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VI · Pflanzenstoffe

Isländisch Moos

auch: Cetraria islandica · Isländische Flechte · Lichen islandicus · Isla

Kein Moos, sondern eine Flechte — mit Schleimstoffen für den Hals und Bitterstoffen für den Magen.

Studienlage

Erste Studien am Menschen, uneinheitliche Ergebnisse
Bewertung ausgesetzt

Was über Isländisch Moos gesagt werden darf

Die Angaben zu diesem Stoff sind bei der EU-Kommission „on hold“. Sie sind weder zugelassen noch abgelehnt — die Bewertung pflanzlicher Stoffe ruht seit 2010. Werbeaussagen dazu sind rechtlich angreifbar.

Für Isländisch Moos ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Aussagen zu Husten oder Halsschmerzen wären krankheitsbezogen. Als traditionelles Arzneimittel sind die Anwendung bei Reizhusten, bei Entzündungen der Mundschleimhaut und bei Appetitlosigkeit anerkannt.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Weder Moos noch Pflanze

Isländisch Moos ist eine Flechte — eine Lebensgemeinschaft aus Pilz und Alge. Botanisch hat sie mit Moosen nichts zu tun, und mit höheren Pflanzen ebenso wenig.

Für die Anwendung ist das nebensächlich, für die Qualität nicht: Flechten haben keine Wurzeln und nehmen alles, was sie brauchen, aus der Luft auf. Damit sammeln sie auch Schwermetalle und Radionuklide — sie werden in der Umweltforschung sogar gezielt als Messfühler eingesetzt.

Bei Arzneiware wird darauf geprüft. Bei billiger Importware ohne Analysenzertifikat ist es eine offene Frage.

Zwei Wirkstoffgruppen, zwei Anwendungen

Rund die Hälfte der Flechte besteht aus Schleimstoffen. Sie legen sich beim Lutschen oder Trinken auf die gereizte Rachenschleimhaut und dämpfen den Hustenreiz — derselbe rein physikalische Mechanismus wie beim Spitzwegerich.

Daneben enthält sie Flechtensäuren, die ausgeprägt bitter schmecken und den Appetit anregen. Beide Anwendungen sind vom HMPC als traditionell anerkannt.

Die Zubereitung entscheidet, welche Gruppe überwiegt: Ein Kaltauszug löst mehr Schleim, ein heißer Aufguss mehr Bitterstoffe.

Die Lutschtablette und ihre Regel

Die verbreitetste Form sind Lutschtabletten für den Hals. Sie funktionieren nur, wenn der Schleimfilm auf der Schleimhaut bleibt.

Deshalb: langsam lutschen, danach nicht sofort trinken. Und bei Halsschmerzen mit hohem Fieber, einseitigen Schluckbeschwerden oder Belägen auf den Mandeln gehört die Sache ärztlich beurteilt.

Ein Nahrungsmittel in Notzeiten

In Island war die Flechte über Jahrhunderte ein Nahrungsmittel — gewässert, um die Bitterstoffe zu entfernen, dann getrocknet, gemahlen und zu Brei oder Brot verarbeitet.

Die Kohlenhydrate, die sie liefert, sind für den Menschen allerdings nur begrenzt verwertbar. Es war Nahrung, wenn es nichts anderes gab — nicht der Superfood, als der sie gelegentlich verkauft wird.

Isländisch Moos — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Lutschtabletten hoch Die verbreitetste Form. Der Schleim legt sich beim langsamen Lutschen auf die gereizte Rachenschleimhaut — genau darauf beruht die Wirkung.
Kaltauszug mittel Für die Schleimstoffe die bessere Zubereitung. Heiß aufgegossen kommen die Bitterstoffe stärker durch — erwünscht, wenn es um Appetitlosigkeit geht.
Flechte als Tee mittel Deutlich bitter. In Island wurde die Flechte in Notzeiten auch als Nahrungsmittel verwendet, nach Wässern zum Entbittern.

Isländisch Moos einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Bei Reizhusten mehrmals täglich, bei Appetitlosigkeit vor den Mahlzeiten. Unabhängig von einer Mahlzeit.

Nach dem Lutschen nicht sofort trinken — der Schleimfilm ist der Wirkmechanismus und würde weggespült. Dieselbe Regel wie beim Spitzwegerich.

Isländisch Moos Wechselwirkungen

Andere Arzneimittel

hemmt

Schleimstoffe können die Aufnahme zeitgleich eingenommener Wirkstoffe verzögern. Ein bis zwei Stunden Abstand halten.

Wer auf Isländisch Moos besonders achten sollte

  • Menschen mit trockenem Reizhusten und gereizter Rachenschleimhaut
  • Menschen mit Appetitlosigkeit — dann als Bittermittel
  • Bei Husten über drei Wochen gehört die Ursache abgeklärt

Isländisch Moos in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Isländisch Moos rund 50 Prozent Schleimstoffe, dazu Flechtensäuren als Bitterstoffe

Häufige Fragen zu Isländisch Moos

01Wann sollte man Isländisch Moos einnehmen?

Bei Reizhusten mehrmals täglich, bei Appetitlosigkeit vor den Mahlzeiten. Nach dem Lutschen nicht sofort trinken — der Schleimfilm ist der Wirkmechanismus und würde weggespült. Dieselbe Regel wie beim Spitzwegerich.

02Wie viel Isländisch Moos am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 4–6 g Droge am Tag als Tee; Lutschtabletten mehrmals täglich.

03Wie viel Isländisch Moos ist zu viel?

Keine Obergrenze festgelegt. HMPC-Monographie zu Lichen islandicus. Sehr gut verträglich. Flechten nehmen Schwermetalle aus der Luft auf — Ware aus belasteten Regionen kann Cadmium und Blei enthalten, weshalb geprüfte Herkunft zählt.

04Welche Wechselwirkungen hat Isländisch Moos?

Zu beachten sind Andere Arzneimittel. Andere Arzneimittel: Schleimstoffe können die Aufnahme zeitgleich eingenommener Wirkstoffe verzögern. Ein bis zwei Stunden Abstand halten.

05Für wen ist Isländisch Moos nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Menschen mit trockenem Reizhusten und gereizter Rachenschleimhaut; Menschen mit Appetitlosigkeit — dann als Bittermittel; Bei Husten über drei Wochen gehört die Ursache abgeklärt. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Isländisch Moos?

Gute Quellen sind Isländisch Moos (rund 50 Prozent Schleimstoffe, dazu Flechtensäuren als Bitterstoffe).

07Welche Form von Isländisch Moos ist am besten?

Gut aufgenommen wird Lutschtabletten. Zu Lutschtabletten: Die verbreitetste Form. Der Schleim legt sich beim langsamen Lutschen auf die gereizte Rachenschleimhaut — genau darauf beruht die Wirkung.

08Womit darf für Isländisch Moos geworben werden?

Nichts. Für Isländisch Moos ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Aussagen zu Husten oder Halsschmerzen wären krankheitsbezogen. Als traditionelles Arzneimittel sind die Anwendung bei Reizhusten, bei Entzündungen der Mundschleimhaut und bei Appetitlosigkeit anerkannt.

Belege

  1. 01 Community herbal monograph on Cetraria islandica (L.) Acharius s.l., thallus · HMPC, Europäische Arzneimittel-Agentur
  2. 02 Lichens as biomonitors of heavy metal deposition · Environmental Pollution
  3. 03 Health-Claims-Verordnung — Liste der „on hold“-Angaben · Europäische Kommission

Siehe auch

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