Calcium Wirkung — sechs zugelassene Angaben zu Knochen, Zähnen und Nervenfunktion
Nach der europäischen Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben (Verordnung (EU) Nr. 432/2012) trägt Calcium bei ausreichender Zufuhr zur Erhaltung normaler Knochen und Zähne, zu einer normalen Muskelfunktion, zu einer normalen Blutgerinnung und zu einer normalen Signalübertragung zwischen den Nervenzellen sowie zur Zellteilung und -spezialisierung bei. Diese sechs Angaben gelten ab einer Zufuhr von mindestens 120 mg Calcium je 100 g bzw. je Portion (15 % des Referenzwerts). Sie gelten für die Aufrechterhaltung normaler Körperfunktionen bei ausreichender Versorgung, nicht als Therapie gegen bestehende Osteoporose oder andere Knochenerkrankungen.
In der Werbung wird Calcium oft pauschal gegen Knochenschwund angepriesen, besonders für ältere Frauen oder nach der Menopause. Eine reine Calcium-Ergänzung ohne Vitamin-D-Status-Kontrolle gewinnt aber wenig — bei schlechter Vitamin-D-Versorgung nimmt der Darm nur etwa 10 bis 15 % des zugeführten Calciums auf. Das ist ein zentraler Punkt: Eine sinnvolle Ergänzung setzt eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung voraus.
Calcium Nebenwirkungen — Darm und Gefäße unter Einzel-Hochdosen
Die Höchstmenge für die zusätzliche Tagesmenge liegt laut BfR-Höchstmengenvorschlag bei 500 mg. Der Grund: Hohe Einzeldosen aus Präparaten lassen den Calciumspiegel im Serum kurzfristig ansteigen und stehen nach diesem BfR-Höchstmengenvorschlag im Verdacht, Gefäßverkalkung und Nierensteine zu begünstigen. Über Lebensmittel, die Calcium langsamer und verteilt abgeben, tritt dieser Effekt laut derselben Quelle nicht auf.
Bei der Form macht sich das im Alltag bemerkbar: Calciumcarbonat braucht Magensäure, um sich zu lösen, und sollte deshalb nur zu einer Mahlzeit eingenommen werden. Calciumcitrat ist auch ohne Magensäure löslich und deshalb bei Säureblockern und im höheren Alter die passendere Wahl.
Lebensmittel schlagen hier das Präparat
Bei kaum einem anderen Mineralstoff ist die Quelle so entscheidend. Beobachtungsstudien und
Metaanalysen finden für Calcium aus Präparaten Hinweise auf ein leicht erhöhtes Risiko für
Gefäßverkalkung und Nierensteine, für Calcium aus Lebensmitteln dagegen nicht. Die gängige
Erklärung: Eine Tablette schwemmt den Blutspiegel in kurzer Zeit hoch, ein Stück Käse gibt das
Calcium langsam ab.
Praktisch heißt das: Erst die Zufuhr über Lebensmittel abschätzen, dann die Lücke gezielt
schließen. Ein Erwachsener kommt mit einem Becher Joghurt, einer Scheibe Käse und
calciumreichem Mineralwasser bereits nahe an die 1000 mg. Wer ergänzt, sollte bei 200 bis 500 mg
je Tag bleiben und die Gabe zum Essen nehmen.
Carbonat oder Citrat
Calciumcarbonat braucht Magensäure, um sich zu lösen. Bei Menschen über 65 und bei allen, die
Protonenpumpenhemmer nehmen, funktioniert das schlecht — hier ist Citrat trotz höherem Preis die
sinnvollere Wahl. Wer Carbonat nimmt, tut das zwingend zur Mahlzeit, nie nüchtern.
Ohne Vitamin D bleibt es liegen
Die Calciumaufnahme im Darm ist vitamin-D-abhängig. Bei schlechter D-Versorgung nimmt der Körper
nur etwa 10 bis 15 Prozent des zugeführten Calciums auf, bei guter Versorgung das Doppelte bis
Dreifache. Wer Calcium ergänzt, ohne den Vitamin-D-Status zu kennen, optimiert an der falschen
Stelle.