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VIII · Weitere Stoffe

Bierhefe

auch: Saccharomyces cerevisiae · Trockenhefe · Nährhefe · Hefeflocken

Der B-Vitamin-Lieferant der Nachkriegszeit — mit einer Lücke, die Veganer kennen sollten, und einem Purinproblem.

Studienlage

Mehrere kontrollierte Studien, Bild noch nicht geschlossen
Zugelassene Angabe

Was über Bierhefe gesagt werden darf

Für diesen Stoff stehen gesundheitsbezogene Angaben in der Unionsliste (VO (EU) 432/2012). Sie dürfen im angegebenen Wortlaut verwendet werden.

  1. 01

    „Thiamin trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“

    Bedingung mindestens 0,165 mg Thiamin je 100 g bzw. je Portion (15 % des Referenzwerts)

  2. 02

    „Riboflavin trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei“

    Bedingung mindestens 0,21 mg Riboflavin je 100 g bzw. je Portion

  3. 03

    „Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haare bei“

    Bedingung mindestens 7,5 µg Biotin je 100 g bzw. je Portion

Die Angaben gelten für die enthaltenen Vitamine, nicht für die Hefe als solche — und nur, wenn die Tagesportion die geforderten Mengen erreicht. Aussagen zu Haut, Nägeln oder Darmflora, mit denen üblicherweise geworben wird, sind davon nicht gedeckt.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Die Lücke, die Veganer kennen sollten

Bierhefe gilt als B-Vitamin-Lieferant, und für die meisten B-Vitamine stimmt das: Thiamin, Riboflavin, Niacin, Pantothensäure, Vitamin B6, Folat und Biotin sind reichlich enthalten.

Vitamin B12 nicht. Hefen sind Pilze und können es nicht herstellen — B12 bilden ausschließlich Bakterien. Nährhefe enthält es nur, wenn es zugesetzt wurde.

Für Menschen mit veganer Ernährung ist das der entscheidende Punkt. Auf der Packung steht dann „mit Vitamin B12” oder „angereichert”; fehlt der Hinweis, ist keines drin. Es ist derselbe Irrtum wie bei Spirulina — nur dass er sich hier durch den Griff zur angereicherten Variante lösen lässt.

Das Purinproblem

Hefe gehört zu den purinreichsten Lebensmitteln überhaupt. Purine werden im Körper zu Harnsäure abgebaut, und bei Gicht oder erhöhten Harnsäurewerten ist das ungünstig.

Wer täglich mehrere Gramm Hefe zu sich nimmt und zu Gicht neigt, sollte das wissen. Für gesunde Menschen ist die Menge unproblematisch.

Wofür sie tatsächlich taugt

Bierhefe war das klassische Aufbaumittel der Nachkriegszeit, als B-Vitamin-Mangel verbreitet war. Heute ist sie vor allem zweierlei: eine brauchbare Nährstoffquelle für Menschen mit einseitiger Ernährung — und in Form der Nährhefeflocken ein hervorragendes Würzmittel.

Der käseartige Geschmack beruht auf Glutamat, das in der Hefe natürlich vorkommt. Über Nudeln oder Gemüse gestreut ersetzt sie einen Teil des Salzes und liefert nebenbei Eiweiß und B-Vitamine.

Die Haut-und-Haare-Werbung

Bierhefe wird traditionell für Haut, Haare und Nägel beworben, meist zusammen mit Biotin. Die Biotin-Angabe zur Erhaltung normaler Haare ist zugelassen — allerdings nur, wenn die Tagesportion die nötige Menge liefert.

Für die Hefe als solche gibt es keine Angabe, und bei Haarausfall stecken meist andere Ursachen dahinter: Eisenmangel, Schilddrüsenstörungen, hormonelle Umstellungen. Die stehen in dieser Datenbank an anderer Stelle — und gehören abgeklärt, bevor ein halbes Jahr Hefetabletten vergeht.

Bierhefe — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Bierhefe (Trockenhefe) hoch Getrocknete, abgetötete Hefezellen aus der Brauerei oder aus eigener Kultur. Liefert B-Vitamine, Eiweiß, Chrom, Selen und Zink.
Nährhefeflocken hoch Gezielt als Lebensmittel kultiviert, mit käseartigem Geschmack. In der veganen Küche als Würzmittel verbreitet.
Mit B12 angereicherte Nährhefe hoch Der entscheidende Unterschied — nur angereicherte Ware enthält Vitamin B12. Hefe selbst bildet keines.
Lebende Bierhefe hoch In Frischhefe und einzelnen Präparaten. Bei Immunschwäche zurückhaltend zu bewerten, weil lebende Hefen in seltenen Fällen in die Blutbahn übertreten können.

Bierhefe einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Über den Tag verteilt zu den Mahlzeiten. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.

Einschleichend beginnen — Hefe führt anfangs häufig zu Blähungen. Nährhefeflocken lassen sich über Nudeln, Suppen und Salate streuen und ersetzen dabei einen Teil des Salzes.

Bierhefe Wechselwirkungen

MAO-Hemmer

verstärkt

Hefeextrakte enthalten Tyramin. In Verbindung mit MAO-Hemmern kann es zu Blutdruckkrisen kommen — eine klassische Gegenanzeige.

Gicht und erhöhte Harnsäure

Vorsicht

Der hohe Puringehalt erhöht die Harnsäurebildung.

Morbus Crohn

Vorsicht

Bei Morbus Crohn finden sich häufig Antikörper gegen Saccharomyces cerevisiae. Ob Hefe die Erkrankung beeinflusst, ist ungeklärt — manche Betroffene vertragen sie schlecht.

Wer auf Bierhefe besonders achten sollte

  • Menschen mit einseitiger Ernährung und knapper B-Vitamin-Zufuhr
  • Nicht geeignet bei Gicht und Hefeallergie
  • Vorsicht bei Morbus Crohn und bei Immunschwäche

Bierhefe in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Bierhefe, getrocknet 12 mg Thiamin, 4 mg Riboflavin und 40 g Eiweiß je 100 g
Nährhefeflocken vergleichbar, je nach Anreicherung zusätzlich B12
Hefeextrakt würzend, mit hohem Glutamat- und Tyramingehalt

Häufige Fragen zu Bierhefe

01Wann sollte man Bierhefe einnehmen?

Über den Tag verteilt zu den Mahlzeiten. Einschleichend beginnen — Hefe führt anfangs häufig zu Blähungen. Nährhefeflocken lassen sich über Nudeln, Suppen und Salate streuen und ersetzen dabei einen Teil des Salzes.

02Wie viel Bierhefe am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 3–6 g Bierhefepulver am Tag oder entsprechende Tabletten.

03Wie viel Bierhefe ist zu viel?

Keine Obergrenze festgelegt. EFSA; Hefe ist ein traditionelles Lebensmittel. Hefe ist purinreich. Bei Gicht oder erhöhten Harnsäurewerten ist von größeren Mengen abzuraten — dieselbe Einschränkung gilt für Innereien und Bier.

04Welche Wechselwirkungen hat Bierhefe?

Zu beachten sind MAO-Hemmer; Gicht und erhöhte Harnsäure; Morbus Crohn. MAO-Hemmer: Hefeextrakte enthalten Tyramin. In Verbindung mit MAO-Hemmern kann es zu Blutdruckkrisen kommen — eine klassische Gegenanzeige. Gicht und erhöhte Harnsäure: Der hohe Puringehalt erhöht die Harnsäurebildung. Morbus Crohn: Bei Morbus Crohn finden sich häufig Antikörper gegen Saccharomyces cerevisiae. Ob Hefe die Erkrankung beeinflusst, ist ungeklärt — manche Betroffene vertragen sie schlecht.

05Für wen ist Bierhefe nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Menschen mit einseitiger Ernährung und knapper B-Vitamin-Zufuhr; Nicht geeignet bei Gicht und Hefeallergie; Vorsicht bei Morbus Crohn und bei Immunschwäche. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Bierhefe?

Gute Quellen sind Bierhefe, getrocknet (12 mg Thiamin, 4 mg Riboflavin und 40 g Eiweiß je 100 g), Nährhefeflocken (vergleichbar, je nach Anreicherung zusätzlich B12) und Hefeextrakt (würzend, mit hohem Glutamat- und Tyramingehalt).

07Welche Form von Bierhefe ist am besten?

Gut aufgenommen werden Bierhefe (Trockenhefe), Nährhefeflocken, Mit B12 angereicherte Nährhefe und Lebende Bierhefe. Zu Bierhefe (Trockenhefe): Getrocknete, abgetötete Hefezellen aus der Brauerei oder aus eigener Kultur. Liefert B-Vitamine, Eiweiß, Chrom, Selen und Zink.

08Womit darf für Bierhefe geworben werden?

Zugelassen sind nach der Unionsliste unter anderem: „Thiamin trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“. Bedingung: mindestens 0,165 mg Thiamin je 100 g bzw. je Portion (15 % des Referenzwerts). Insgesamt sind 3 Angaben zugelassen.

Belege

  1. 01 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Unionsliste zulässiger Angaben · Europäische Kommission · 2012
  2. 02 Nutritional yeast as a source of B vitamins — a review · Nutrients
  3. 03 Purinreiche Lebensmittel und Harnsäure — Hinweise für Verbraucher · Deutsche Gesellschaft für Ernährung

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