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VI · Pflanzenstoffe

Reishi

auch: Ganoderma lucidum · Glänzender Lackporling · Lingzhi · Vitalpilz

Der bekannteste Heilpilz der traditionellen chinesischen Medizin — mit Zellstudien in Hülle und Fülle und Humandaten in homöopathischer Menge.

Studienlage

Erste Studien am Menschen, uneinheitliche Ergebnisse
Bewertung ausgesetzt

Was über Reishi gesagt werden darf

Die Angaben zu diesem Stoff sind bei der EU-Kommission „on hold“. Sie sind weder zugelassen noch abgelehnt — die Bewertung pflanzlicher Stoffe ruht seit 2010. Werbeaussagen dazu sind rechtlich angreifbar.

Für Reishi ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Werbung mit Abwehrkräften, Leber, Schlaf oder gar Krebs ist unzulässig — die letztgenannte zusätzlich nach dem Heilmittelwerberecht.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Reishi Wirkung — Zellversuche in Hülle und Fülle, Humandaten kaum

Zu Reishi gibt es tausende Veröffentlichungen. Fast alle stammen aus Zellkulturen und Tierversuchen: Triterpene hemmen dort Tumorzellen, Beta-Glucane aktivieren Immunzellen, Extrakte senken Entzündungsmarker.

Am Menschen sieht es anders aus. Ein Cochrane-Review zur Anwendung in der Krebsbegleittherapie fand fünf Studien mit insgesamt wenigen hundert Teilnehmern, überwiegend aus China, und bewertete die Evidenz als unzureichend für eine Empfehlung. Hinweise auf eine verbesserte Immunantwort gab es, auf einen Nutzen für die Patienten nicht.

Dieses Missverhältnis — viel Labor, wenig Klinik — ist bei den Heilpilzen die Regel und der Grund, warum keine einzige zugelassene Angabe existiert.

Reishi kaufen — was auf der Packung stehen sollte

Bei Pilzpräparaten entscheidet die Machart mehr als bei anderen Botanicals. Drei Angaben sind aussagekräftig:

Erstens, ob Fruchtkörper oder Myzel verarbeitet wurde. Myzel wird auf Getreidesubstrat gezogen und häufig samt Substrat vermahlen — das Produkt ist dann überwiegend Getreide.

Zweitens der Extraktionsgrad. Ein Dualextrakt 10:1 enthält ein Vielfaches dessen, was ein Pulver liefert.

Drittens der Gehalt an Beta-Glucanen. Manche Anbieter geben stattdessen „Polysaccharide“ an — darin steckt auch die Stärke aus dem Substrat.

Reishi Bioverfügbarkeit — der Chitin-Punkt

Pilzzellwände bestehen aus Chitin, das der menschliche Verdauungstrakt nicht spaltet. Ein ungeöffnetes Pilzpulver gibt seine Inhaltsstoffe deshalb kaum ab.

Traditionell wird Reishi stundenlang ausgekocht — genau das ist die Heißwasserextraktion, die moderne Präparate industriell nachbilden. Wer rohes Pulver kauft, kauft die Vorstufe des Verfahrens.

Reishi Nebenwirkungen — was zu beachten bleibt

Reishi beeinflusst die Blutplättchen und wird als Immunanreger beworben. Beides sind Gründe für Zurückhaltung bei Gerinnungshemmung, bei Autoimmunerkrankungen und vor Operationen.

Und der wichtigste Punkt: Bei einer Krebserkrankung gehört jede begleitende Einnahme in das Gespräch mit dem behandelnden Team. Wechselwirkungen mit Chemotherapien sind für mehrere Pflanzenstoffe belegt, und die Vorstellung, ein Pilz könne eine Behandlung ersetzen, kostet Zeit, die in der Onkologie besonders zählt.

Reishi — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Heißwasserextrakt hoch Löst die Beta-Glucane heraus. Der Extraktionsgrad sollte angegeben sein — ein Verhältnis von 10:1 bedeutet, dass 10 kg Pilz zu 1 kg Extrakt wurden.
Dualextrakt (Wasser und Alkohol) hoch Erfasst zusätzlich die alkohollöslichen Triterpene, denen der bittere Geschmack und ein Teil der Wirkungen zugeschrieben wird. Die aufwendigste und teuerste Form.
Pilzpulver (Fruchtkörper) niedrig Die Zellwand aus Chitin ist für den Menschen unverdaulich — ohne Aufschluss bleibt der größte Teil ungenutzt. Bei Reishi kommt hinzu, dass der Fruchtkörper hart und holzig ist.
Myzelpulver auf Getreidesubstrat niedrig Häufig in günstiger Ware. Das Produkt besteht dann zu einem erheblichen Teil aus dem Getreidesubstrat, nicht aus Pilz — erkennbar an hohen Stärkewerten.

Reishi einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Über den Tag verteilt, zu den Mahlzeiten. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.

In Studien wurde über acht bis zwölf Wochen eingenommen. Der Geschmack ist ausgeprägt bitter — das ist bei Reishi ein Qualitätszeichen, weil die Bitterkeit von den Triterpenen stammt.

Reishi Wechselwirkungen

Gerinnungshemmer

verstärkt

Reishi hemmt in Untersuchungen die Blutplättchenverklumpung. Vor Operationen absetzen, unter Marcumar ärztlich abklären.

Immunsuppressiva

hemmt

Eine Anregung der Immunantwort wird beworben. Nach Transplantation und bei Autoimmunerkrankungen ist deshalb Zurückhaltung geboten.

Blutdrucksenker und Blutzuckersenker

verstärkt

Leichte eigene Senkungen sind in kleinen Studien beschrieben.

Wer auf Reishi besonders achten sollte

  • Nicht geeignet unter Gerinnungshemmung ohne Rücksprache
  • Nicht geeignet bei Autoimmunerkrankungen und nach Transplantation
  • Nicht geeignet in Schwangerschaft und Stillzeit mangels Daten

Reishi in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Reishi als Tee traditionelle Zubereitung durch stundenlanges Auskochen des harten Fruchtkörpers

Häufige Fragen zu Reishi

01Wann sollte man Reishi einnehmen?

Über den Tag verteilt, zu den Mahlzeiten. In Studien wurde über acht bis zwölf Wochen eingenommen. Der Geschmack ist ausgeprägt bitter — das ist bei Reishi ein Qualitätszeichen, weil die Bitterkeit von den Triterpenen stammt.

02Wie viel Reishi am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 1.000–3.000 mg Extrakt am Tag; als Pulver deutlich mehr.

03Wie viel Reishi ist zu viel?

Keine Obergrenze festgelegt. EFSA; Ganoderma lucidum ist im Novel-Food-Katalog als traditionell verwendetes Lebensmittel geführt. Berichtet sind Leberwerterhöhungen in Einzelfällen, besonders bei Pulverpräparaten unklarer Herkunft. Bei Gerinnungshemmung ist Vorsicht geboten, weil Reishi die Blutplättchen beeinflusst.

04Welche Wechselwirkungen hat Reishi?

Zu beachten sind Gerinnungshemmer; Immunsuppressiva; Blutdrucksenker und Blutzuckersenker. Gerinnungshemmer: Reishi hemmt in Untersuchungen die Blutplättchenverklumpung. Vor Operationen absetzen, unter Marcumar ärztlich abklären. Immunsuppressiva: Eine Anregung der Immunantwort wird beworben. Nach Transplantation und bei Autoimmunerkrankungen ist deshalb Zurückhaltung geboten. Blutdrucksenker und Blutzuckersenker: Leichte eigene Senkungen sind in kleinen Studien beschrieben.

05Für wen ist Reishi nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Nicht geeignet unter Gerinnungshemmung ohne Rücksprache; Nicht geeignet bei Autoimmunerkrankungen und nach Transplantation; Nicht geeignet in Schwangerschaft und Stillzeit mangels Daten. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Reishi?

Gute Quellen sind Reishi als Tee (traditionelle Zubereitung durch stundenlanges Auskochen des harten Fruchtkörpers).

07Welche Form von Reishi ist am besten?

Gut aufgenommen werden Heißwasserextrakt und Dualextrakt (Wasser und Alkohol). Schlechter verfügbar sind Pilzpulver (Fruchtkörper) und Myzelpulver auf Getreidesubstrat. Zu Heißwasserextrakt: Löst die Beta-Glucane heraus. Der Extraktionsgrad sollte angegeben sein — ein Verhältnis von 10:1 bedeutet, dass 10 kg Pilz zu 1 kg Extrakt wurden.

08Womit darf für Reishi geworben werden?

Nichts. Für Reishi ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Werbung mit Abwehrkräften, Leber, Schlaf oder gar Krebs ist unzulässig — die letztgenannte zusätzlich nach dem Heilmittelwerberecht.

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Belege

  1. 01 Ganoderma lucidum (Reishi mushroom) for cancer treatment · Cochrane Database of Systematic Reviews
  2. 02 Novel-Food-Katalog — Eintrag Ganoderma lucidum · Europäische Kommission
  3. 03 Health-Claims-Verordnung — Liste der „on hold“-Angaben · Europäische Kommission

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