Ein Markterfolg mit widersprüchlicher Studienlage
Sägepalmenextrakt gehört weltweit zu den meistverkauften Pflanzenpräparaten. Die Bilanz der
Studien ist trotzdem gespalten. Frühe, kleinere Arbeiten fanden deutliche Verbesserungen bei
Beschwerden des unteren Harntrakts. Die großen, methodisch strengeren Untersuchungen der
2000er Jahre — allen voran STEP und CAMUS in den USA — fanden keinen Unterschied zu Placebo,
selbst bei doppelter und dreifacher Dosierung.
Ein Cochrane-Review kam 2012 zu demselben Schluss. Europäische Auswertungen, die sich auf die
standardisierten Lipidextrakte beschränken, sehen dagegen einen kleinen Vorteil bei nächtlichem
Wasserlassen und Harnfluss. Der Unterschied liegt vermutlich an den geprüften Extrakten: Die
amerikanischen Studien verwendeten teilweise andere Zubereitungen als die europäischen
Arzneimittel.
Für die Wirkung entscheidend sind die Fettbestandteile und Phytosterole, nicht das Beerenpulver.
Wirksam untersucht sind CO2- und Hexanextrakte mit 320 mg am Tag. Ein Präparat mit „Sägepalmen-
frucht-Pulver“ ohne Extraktangabe liefert davon einen Bruchteil.
Das ist bei diesem Stoff besonders folgenreich, weil der Preisunterschied zwischen wirksamer und
wirkungsloser Ware im Regal klein ist, der inhaltliche aber groß.
Der wichtigste Satz zu diesem Stoff
Beschwerden beim Wasserlassen — schwacher Strahl, Nachträufeln, nächtliches Aufstehen — können
von einer gutartigen Vergrößerung kommen. Sie können auch von einem Prostatakarzinom, einer
Blasenentleerungsstörung oder einer Harnwegsinfektion kommen.
Wer sie auf eigene Faust mit einem Pflanzenpräparat behandelt, verliert im ungünstigen Fall
Monate. Die urologische Abklärung gehört deshalb an den Anfang, nicht ans Ende eines
Selbstversuchs. Danach spricht — bei guter Verträglichkeit und geringen Kosten — nichts dagegen,
es mit einem standardisierten Extrakt zu versuchen und nach zwölf Wochen ehrlich zu bilanzieren.