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VI · Pflanzenstoffe

Taigawurzel

auch: Eleutherococcus senticosus · Sibirischer Ginseng · Borstige Taigawurzel · Eleutheroside

Der falsche Ginseng — mit einer anerkannten traditionellen Anwendung, die der echte Ginseng nicht hat.

Studienlage

Erste Studien am Menschen, uneinheitliche Ergebnisse
Bewertung ausgesetzt

Was über Taigawurzel gesagt werden darf

Die Angaben zu diesem Stoff sind bei der EU-Kommission „on hold“. Sie sind weder zugelassen noch abgelehnt — die Bewertung pflanzlicher Stoffe ruht seit 2010. Werbeaussagen dazu sind rechtlich angreifbar.

Als Nahrungsergänzungsmittel trägt die Taigawurzel keine zugelassene Angabe; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Als traditionelles pflanzliches Arzneimittel darf sie dagegen bei Erschöpfungs- und Schwächegefühl beworben werden — derselbe Stoff, zwei Rechtswege.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Der Name, der irreführt

Sibirischer Ginseng ist ein Handelsname, kein botanischer. Die Taigawurzel gehört zwar zur selben Pflanzenfamilie wie der echte Ginseng, ist aber eine andere Gattung mit anderen Inhaltsstoffen.

Der echte Ginseng enthält Ginsenoside, die Taigawurzel Eleutheroside — chemisch nicht verwandte Stoffgruppen. Wer das eine kauft und das andere meint, bekommt kein schwächeres Präparat, sondern ein anderes.

In den USA ist die Bezeichnung Siberian Ginseng deshalb seit 2002 gesetzlich untersagt. In Europa hält sie sich hartnäckig.

Warum sie in dieser Datenbank besser dasteht als der echte Ginseng

Die Taigawurzel hat eine Monographie des europäischen Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel als traditionelles Arzneimittel bei Erschöpfungs- und Schwächegefühl.

Traditionell heißt hier: Die Wirksamkeit ist nicht durch Studien belegt, sondern durch mindestens dreißig Jahre Anwendungserfahrung plausibel. Das ist eine schwächere Aussage als bei einem Arzneimittel mit Wirksamkeitsnachweis — aber immer noch mehr, als ein Nahrungsergänzungsmittel je sagen darf.

Damit steht dieselbe Wurzel je nach Verpackung in zwei Rechtswelten: Als registriertes Arzneimittel darf sie ihre Anwendung nennen, als Kapsel im Drogeriemarkt nicht.

Die sowjetische Vorgeschichte

Der Begriff Adaptogen stammt aus der sowjetischen Forschung der fünfziger Jahre, und Eleutherococcus war ihr Hauptgegenstand. Untersucht wurde an Soldaten, Bergarbeitern, Sportlern und Kosmonauten — mit dem Ziel, Leistungsfähigkeit unter Belastung zu erhalten.

Diese Arbeiten umfassen Tausende Teilnehmer, sind aber methodisch nach heutigem Maßstab nicht verwertbar: selten verblindet, oft ohne Kontrollgruppe, überwiegend nur auf Russisch veröffentlicht.

Sie erklären, warum die Pflanze im Osten Europas einen Ruf hat, den westliche Auswertungen nicht bestätigen.

Was neuere Studien zeigen

Die kontrollierten Untersuchungen sind klein und uneinheitlich. Zu Ausdauerleistung, Konzentration und Infektanfälligkeit gibt es einzelne positive und einzelne negative Ergebnisse.

Ein Übersichtsartikel kam zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit weder belegt noch widerlegt ist — was für ein Traditionsarzneimittel der Normalfall ist.

Die Digoxin-Frage

Ein Fallbericht aus den neunziger Jahren beschreibt einen Patienten mit unerklärlich hohen Digoxinspiegeln, der Taigawurzel einnahm. Nach dem Absetzen normalisierten sie sich.

Später kam der Verdacht auf, es könnte sich um eine Verwechslungsdroge gehandelt haben — ein bei importierten Wurzeln nicht seltener Fall. Geklärt wurde das nie, und der Hinweis steht seither in jeder Fachinformation.

Er ist ein guter Anlass, auf die Qualität der Droge zu achten: Bei einer Wurzel, die man weder sieht noch schmeckt, entscheidet allein die Prüfung des Herstellers, was tatsächlich in der Kapsel ist.

Taigawurzel — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Traditionelles pflanzliches Arzneimittel hoch Registrierte Präparate mit definierter Extraktqualität und geprüftem Anwendungsgebiet. Der Weg, auf dem die Wirkung überhaupt genannt werden darf.
Trockenextrakt in Kapseln hoch Als Nahrungsergänzung verbreitet, meist auf Eleutheroside B und E eingestellt. Die Gehalte schwanken zwischen Produkten erheblich.
Tinktur hoch Die in der sowjetischen Forschung übliche Zubereitung.
Wurzeltee mittel Abkochung der zerkleinerten Wurzel; die typische traditionelle Form.

Taigawurzel einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Morgens und mittags. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.

Nicht am Abend, weil die Wirkung eher anregend ist. Kurweise über einige Wochen, dann Pause — anders als bei Vitaminen ist Dauergebrauch hier nicht vorgesehen.

Taigawurzel Wechselwirkungen

Digoxin

verstärkt

Ein viel zitierter Fallbericht beschreibt erhöhte Digoxinspiegel unter Taigawurzel. Ob es tatsächlich Eleutherococcus war oder eine Verwechslungsdroge, blieb ungeklärt — der Verdacht besteht fort.

Blutzuckersenkende Mittel

verstärkt

Eine blutzuckersenkende Wirkung wird diskutiert; bei Diabetestherapie zu bedenken.

Gerinnungshemmer

Vorsicht

Eine Beeinflussung der Blutgerinnung ist beschrieben, aber nicht gut belegt.

Wer auf Taigawurzel besonders achten sollte

  • Nicht bei Bluthochdruck
  • Nicht für Kinder und Jugendliche unter 12 Jahren
  • Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit
  • Nicht länger als zwei Monate ohne ärztlichen Rat

Häufige Fragen zu Taigawurzel

01Wann sollte man Taigawurzel einnehmen?

Morgens und mittags. Zu oder direkt nach einer Mahlzeit. Nicht am Abend, weil die Wirkung eher anregend ist. Kurweise über einige Wochen, dann Pause — anders als bei Vitaminen ist Dauergebrauch hier nicht vorgesehen.

02Wie viel Taigawurzel am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 0,5–4 g Wurzeldroge am Tag oder entsprechende Extraktmengen.

03Wie viel Taigawurzel ist zu viel?

Anwendung nicht länger als 2 Monate ohne ärztlichen Rat. HMPC-Monographie zu Eleutherococci radix. Die Monographie begrenzt die Anwendungsdauer und schließt Kinder unter 12 Jahren aus. Bei Bluthochdruck ist die Taigawurzel nicht geeignet.

04Welche Wechselwirkungen hat Taigawurzel?

Zu beachten sind Digoxin, Blutzuckersenkende Mittel und Gerinnungshemmer. Digoxin: Ein viel zitierter Fallbericht beschreibt erhöhte Digoxinspiegel unter Taigawurzel. Ob es tatsächlich Eleutherococcus war oder eine Verwechslungsdroge, blieb ungeklärt — der Verdacht besteht fort. Blutzuckersenkende Mittel: Eine blutzuckersenkende Wirkung wird diskutiert; bei Diabetestherapie zu bedenken. Gerinnungshemmer: Eine Beeinflussung der Blutgerinnung ist beschrieben, aber nicht gut belegt.

05Für wen ist Taigawurzel nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Nicht bei Bluthochdruck; Nicht für Kinder und Jugendliche unter 12 Jahren; Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit; Nicht länger als zwei Monate ohne ärztlichen Rat. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06Welche Form von Taigawurzel ist am besten?

Gut aufgenommen werden Traditionelles pflanzliches Arzneimittel, Trockenextrakt in Kapseln und Tinktur. Zu Traditionelles pflanzliches Arzneimittel: Registrierte Präparate mit definierter Extraktqualität und geprüftem Anwendungsgebiet. Der Weg, auf dem die Wirkung überhaupt genannt werden darf.

07Womit darf für Taigawurzel geworben werden?

Nichts. Als Nahrungsergänzungsmittel trägt die Taigawurzel keine zugelassene Angabe; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Als traditionelles pflanzliches Arzneimittel darf sie dagegen bei Erschöpfungs- und Schwächegefühl beworben werden — derselbe Stoff, zwei Rechtswege.

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Belege

  1. 01 Community herbal monograph on Eleutherococcus senticosus, radix · Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur
  2. 02 Eleutherococcus senticosus — a systematic review of randomised trials · Journal of Ethnopharmacology
  3. 03 Health-Claims-Verordnung — Liste der „on hold“-Angaben · Europäische Kommission

Siehe auch

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