VI · Pflanzenstoffe
Schöllkraut
auch: Chelidonium majus · Warzenkraut · Chelidonin · Goldwurz
Ein traditionelles Gallenmittel, dessen höher dosierte Präparate 2008 vom Markt genommen wurden — wegen schwerer Leberschäden.
Studienlage
Was über Schöllkraut gesagt werden darf
Die Angaben zu diesem Stoff sind bei der EU-Kommission „on hold“. Sie sind weder zugelassen noch abgelehnt — die Bewertung pflanzlicher Stoffe ruht seit 2010. Werbeaussagen dazu sind rechtlich angreifbar.
Für Schöllkraut ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Aussagen zu Galle, Leber oder Krämpfen wären krankheitsbezogen. Höher dosierte Arzneimittel sind in Deutschland nicht mehr zugelassen.
Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert
Ein Lehrstück über pflanzliche Lebertoxizität
Schöllkraut war jahrzehntelang ein gebräuchliches Mittel bei krampfartigen Beschwerden im Oberbauch und bei Gallenbeschwerden. Die Alkaloide wirken krampflösend, und die Erfahrung damit reicht Jahrhunderte zurück.
Dann häuften sich Meldungen über Leberentzündungen. Das BfArM wertete über hundert Verdachtsfälle aus, darunter schwere Verläufe bis zum drohenden Leberversagen. Meist traten sie nach einigen Wochen Einnahme auf und bildeten sich nach dem Absetzen zurück.
2008 wurden die Zulassungen für Präparate mit mehr als 2,5 mg Alkaloiden je Tagesdosis widerrufen. Was blieb, sind niedrig dosierte Zubereitungen — bei denen offen ist, ob sie überhaupt noch wirken.
Warum dieser Fall wichtig ist
Schöllkraut steht in dieser Datenbank neben Pestwurz, Beinwell und Traubensilberkerze für dasselbe Muster: Pflanzliche Herkunft sagt über die Lebersicherheit nichts aus.
Die Leber verstoffwechselt Pflanzenstoffe wie Arzneistoffe, und einzelne Menschen reagieren dabei empfindlich. Weil solche Reaktionen selten sind, fallen sie in Studien nicht auf — erst in der breiten Anwendung mit hunderttausenden Nutzern werden sie sichtbar.
Genau dafür gibt es das Meldesystem für Verdachtsfälle, und genau deshalb sind Nahrungsergänzungsmittel im Nachteil: Für sie besteht keine vergleichbare Meldepflicht.
Die Warzen
Die äußere Anwendung des frischen orangegelben Milchsafts bei Warzen ist die bekannteste Verwendung. Sie ist alt, weit verbreitet und in der Wirksamkeit nie sauber untersucht.
Was für sie spricht: Warzen verschwinden häufig von selbst, und der Milchsaft wirkt ätzend auf das Gewebe. Was dagegen spricht: Auf gesunder Haut und auf Schleimhäuten verursacht er Reizungen, und im Gesicht hat er nichts zu suchen.
Was stattdessen infrage kommt
Bei krampfartigen Oberbauchbeschwerden gibt es besser untersuchte pflanzliche Optionen — Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln, Kümmel, Kamille. Bei Verdacht auf Gallensteine gehört die Sache ohnehin abgeklärt.
Und für die Leber gilt, was beim Mariendistel-Eintrag steht: Die wirksamste Maßnahme ist, sie nicht unnötig zu belasten.
Schöllkraut — welche Form ist die beste?
Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.
| Form | Aufnahme | Anmerkung |
|---|---|---|
| Niedrig dosierte Fertigarzneimittel | hoch | Unter 2,5 mg Alkaloide je Tagesdosis. Ob in dieser Menge noch eine Wirkung besteht, ist offen — die Studien wurden mit höheren Dosierungen durchgeführt. |
| Schöllkrauttee | mittel | Der Alkaloidgehalt ist nicht kalkulierbar und schwankt mit Standort und Erntezeit erheblich. Nicht empfehlenswert. |
| Frischer Milchsaft | niedrig | Die traditionelle äußere Anwendung bei Warzen — der orangegelbe Saft wird direkt aufgetupft. Nicht auf gesunde Haut oder Schleimhäute bringen. |
| Homöopathische Zubereitungen | niedrig | Ab höheren Potenzen praktisch alkaloidfrei. Ein Wirksamkeitsnachweis fehlt. |
Schöllkraut einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?
Empfohlener Zeitpunkt: Nicht zur Selbstbehandlung geeignet. Unabhängig von einer Mahlzeit.
Wer ein Präparat einnimmt, sollte die Leberwerte kontrollieren lassen und bei Gelbfärbung, dunklem Urin oder anhaltender Müdigkeit sofort absetzen.
Schöllkraut Wechselwirkungen
Lebererkrankungen
VorsichtBei bestehender Lebererkrankung ist die Anwendung ausgeschlossen.
Lebertoxische Medikamente
verstärktDie Belastung addiert sich — das gilt für zahlreiche Arzneistoffe und für Alkohol.
Gallenwegsverschluss
VorsichtWie bei allen gallentreibenden Pflanzen eine Gegenanzeige.
Wer auf Schöllkraut besonders achten sollte
- Nicht geeignet zur Selbstbehandlung
- Nicht geeignet bei Lebererkrankungen
- Nicht geeignet in Schwangerschaft und Stillzeit
Häufige Fragen zu Schöllkraut
01Wann sollte man Schöllkraut einnehmen?
Nicht zur Selbstbehandlung geeignet. Auf nüchternen Magen, mit Abstand zu den Mahlzeiten. Wer ein Präparat einnimmt, sollte die Leberwerte kontrollieren lassen und bei Gelbfärbung, dunklem Urin oder anhaltender Müdigkeit sofort absetzen.
02Wie viel Schöllkraut am Tag?
In Deutschland nur noch Zubereitungen mit weniger als 2,5 mg Gesamtalkaloiden je Tagesdosis.
03Wie viel Schöllkraut ist zu viel?
Unter 2,5 mg Gesamtalkaloide (berechnet als Chelidonin) je Tag. Stufenplanverfahren des BfArM nach Meldungen über Leberschäden. Oberhalb dieser Grenze wurden die Zulassungen widerrufen. Gemeldet waren Leberentzündungen bis hin zum Leberversagen, überwiegend nach mehrwöchiger Einnahme und meist rückbildungsfähig nach dem Absetzen.
04Welche Wechselwirkungen hat Schöllkraut?
Zu beachten sind Lebererkrankungen, Lebertoxische Medikamente und Gallenwegsverschluss. Lebererkrankungen: Bei bestehender Lebererkrankung ist die Anwendung ausgeschlossen. Lebertoxische Medikamente: Die Belastung addiert sich — das gilt für zahlreiche Arzneistoffe und für Alkohol. Gallenwegsverschluss: Wie bei allen gallentreibenden Pflanzen eine Gegenanzeige.
05Für wen ist Schöllkraut nicht geeignet?
Besondere Vorsicht gilt für: Nicht geeignet zur Selbstbehandlung; Nicht geeignet bei Lebererkrankungen; Nicht geeignet in Schwangerschaft und Stillzeit. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.
06Welche Form von Schöllkraut ist am besten?
Gut aufgenommen wird Niedrig dosierte Fertigarzneimittel. Schlechter verfügbar sind Frischer Milchsaft und Homöopathische Zubereitungen. Zu Niedrig dosierte Fertigarzneimittel: Unter 2,5 mg Alkaloide je Tagesdosis. Ob in dieser Menge noch eine Wirkung besteht, ist offen — die Studien wurden mit höheren Dosierungen durchgeführt.
07Womit darf für Schöllkraut geworben werden?
Nichts. Für Schöllkraut ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Aussagen zu Galle, Leber oder Krämpfen wären krankheitsbezogen. Höher dosierte Arzneimittel sind in Deutschland nicht mehr zugelassen.
Belege
- 01 Stufenplanbescheid zu Chelidonium-haltigen Arzneimitteln · Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte · 2008
- 02 Hepatotoxicity of Chelidonium majus — case series and review · Zeitschrift für Gastroenterologie
- 03 Assessment report on Chelidonium majus L., herba · HMPC, Europäische Arzneimittel-Agentur
Siehe auch
Andere Pflanzenstoffe
Wirkstoffbereiche
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Vitamine
Organische Verbindungen, die der Körper nicht oder nicht ausreichend selbst herstellt.
Mineralstoffe
Anorganische Nährstoffe, die der Körper in Mengen über 50 mg am Tag braucht.
Spurenelemente
Mineralstoffe, von denen der Körper täglich weniger als 50 mg benötigt.
Fettsäuren
Bausteine der Nahrungsfette, darunter die essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
Aminosäuren
Bausteine der Eiweiße, teils essenziell, teils vom Körper selbst herstellbar.
Pflanzenstoffe
Extrakte und Einzelstoffe aus Pflanzen. Für sie ist die Claim-Bewertung bis heute ausgesetzt.
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Probiotische Kulturen und Ballaststoffe, die auf die Darmbesiedlung wirken.
Weitere Stoffe
Körpereigene Verbindungen und Strukturstoffe, die keiner der übrigen Gruppen zufallen.