Der Werbeversprechen und die Messwerte
Tribulus wird seit Jahrzehnten als natürlicher Testosteronbooster verkauft. Der Ursprung liegt in
bulgarischen Berichten aus den 1970er Jahren über Gewichtheber — nie als kontrollierte Studie
veröffentlicht.
Seither ist der Testosteronspiegel unter Tribulus vielfach gemessen worden. Systematische
Auswertungen kommen zu einem eindeutigen Ergebnis: Bei gesunden Männern verändert er sich nicht.
Weder Gesamt- noch freies Testosteron, weder bei jungen Sportlern noch bei Älteren.
Auch für Kraft und Muskelmasse fanden kontrollierte Studien keine Unterschiede zu Placebo.
Das ist eine ungewöhnlich klare Datenlage — und sie steht dem Verkaufsargument direkt entgegen.
Was möglicherweise doch passiert
Bei der sexuellen Funktion sieht das Bild etwas anders aus. Einzelne Studien an Männern mit
Erektionsstörungen und an Frauen mit vermindertem Verlangen fanden Verbesserungen auf
Fragebogenskalen — ohne dass sich Hormonwerte änderten.
Diskutiert wird eine Wirkung über Stickstoffmonoxid und über zentrale Mechanismen. Die Studien
sind klein und uneinheitlich; für eine Empfehlung reicht das nicht.
Es ist dasselbe Muster wie bei Maca: Ein möglicher Effekt auf das Erleben, aber keiner auf die
Hormone. Wer das eine mit dem anderen erklärt, erklärt es falsch.
Das Verunreinigungsproblem
Sportnahrungsergänzungen mit Testosteron-Versprechen gehören zu den Produktgruppen, in denen
Analysen am häufigsten nicht deklarierte Substanzen finden — von Prohormonen bis zu anabolen
Steroiden.
Für Wettkampfsportler ist das ein reales Dopingrisiko, denn die Verantwortung liegt beim Athleten,
unabhängig davon, was auf dem Etikett stand. Wer im geprüften Bereich bleiben will, sollte nur
Präparate mit Kölner Liste oder vergleichbarer Zertifizierung verwenden.
Was tatsächlich am Testosteron etwas ändert
Ein Zinkmangel senkt den Testosteronspiegel messbar, ebenso ein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel;
beides lässt sich beheben. Darüber hinaus wirken Schlaf, Körpergewicht und Krafttraining stärker
als jedes Präparat.
Bei tatsächlich niedrigem Testosteron gehört die Ursache abgeklärt — dahinter stehen häufig
Übergewicht, Schlafapnoe oder Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse. Ein Pflanzenextrakt löst keines
dieser Probleme.