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VIII · Weitere Stoffe

Kolloidales Gold

auch: Goldkolloid · Aurum metallicum · Monoatomisches Gold · E 175

Gold als Lebensmittelfarbstoff zugelassen, als Trinkkur ohne jede Grundlage — und mit einem Erbe aus der Rheumatherapie.

Studienlage

Einzelne Hinweise, überwiegend Labor- oder Tierversuche
Keine Angabe beantragt

Was über Kolloidales Gold gesagt werden darf

Für diesen Stoff ist keine gesundheitsbezogene Angabe in der Unionsliste eingetragen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.

Für Gold gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Es ist ein Farbstoff, kein Nährstoff — es existiert kein Bedarf, kein Referenzwert und kein Mangelbild. Werbung mit Zellen, Gelenken, Konzentration oder Energie ist unzulässig.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Zwei Sorten Gold

Der Unterschied entscheidet alles.

Metallisches Gold — Blattgold, kolloidale Teilchen — ist chemisch außerordentlich reaktionsträge. Es löst sich nicht, verbindet sich mit nichts und wird im Verdauungstrakt nicht aufgenommen. Es geht hinein und kommt unverändert wieder heraus.

Genau deshalb ist es als Lebensmittelfarbstoff E 175 zugelassen: Ein Stoff, der den Körper unverändert passiert, kann in ihm nichts anrichten.

Goldsalze sind etwas anderes. Sie sind löslich, werden aufgenommen und wirken — bis in die achtziger Jahre waren sie ein Standardmittel gegen rheumatoide Arthritis.

Was die Rheumatherapie gelehrt hat

Die Goldtherapie wirkte tatsächlich. Sie verlangsamte den Gelenkverfall, und Auranofin ist bis heute in einigen Ländern zugelassen.

Sie hatte allerdings einen Preis: Nierenschäden, schwere Blutbildstörungen, Hautausschläge, Entzündungen der Mundschleimhaut. Bei einem Teil der Behandelten musste abgebrochen werden, und regelmäßige Blut- und Urinkontrollen waren Pflicht.

Mit den modernen Rheumamitteln verschwand die Goldtherapie weitgehend.

Diese Vorgeschichte ist der eigentliche Punkt: Gold in einer Form, in der der Körper es aufnimmt, ist kein harmloser Zusatz, sondern ein Arzneistoff mit erheblichen Nebenwirkungen. Wer sich Goldwirkung wünscht, wünscht sich das mit.

Was für die Trinklösung übrig bleibt

Kolloidales Gold wird mit Konzentration, Zellgesundheit, Energie und Gelenken beworben. Belege dafür gibt es nicht — keine kontrollierten Studien, keine zugelassene Angabe, kein bekannter Wirkweg.

Es liegt in genau der Form vor, die nicht aufgenommen wird. Ein Nutzen wäre selbst dann schwer zu erklären, wenn Gold eine Funktion im Körper hätte, was es nicht hat.

In der EU ist kolloidales Gold als Nahrungsergänzungsmittel nicht zugelassen. Verkauft wird es deshalb als Kosmetikum, als Wasserzusatz oder ganz ohne Angabe — dieselbe Konstruktion wie beim kolloidalen Silber.

Der Unterschied zum Silber

Kolloidales Silber, das in dieser Datenbank einen eigenen Eintrag hat, ist gefährlicher: Es wird teilweise aufgenommen und lagert sich in der Haut ab, was zur bleibenden grauen Verfärbung führt — der Argyrie.

Gold ist in dieser Hinsicht harmloser. Es ist damit vor allem eines: teuer und wirkungslos.

Monoatomisches Gold

Unter Namen wie ORMUS oder weißes Pulvergold wird ein angeblicher Materiezustand verkauft, in dem Goldatome einzeln und nicht als Metall vorlägen.

Diesen Zustand gibt es in der Chemie nicht. Was analysiert wurde, erwies sich als Gemisch von Salzen ohne nennenswerten Goldgehalt.

Der Eintrag steht hier, damit wer danach sucht, wenigstens eine Seite findet, die keine Verkaufsseite ist.

Kolloidales Gold — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Kolloidales Gold (Trinklösung) niedrig Feinste Goldteilchen in Wasser. Als Nahrungsergänzungsmittel in der EU nicht zugelassen; verkauft wird es meist als Kosmetikum oder Wasserzusatz.
Blattgold (E 175) niedrig Der zugelassene Einsatz — Dekoration von Pralinen, Torten und Likören. Rein optisch, ohne Geschmack und ohne Wirkung.
Goldsalze (Auranofin, Natriumaurothiomalat) hoch Löslich und tatsächlich wirksam — als Arzneimittel gegen rheumatoide Arthritis. Ein völlig anderer Stoff als das metallische Gold.
Monoatomisches Gold (ORMUS) unklar Ein Fantasieprodukt aus der Esoterikszene. Der behauptete Materiezustand existiert in der Chemie nicht.

Kolloidales Gold einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Keine Empfehlung. Unabhängig von einer Mahlzeit.

Blattgold auf einer Praline ist unbedenklich und dekorativ. Eine Trinkkur mit kolloidalem Gold hat keinen belegten Nutzen und ist in der EU als Nahrungsergänzungsmittel nicht zulässig.

Wer auf Kolloidales Gold besonders achten sollte

  • Für niemanden erforderlich — Gold ist kein Nährstoff
  • Bei Goldallergie, die durch Schmuck oder Zahnersatz bekannt sein kann, ganz meiden

Häufige Fragen zu Kolloidales Gold

01Wann sollte man Kolloidales Gold einnehmen?

Keine Empfehlung. Auf nüchternen Magen, mit Abstand zu den Mahlzeiten. Blattgold auf einer Praline ist unbedenklich und dekorativ. Eine Trinkkur mit kolloidalem Gold hat keinen belegten Nutzen und ist in der EU als Nahrungsergänzungsmittel nicht zulässig.

02Wie viel Kolloidales Gold am Tag?

Keine — als Nahrungsergänzungsmittel ohne Grundlage.

03Wie viel Kolloidales Gold ist zu viel?

Als Farbstoff E 175 nur für Überzüge von Süßwaren, Likören und Blattgold auf Speisen zugelassen. Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 über Lebensmittelzusatzstoffe. Metallisches Gold ist unlöslich und wird praktisch nicht aufgenommen — es passiert den Darm unverändert. Das ist zugleich der Grund für die Zulassung als Farbstoff und der Grund, warum eine Trinkkur nichts bewirken kann.

04Für wen ist Kolloidales Gold nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Für niemanden erforderlich — Gold ist kein Nährstoff; Bei Goldallergie, die durch Schmuck oder Zahnersatz bekannt sein kann, ganz meiden. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

05Welche Form von Kolloidales Gold ist am besten?

Gut aufgenommen wird Goldsalze (Auranofin, Natriumaurothiomalat). Schlechter verfügbar sind Kolloidales Gold (Trinklösung) und Blattgold (E 175). Zu Goldsalze (Auranofin, Natriumaurothiomalat): Löslich und tatsächlich wirksam — als Arzneimittel gegen rheumatoide Arthritis. Ein völlig anderer Stoff als das metallische Gold.

06Womit darf für Kolloidales Gold geworben werden?

Nichts. Für Gold gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Es ist ein Farbstoff, kein Nährstoff — es existiert kein Bedarf, kein Referenzwert und kein Mangelbild. Werbung mit Zellen, Gelenken, Konzentration oder Energie ist unzulässig.

Belege

  1. 01 Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 über Lebensmittelzusatzstoffe · Europäische Union
  2. 02 Re-evaluation of gold (E 175) as a food additive · Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit
  3. 03 Gold compounds in the treatment of rheumatoid arthritis — historical review · Rheumatology

Siehe auch

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