Der Warnpunkt zuerst
Chaga enthält Oxalat in einer Größenordnung, die unter den essbaren Pilzen einzigartig ist —
Analysen finden Werte, die weit über denen von Rhabarber oder Spinat liegen.
In mehreren veröffentlichten Fällen entwickelten Menschen nach monatelanger täglicher Einnahme
ein Nierenversagen. In der Gewebeprobe fanden sich Oxalatkristalle in den Nierenkanälchen. Eine
japanische Patientin mit Lebererkrankung, die Chaga über fünf Jahre nahm, wurde dauerhaft
dialysepflichtig.
Das sind Einzelfälle, keine Häufigkeitsangabe. Sie genügen aber, um von der täglichen
Daueranwendung abzuraten — und um Menschen mit Nierensteinen oder eingeschränkter Nierenfunktion
ganz abzuraten.
Was der Pilz ist
Chaga ist streng genommen kein Fruchtkörper, sondern eine schwarze, verkohlt wirkende Wucherung,
die ein Pilz über Jahre an lebenden Birken bildet. Der Baum stirbt daran.
Weil das Geflecht die Birke durchzieht, enthält Chaga Stoffe des Baumes, darunter Betulin und
Betulinsäure. Ein Teil des Interesses gilt eigentlich diesen Birkenstoffen, nicht dem Pilz.
Die Anwendungsgeschichte
In Sibirien und Nordskandinavien wird Chaga seit Jahrhunderten als Aufguss getrunken, teils als
Kaffeeersatz. In der Sowjetunion wurde ein Präparat namens Befungin zugelassen und bei
Magenbeschwerden und begleitend in der Krebsbehandlung eingesetzt.
Alexander Solschenizyn hat dem Pilz in seinem Roman über die Krebsstation ein Kapitel gewidmet —
das ist bis heute ein tragender Teil der Vermarktung, aber kein Wirksamkeitsbeleg.
Was untersucht ist
Zellversuche und Tierstudien zeigen Wirkungen auf Entzündungsbotenstoffe, Blutzucker und
Tumorzellen. Kontrollierte Studien am Menschen fehlen praktisch vollständig.
Damit gehört Chaga zu den Stoffen, bei denen Laborbefunde und Werbeversprechen weit
auseinanderliegen. Der einzige gut dokumentierte Effekt am Menschen ist bisher der auf die
Nieren — und der ist unerwünscht.
Die Einordnung unter den Vitalpilzen
Diese Datenbank führt Reishi, Hericium, Cordyceps, Shiitake, Maitake und Chaga. Für alle gilt:
traditionelle Anwendung, viel Laborforschung, wenig am Menschen, keine zugelassene Angabe.
Chaga fällt aus der Reihe, weil hier ein konkretes Risiko dokumentiert ist. Wer Vitalpilze
ausprobieren möchte, findet in den anderen die harmloseren Kandidaten.