vollständig aufgenommen und sind der Grund für die hohe Zufuhr.

Phosphor einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Nicht gezielt zu ergänzen. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.

Vitamin D erhöht die Aufnahme aus dem Darm. Wer Calcium hochdosiert einnimmt, senkt umgekehrt die Phosphatverfügbarkeit — bei der üblichen Zufuhr ist das ohne Bedeutung.

Phosphor Wechselwirkungen

Calcium

hemmt

Calcium bindet Phosphat im Darm. In der Nierentherapie wird dieser Effekt gezielt als Phosphatbinder eingesetzt.

Antazida mit Aluminium

hemmt

Binden Phosphat im Darm. Ein Dauergebrauch kann in seltenen Fällen zu einem echten Phosphatmangel führen.

Eingeschränkte Nierenfunktion

Vorsicht

Bei Niereninsuffizienz steigt der Phosphatspiegel im Blut. Risiken für Herz-Kreislauf und Knochen werden diskutiert — hier ist keine Ergänzung angezeigt.

Wer auf Phosphor besonders achten sollte

  • Menschen mit chronischer Nierenerkrankung — hier ist zu viel Phosphat das Problem, nicht zu wenig
  • Frühgeborene und Menschen unter langer künstlicher Ernährung
  • Menschen mit Alkoholabhängigkeit oder schwerer Mangelernährung (Refeeding-Syndrom)
  • Dauergebrauch aluminiumhaltiger Säurebinder

Mangel an Phosphor — Symptome und Anzeichen

  • Muskelschwäche und Knochenschmerzen bei ausgeprägtem Mangel
  • Appetitlosigkeit und Erschöpfung
  • Ernährungsbedingt kommt ein Mangel bei Gesunden praktisch nicht vor

Diese Zeichen sind unspezifisch und können viele andere Ursachen haben. Sie ersetzen keine Diagnose.

Häufige Fragen zu Phosphor

01Wann sollte man Phosphor einnehmen?

Nicht gezielt zu ergänzen. Zu oder direkt nach einer Mahlzeit. Vitamin D erhöht die Aufnahme aus dem Darm. Wer Calcium hochdosiert einnimmt, senkt umgekehrt die Phosphatverfügbarkeit — bei der üblichen Zufuhr ist das ohne Bedeutung.

02Wie viel Phosphor am Tag?

Der Nährstoffbezugswert nach LMIV liegt bei 700 mg am Tag. 550 mg am Tag (EFSA, angemessene Zufuhr für Erwachsene); für Deutschland fehlen repräsentative Daten, die EFSA schätzt die Zufuhr in neun EU-Ländern auf 1.000–1.767 mg am Tag. In Nahrungsergänzungsmitteln meist als Begleitstoff von Calcium, selten gezielt dosiert.

03Wie viel Phosphor ist zu viel?

Keine gezielte Zugabe zu Nahrungsergänzungsmitteln empfohlen. BfR-Höchstmengenvorschlag, Stellungnahme 006/2024. Bei Nierenerkrankung werden Risiken hoher Zufuhr diskutiert.

04Welche Wechselwirkungen hat Phosphor?

Zu beachten sind Calcium, Antazida mit Aluminium und Eingeschränkte Nierenfunktion. Calcium: Calcium bindet Phosphat im Darm. In der Nierentherapie wird dieser Effekt gezielt als Phosphatbinder eingesetzt. Antazida mit Aluminium: Binden Phosphat im Darm. Ein Dauergebrauch kann in seltenen Fällen zu einem echten Phosphatmangel führen. Eingeschränkte Nierenfunktion: Bei Niereninsuffizienz steigt der Phosphatspiegel im Blut. Risiken für Herz-Kreislauf und Knochen werden diskutiert — hier ist keine Ergänzung angezeigt.

05Für wen ist Phosphor nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Menschen mit chronischer Nierenerkrankung — hier ist zu viel Phosphat das Problem, nicht zu wenig; Frühgeborene und Menschen unter langer künstlicher Ernährung; Menschen mit Alkoholabhängigkeit oder schwerer Mangelernährung (Refeeding-Syndrom); Dauergebrauch aluminiumhaltiger Säurebinder. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06Woran erkennt man einen Phosphor-Mangel?

Mögliche Anzeichen sind Muskelschwäche und Knochenschmerzen bei ausgeprägtem Mangel, Appetitlosigkeit und Erschöpfung und Ernährungsbedingt kommt ein Mangel bei Gesunden praktisch nicht vor. Keines davon ist für sich beweisend — Sicherheit gibt erst die Messung im Blut.

07Welche Form von Phosphor ist am besten?

Gut aufgenommen werden Kaliumphosphat und Phosphatzusätze (E 338–E 452). Zu Kaliumphosphat: Gut löslich, in Sportgetränken und in der klinischen Ernährung gebräuchlich.

08Womit darf für Phosphor geworben werden?

Zugelassen sind nach der Unionsliste unter anderem: „Phosphor trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“. Bedingung: mindestens 105 mg je 100 g bzw. je Portion (15 % des Referenzwerts). Insgesamt sind 4 Angaben zugelassen.

Belege

  1. 01 Dietary Reference Values for phosphorus · European Food Safety Authority · 2015
  2. 02 Höchstmengenvorschläge für Phosphor/Phosphat in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmittel · Bundesinstitut für Risikobewertung · 2021
  3. 03 Aktualisierte Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln · Bundesinstitut für Risikobewertung · 2024

Siehe auch

Andere Mineralstoffe

Alle Mineralstoffe ansehen

Wirkstoffbereiche

Die Datenbank weiterlesen

Zur ganzen Datenbank