Cordyceps kaufen — was auf der Packung steht und was drin ist
Die Werbung für Cordyceps erzählt fast immer dieselbe Geschichte: der tibetische Raupenpilz, der
Schmetterlingslarven befällt, von Hand im Himalaya gesammelt, seit Jahrhunderten in der
chinesischen Medizin geschätzt.
Was tatsächlich in den Kapseln steckt, ist in aller Regel Cordyceps militaris aus der Kultur oder
ein Myzelstamm namens CS-4, gezogen im Fermenter. Der Grund ist banal: Wilder Ophiocordyceps
sinensis kostet je nach Qualität mehr als Gold und ist durch Übersammlung selten geworden.
Das ist kein Betrug, solange die Art korrekt deklariert ist — nur passt die Bildsprache nicht zum
Inhalt. Und die beiden Arten enthalten unterschiedliche Stoffe: Cordycepin, dem die meisten
Wirkungen zugeschrieben werden, liefert vor allem der kultivierte militaris.
Cordyceps Wirkung — die Sportstudien
Der Ruf des Cordyceps im Sport geht auf chinesische Läuferinnen zurück, die 1993 Weltrekorde
aufstellten und deren Trainer die Erfolge unter anderem auf Pilzpräparate zurückführte. Später
kamen Dopingvorwürfe auf.
Die Studien seither sind klein und uneinheitlich. Einige fanden nach drei bis sechs Wochen eine
leicht verbesserte Sauerstoffaufnahme und Belastungstoleranz, besonders bei Untrainierten und
Älteren; andere fanden nichts. Für eine Empfehlung reicht das nicht.
Cordyceps Qualität — die Substratfrage
Wie bei allen Vitalpilzen ist die entscheidende Frage, ob das Produkt aus Pilzmaterial besteht
oder überwiegend aus dem Getreidesubstrat, auf dem das Myzel gewachsen ist.
Die aussagekräftigen Angaben sind der Beta-Glucan-Gehalt und — bei Cordyceps — der
Cordycepingehalt. Wo stattdessen nur „Polysaccharide“ steht, ist meist die Stärke aus dem
Substrat mitgerechnet.
Cordyceps Nebenwirkungen — die Datenlage ist dünn
Der Übersichtsartikel „Bioactive Metabolites and Potential Mycotoxins Produced by Cordyceps Fungi:
A Review of Safety“ (Chen et al., Toxins 2020) nennt anekdotische Berichte über Übelkeit und
Durchfall sowie über eine starke Nachblutung nach einer Zahnextraktion bei täglichem Verzehr. Für
Cordycepin und Pentostatin zeigte sich im Versuch eine dosisabhängige Zellgiftigkeit.
Die Autoren verlangen weitere Sicherheitsbewertungen. Zu Schwangerschaft, Stillzeit und
Wechselwirkungen mit Arzneimitteln enthält dieser Artikel nichts — das heißt nicht, dass es keine
gibt, sondern dass hier nichts belegt ist. Wer Medikamente nimmt, schwanger ist oder bald operiert
wird, klärt die Einnahme besser ärztlich.