Ginseng — drei Pflanzen, ein Name
Unter „Ginseng“ werden im Handel drei verschiedene Dinge verkauft. Panax ginseng aus Korea
und China ist der eigentliche Ginseng mit den Ginsenosiden, auf den sich Studien und
Arzneimittelregistrierung beziehen. Panax quinquefolius, der amerikanische Ginseng, hat ein
anderes Wirkstoffmuster und gilt als kühlender. Eleutherococcus senticosus, oft als
„sibirischer Ginseng“ oder Taigawurzel verkauft, ist botanisch nicht verwandt und enthält keine
Ginsenoside.
Wer vergleichen will, sieht deshalb zuerst auf den botanischen Namen und dann auf den
Ginsenosidgehalt — 4 bis 7 Prozent sind der Standard in geprüften Extrakten.
Ginseng Wirkung — was zu erwarten ist
Die Studienlage zu Erschöpfung und geistiger Leistung ist gemischt: einzelne positive Ergebnisse,
viele Arbeiten mit methodischen Schwächen. Die EMA-Registrierung stützt sich auf
Anwendungserfahrung. Realistisch ist ein moderater Effekt bei Erschöpfungszuständen, kein
Leistungssprung.
Bei Warfarin gilt Vorsicht; in der EU-Monographie sind Wechselwirkungen allerdings nicht berichtet.
Ginseng Nebenwirkungen — Unruhe, Schlaf und die Wechselwirkungen
Die EU-Monographie
European Union herbal monograph on Panax ginseng C.A.Mey., radix — Final, Revision 1
(HMPC, 2024) nennt als Nebenwirkungen Magen-Darm-Beschwerden (Magenbeschwerden, Übelkeit,
Erbrechen, Durchfall, Verstopfung), Überempfindlichkeit mit Nesselsucht und Juckreiz sowie
Schlaflosigkeit; die Häufigkeit ist jeweils nicht bekannt. Zu Wechselwirkungen steht dort „None
reported“ — keine berichtet.
Zur Einnahme: Die Anwendung ist meist auf drei Monate begrenzt, danach folgt eine Pause. Bei
längerer Einnahme wird aus der Anwendungspraxis über Unruhe, Schlafstörungen und Blutdruckanstieg berichtet. Wer Ginseng abends
nimmt, stört bei vielen den Schlaf, deshalb gehört er an den Morgen.
Vorsicht gilt bei Blutzuckersenkern (Ginseng senkt den Blutzucker leicht), bei MAO-Hemmern (Berichte
über Unruhe und Kopfschmerzen) und zusammen mit Koffein (verstärkte Unruhe möglich). Menschen mit
Bluthochdruck, Schwangere und Stillende sowie Menschen unter Gerinnungshemmung zählen zu den
Risikogruppen.