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VIII · Weitere Stoffe

Pflanzensterine

auch: Phytosterine · Pflanzenstanole · Sitosterin · Stanolester · Sterinester

Der Stoff mit dem stärksten Cholesterin-Claim der Unionsliste — und mit ausdrücklichen Warnhinweisen für Kinder und Schwangere.

Studienlage

Sehr gut belegt, von Fachgesellschaften anerkannt
Zugelassene Angabe

Was über Pflanzensterine gesagt werden darf

Für diesen Stoff stehen gesundheitsbezogene Angaben in der Unionsliste (VO (EU) 432/2012). Sie dürfen im angegebenen Wortlaut verwendet werden.

  1. 01

    „Pflanzensterine und Pflanzenstanolester tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei“

    Bedingung mindestens 0,8 g Pflanzensterine oder -stanole am Tag

  2. 02

    „Pflanzensterine und Pflanzenstanolester senken nachweislich den Cholesterinspiegel im Blut — ein hoher Cholesterinspiegel ist ein Risikofaktor für die Entstehung der koronaren Herzkrankheit“

    Bedingung Risikofaktorsenkende Angabe nach Artikel 14; 1,5–3 g am Tag, Wirkung von 7 bis 12 Prozent innerhalb von zwei bis drei Wochen

Die zweite Angabe darf ausdrücklich eine Zahl nennen und einen Krankheitsrisikofaktor benennen — das ist in der Unionsliste extrem selten und zeigt, wie belastbar die Datenlage hier ist. Angereicherte Lebensmittel unterliegen zugleich einer eigenen Kennzeichnungsverordnung.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Der Claim, der eine Zahl nennen darf

In der Unionsliste stehen fast ausschließlich vorsichtige Formulierungen über die Erhaltung normaler Funktionen. Bei Pflanzensterinen ist es anders: Die zugelassene Angabe nennt die Größenordnung der Wirkung — 7 bis 12 Prozent weniger LDL-Cholesterin innerhalb von zwei bis drei Wochen — und darf einen Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit benennen.

Das ist keine Nachlässigkeit der Behörde, sondern das Ergebnis einer ungewöhnlich klaren Datenlage. Über sechzig kontrollierte Studien kommen zu vergleichbaren Zahlen.

Wie sie wirken

Pflanzensterine ähneln dem Cholesterin so stark, dass sie im Dünndarm um denselben Platz in den Mizellen konkurrieren. Was von ihnen besetzt wird, kann kein Cholesterin aufnehmen. Der Körper scheidet die verdrängte Menge aus.

Aufgenommen wird von den Sterinen selbst nur ein winziger Bruchteil, bei den hydrierten Stanolen noch weniger. Genau deshalb funktioniert der Trick.

Die Einschränkung, die selten erwähnt wird

Ein gesenkter Laborwert ist noch kein gesenktes Risiko. Für Statine ist belegt, dass weniger LDL auch weniger Herzinfarkte bedeutet. Für Pflanzensterine fehlen Studien mit Herz-Kreislauf- Ereignissen als Endpunkt — es gibt sogar eine offene Diskussion darüber, ob die geringen Mengen aufgenommener Sterine langfristig ungünstig wirken könnten.

Die Fachgesellschaften halten die Anwendung dennoch für sinnvoll, wenn das LDL leicht erhöht ist und eine medikamentöse Therapie noch nicht ansteht oder ergänzt werden soll.

Warum die Pflichthinweise dort stehen

Angereicherte Lebensmittel müssen kennzeichnen, dass sie für Menschen ohne erhöhtes Cholesterin nicht bestimmt sind. Der Grund ist die Wirkung auf Beta-Carotin: Wer die Sterine ohne Anlass isst, senkt den Carotinoidspiegel, ohne einen Nutzen davon zu haben.

Für Kinder unter fünf Jahren und für Schwangere gilt eine ausdrückliche Zurückhaltung, weil Cholesterin in diesen Lebensphasen für Wachstum und Entwicklung gebraucht wird. Das sind gesetzliche Vorgaben aus der Verordnung 608/2004 und keine bloßen Vorsichtsformeln.

Für die Praxis

Wirksam sind angereicherte Lebensmittel zur Mahlzeit — Margarine, Joghurtdrink oder Käse. Ein Kapselpräparat ohne Fett und ohne Mahlzeit bildet die Studienbedingungen nicht ab und dürfte weniger leisten. Die Wirkung lässt sich zudem gut überprüfen: Ein Cholesterinwert nach vier Wochen zeigt, ob es bei einem selbst funktioniert.

Pflanzensterine — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Sterinester in Streichfett hoch Die am besten untersuchte Anwendungsform. Die Ester lösen sich im Fett der Margarine und gelangen so dorthin, wo sie das Cholesterin verdrängen sollen.
Stanolester hoch Hydrierte Form, wird selbst so gut wie nicht aufgenommen. Gleich wirksam wie Sterine, gilt wegen der geringeren Eigenaufnahme als etwas günstiger bewertet.
Angereicherter Joghurtdrink hoch Liefert die Tagesmenge in einer Portion. In Studien gleich wirksam, sofern zur Mahlzeit getrunken.
Kapseln mit Sterinpulver niedrig Ohne Fettmatrix und ohne Mahlzeit wirken Sterine deutlich schwächer. Die Studien, auf denen der Claim beruht, wurden fast ausschließlich mit angereicherten Lebensmitteln durchgeführt.

Pflanzensterine einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Zu den Hauptmahlzeiten, auf zwei bis drei Portionen verteilt. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.

Ohne Mahlzeit gibt es kaum etwas zu verdrängen — der Wirkmechanismus setzt Nahrungscholesterin und Gallensäuren im Darm voraus. Verteilte Gaben wirken besser als eine einzelne.

Pflanzensterine Wechselwirkungen

Beta-Carotin und fettlösliche Vitamine

hemmt

Pflanzensterine senken den Beta-Carotin-Spiegel im Blut um bis zu 25 Prozent. Eine zusätzliche Portion Gemüse am Tag gleicht das nach Studienlage aus.

Statine

verstärkt

Die Wirkungen ergänzen sich, weil die Angriffspunkte verschieden sind — Statine hemmen die Eigenproduktion, Sterine die Aufnahme. Zusammen sind weitere 7 bis 10 Prozent Senkung möglich.

Ezetimib

hemmt

Beide setzen am selben Transporter im Darm an. Ein zusätzlicher Nutzen ist hier nicht zu erwarten.

Sitosterinämie (Phytosterinämie)

Vorsicht

Bei dieser seltenen Erbkrankheit reichern sich Pflanzensterine im Körper an. Angereicherte Lebensmittel sind dann strikt zu meiden.

Wer auf Pflanzensterine besonders achten sollte

  • Menschen mit leicht bis mäßig erhöhtem LDL-Cholesterin
  • Menschen, die eine Statintherapie ergänzen möchten — in Absprache mit der behandelnden Praxis
  • Nicht für Kinder unter fünf Jahren, Schwangere und Stillende
  • Nicht bei normalem Cholesterinspiegel — der Zusatznutzen fehlt

Pflanzensterine in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Weizenkeimöl 970 mg je 100 g
Maiskeimöl 950 mg je 100 g
Sesamsamen 700 mg je 100 g
Sonnenblumenkerne 530 mg je 100 g
Rapsöl 500 mg je 100 g
Angereicherte Margarine 7.500 mg je 100 g

Häufige Fragen zu Pflanzensterine

01Wann sollte man Pflanzensterine einnehmen?

Zu den Hauptmahlzeiten, auf zwei bis drei Portionen verteilt. Ohne Mahlzeit gibt es kaum etwas zu verdrängen — der Wirkmechanismus setzt Nahrungscholesterin und Gallensäuren im Darm voraus. Verteilte Gaben wirken besser als eine einzelne.

02Wie viel Pflanzensterine am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 1,5–3 g Pflanzensterine oder -stanole am Tag, zu den Mahlzeiten.

03Wie viel Pflanzensterine ist zu viel?

Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei 3 g am Tag. Verordnung (EG) Nr. 608/2004 über die Kennzeichnung phytosterinhaltiger Lebensmittel. Über 3 g hinaus steigt die Wirkung nicht mehr an. Angereicherte Lebensmittel müssen den Hinweis tragen, dass sie für Menschen ohne erhöhten Cholesterinspiegel nicht gedacht sind, und dürfen Kindern unter fünf Jahren sowie Schwangeren und Stillenden nicht empfohlen werden.

04Welche Wechselwirkungen hat Pflanzensterine?

Zu beachten sind Beta-Carotin und fettlösliche Vitamine; Statine; Ezetimib; Sitosterinämie (Phytosterinämie). Beta-Carotin und fettlösliche Vitamine: Pflanzensterine senken den Beta-Carotin-Spiegel im Blut um bis zu 25 Prozent. Eine zusätzliche Portion Gemüse am Tag gleicht das nach Studienlage aus. Statine: Die Wirkungen ergänzen sich, weil die Angriffspunkte verschieden sind — Statine hemmen die Eigenproduktion, Sterine die Aufnahme. Zusammen sind weitere 7 bis 10 Prozent Senkung möglich. Ezetimib: Beide setzen am selben Transporter im Darm an. Ein zusätzlicher Nutzen ist hier nicht zu erwarten.

05Für wen ist Pflanzensterine nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Menschen mit leicht bis mäßig erhöhtem LDL-Cholesterin; Menschen, die eine Statintherapie ergänzen möchten — in Absprache mit der behandelnden Praxis; Nicht für Kinder unter fünf Jahren, Schwangere und Stillende; Nicht bei normalem Cholesterinspiegel — der Zusatznutzen fehlt. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Pflanzensterine?

Gute Quellen sind Weizenkeimöl (970 mg je 100 g), Maiskeimöl (950 mg je 100 g), Sesamsamen (700 mg je 100 g), Sonnenblumenkerne (530 mg je 100 g) und Rapsöl (500 mg je 100 g).

07Welche Form von Pflanzensterine ist am besten?

Gut aufgenommen werden Sterinester in Streichfett, Stanolester und Angereicherter Joghurtdrink. Schlechter verfügbar ist Kapseln mit Sterinpulver. Zu Sterinester in Streichfett: Die am besten untersuchte Anwendungsform. Die Ester lösen sich im Fett der Margarine und gelangen so dorthin, wo sie das Cholesterin verdrängen sollen.

08Womit darf für Pflanzensterine geworben werden?

Zugelassen sind nach der Unionsliste unter anderem: „Pflanzensterine und Pflanzenstanolester tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei“. Bedingung: mindestens 0,8 g Pflanzensterine oder -stanole am Tag. Insgesamt sind 2 Angaben zugelassen.

Belege

  1. 01 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 und Verordnung (EU) Nr. 686/2014 · Europäische Kommission
  2. 02 Verordnung (EG) Nr. 608/2004 über die Etikettierung phytosterinhaltiger Lebensmittel · Europäische Kommission · 2004
  3. 03 Plant sterols and stanols — consensus statement · European Atherosclerosis Society

Siehe auch

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