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VIII · Weitere Stoffe

Laktulose

auch: Lactulose · Bifiteral · synthetischer Zweifachzucker

Ein Abführmittel, das zugleich das älteste Präbiotikum ist — und in der Klinik Leben rettet.

Studienlage

Sehr gut belegt, von Fachgesellschaften anerkannt
Keine Angabe beantragt

Was über Laktulose gesagt werden darf

Für diesen Stoff ist keine gesundheitsbezogene Angabe in der Unionsliste eingetragen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.

Laktulose ist in Deutschland ein Arzneimittel; für Arzneimittel gilt die Health-Claims-Verordnung nicht. In Nahrungsergänzungsmitteln findet man sie selten — dort wären Aussagen zur Verdauung unzulässig. Ein Antrag auf eine Angabe zur Beschleunigung der Darmpassage wurde von der EFSA befürwortet, aber von der Kommission nicht in die Unionsliste übernommen.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Ein Zucker, den der Mensch nicht kennt

Laktulose besteht aus Galaktose und Fruktose und kommt in der Natur praktisch nicht vor. Sie entsteht beim starken Erhitzen von Milch und wird für die Anwendung aus Milchzucker hergestellt.

Weil sie neu ist, besitzt der menschliche Darm kein Enzym dafür. Sie passiert den Dünndarm unverändert und kommt vollständig im Dickdarm an.

Dort geschieht zweierlei zugleich, und darin liegt das Besondere dieses Stoffes.

Zwei Wirkungen aus einer Ursache

Erstens zieht der Zucker osmotisch Wasser in den Darm. Der Stuhl wird weicher, das Volumen größer, die Passage schneller — die abführende Wirkung.

Zweitens ist er Futter für Bakterien, insbesondere für Bifidobakterien und Laktobazillen. Sie vergären ihn zu kurzkettigen Fettsäuren, was den pH-Wert im Dickdarm senkt.

Laktulose war deshalb das erste, was man als Bifidusfaktor bezeichnete — Jahrzehnte bevor das Wort Präbiotikum geprägt wurde. Sie ist damit die Urform aller Stoffe, die in dieser Datenbank unter Inulin, resistenter Stärke und den Oligosacchariden der Muttermilch stehen.

Der Einsatz, der wirklich zählt

Bei fortgeschrittener Leberzirrhose kann die Leber Ammoniak nicht mehr entgiften. Es gelangt ins Gehirn und verursacht Verwirrtheit, Schläfrigkeit bis zum Koma — die hepatische Enzephalopathie.

Laktulose ist hier ein Standardmittel. Der saure pH im Dickdarm wandelt Ammoniak in Ammonium um, das nicht mehr aufgenommen wird und mit dem Stuhl den Körper verlässt. Zugleich verkürzt die schnellere Passage die Zeit zur Aufnahme.

Die Cochrane-Auswertung sieht dafür einen Nutzen auf Sterblichkeit und Verlauf. Für ein Mittel, das in der Apotheke als schlichter Sirup gegen Verstopfung steht, ist das eine bemerkenswerte zweite Karriere.

Der Nebenschauplatz in der Diagnostik

Laktulose wird auch für Atemtests verwendet. Weil sie zuverlässig vergoren wird, entsteht Wasserstoff, den man in der Ausatemluft messen kann.

Daraus lässt sich die Zeit bis zum Erreichen des Dickdarms abschätzen und eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms vermuten — wobei der Test dafür als unzuverlässig gilt und in Fachkreisen umstritten ist.

Die Einordnung

Bei Verstopfung stehen Ballaststoffe, Flüssigkeit und Bewegung an erster Stelle. Genügen sie nicht, sind Macrogol und Laktulose die Mittel der Wahl — beide sicher, beide auch für längere Anwendung geeignet, anders als Sennesblätter.

Macrogol verursacht weniger Blähungen, weil es nicht vergoren wird. Laktulose hat dafür die Nebenwirkung, die man sich wünscht: Sie füttert die Bifidobakterien.

Laktulose — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Laktulose-Sirup niedrig Die übliche Form, seit Jahrzehnten im Gebrauch. Wirkt nach ein bis zwei Tagen, nicht sofort.
Laktulose-Pulver in Beuteln niedrig Geschmacksneutraler als der Sirup, gleich wirksam.
Macrogol (Polyethylenglykol) niedrig Das alternative osmotische Abführmittel. Es wird nicht vergoren und verursacht deshalb weniger Blähungen — in Leitlinien häufig bevorzugt.

Laktulose einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Morgens, mit viel Flüssigkeit. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.

Laktulose wird im Dünndarm nicht aufgenommen, weil dem Menschen das passende Enzym fehlt. Sie erreicht den Dickdarm unverändert — daraus ergibt sich alles Weitere.

Laktulose Wechselwirkungen

Antibiotika

hemmt

Die Wirkung hängt von der Vergärung durch Darmbakterien ab. Eine Antibiotikatherapie kann sie abschwächen.

Magensaftresistente Arzneiformen

hemmt

Der sinkende pH-Wert im Dickdarm kann Überzüge beeinflussen, die auf einen bestimmten pH ausgelegt sind.

Wer auf Laktulose besonders achten sollte

  • Bei Verstopfung in Schwangerschaft und Stillzeit gut geeignet, weil sie nicht aufgenommen wird
  • Nicht bei Galaktoseintoleranz oder Darmverschluss
  • Bei Diabetes zu beachten, da geringe Mengen Galaktose und Laktose enthalten sein können

Laktulose in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Erhitzte Milch Laktulose entsteht in kleinen Mengen beim starken Erhitzen von Milch

Häufige Fragen zu Laktulose

01Wann sollte man Laktulose einnehmen?

Morgens, mit viel Flüssigkeit. Zu oder direkt nach einer Mahlzeit. Laktulose wird im Dünndarm nicht aufgenommen, weil dem Menschen das passende Enzym fehlt. Sie erreicht den Dickdarm unverändert — daraus ergibt sich alles Weitere.

02Wie viel Laktulose am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 10–20 g am Tag als Abführmittel; klinisch deutlich höher dosiert.

03Wie viel Laktulose ist zu viel?

Nach Packungsbeilage; bei Lebererkrankung nach ärztlicher Vorgabe. Zulassung als Arzneimittel beim BfArM. Zu Beginn sind Blähungen und Bauchkrämpfe häufig, weil die Darmbakterien den Zucker vergären. Einschleichend dosieren und reichlich trinken.

04Welche Wechselwirkungen hat Laktulose?

Zu beachten sind Antibiotika und Magensaftresistente Arzneiformen. Antibiotika: Die Wirkung hängt von der Vergärung durch Darmbakterien ab. Eine Antibiotikatherapie kann sie abschwächen. Magensaftresistente Arzneiformen: Der sinkende pH-Wert im Dickdarm kann Überzüge beeinflussen, die auf einen bestimmten pH ausgelegt sind.

05Für wen ist Laktulose nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Bei Verstopfung in Schwangerschaft und Stillzeit gut geeignet, weil sie nicht aufgenommen wird; Nicht bei Galaktoseintoleranz oder Darmverschluss; Bei Diabetes zu beachten, da geringe Mengen Galaktose und Laktose enthalten sein können. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Laktulose?

Gute Quellen sind Erhitzte Milch (Laktulose entsteht in kleinen Mengen beim starken Erhitzen von Milch).

07Welche Form von Laktulose ist am besten?

Schlechter verfügbar sind Laktulose-Sirup, Laktulose-Pulver in Beuteln und Macrogol (Polyethylenglykol).

08Womit darf für Laktulose geworben werden?

Nichts. Laktulose ist in Deutschland ein Arzneimittel; für Arzneimittel gilt die Health-Claims-Verordnung nicht. In Nahrungsergänzungsmitteln findet man sie selten — dort wären Aussagen zur Verdauung unzulässig. Ein Antrag auf eine Angabe zur Beschleunigung der Darmpassage wurde von der EFSA befürwortet, aber von der Kommission nicht in die Unionsliste übernommen.

Belege

  1. 01 Lactulose versus polyethylene glycol for chronic constipation · Cochrane Database of Systematic Reviews
  2. 02 Lactulose for hepatic encephalopathy · Cochrane Database of Systematic Reviews
  3. 03 Fachinformation Laktulose · Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

Siehe auch

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