Der Claim, der gegen den Verkauf arbeitet
In der Unionsliste steht ein einziger Satz, der eine Verringerung belohnt: Weniger Natrium trägt
zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei. Und er darf nur auf Lebensmitteln stehen,
die selbst salzarm sind.
Damit ist Natrium der Gegenpol zu allem anderen in dieser Datenbank. Es gibt keine zugelassene
Angabe, die zur Zufuhr rät, und es gibt keinen Grund, Natrium zu ergänzen — außer in
Ausnahmesituationen, die weiter unten stehen.
Salz oder Natrium — die Zahl auf dem Etikett
Seit der Lebensmittelinformationsverordnung wird Salz deklariert, nicht Natrium. Wer die Werte
vergleichen will, braucht den Faktor 2,5: 1 g Natrium entspricht 2,5 g Salz, 2.000 mg Natrium
entsprechen 5 g Salz.
Die WHO empfiehlt, unter diesen 5 g zu bleiben. In Deutschland liegt die Hälfte der Männer über
10 g. Der größte Anteil kommt nicht aus dem Salzstreuer, sondern aus verarbeiteten Lebensmitteln
— Brot allein trägt etwa ein Viertel bei, schlicht weil so viel davon gegessen wird.
Was eine Reduktion bringt
Kontrollierte Studien zeigen: Wer die Salzzufuhr um 4 bis 5 g am Tag senkt, senkt den
systolischen Blutdruck bei Bluthochdruck um etwa 5 mmHg, bei normalem Blutdruck um ein bis zwei.
Das klingt klein, wirkt auf Bevölkerungsebene aber erheblich auf Schlaganfall- und
Herzinfarktzahlen.
Die Empfindlichkeit ist individuell verschieden. Ein Teil der Menschen reagiert deutlich auf
Salz, ein anderer kaum — vorhersagen lässt sich das nicht. Wer den Effekt bei sich prüfen will,
misst den Blutdruck vor und nach einigen Wochen mit bewusst reduzierter Zufuhr.
Wichtiger Nebeneffekt: Mehr Kalium aus Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten wirkt in dieselbe
Richtung. Das Verhältnis der beiden zählt mindestens so viel wie die Salzmenge allein.
Wann Natrium tatsächlich fehlt
Der gefährliche Zustand ist nicht der Salzmangel durch Essen, sondern die Verdünnung: zu viel
Wasser im Verhältnis zum Natrium. Sie entsteht bei sehr langen Ausdauerbelastungen, wenn nur
Wasser getrunken wird, unter Entwässerungsmitteln und bei bestimmten Erkrankungen.
Die Anzeichen — Kopfschmerz, Übelkeit, Verwirrtheit — werden leicht als Erschöpfung
missdeutet. Bei Marathon und Ultraläufen gehören deshalb natriumhaltige Getränke dazu, und ein
rasch abfallender Natriumspiegel gehört in ärztliche Behandlung, nicht in die Selbsthilfe.
Ein Wort zu Meersalz und Himalayasalz
Sie bestehen wie jedes andere Salz zu rund 39 Prozent aus Natrium. Die enthaltenen
Spurenelemente sind in den verzehrten Mengen ohne Bedeutung. Der einzige praktisch relevante
Unterschied betrifft das Jod: Jodiertes Speisesalz ist in Deutschland die tragende Säule der
Jodversorgung — wer es durch unjodiertes Meersalz ersetzt, verschlechtert seine Jodbilanz, ohne
etwas zu gewinnen.