VIII · Weitere Stoffe
Phenibut
auch: Fenibut · Beta-Phenyl-GABA · Anvifen · Noofen
In Osteuropa ein Arzneimittel, im Westen als Beruhigungs-Supplement verkauft — mit Entzugsverläufen wie bei Benzodiazepinen.
Studienlage
Was über Phenibut gesagt werden darf
Für diesen Stoff ist keine gesundheitsbezogene Angabe in der Unionsliste eingetragen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.
Phenibut ist kein zulässiger Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln. In Deutschland wird es als Arzneistoff ohne Zulassung eingestuft; Handel und Einfuhr sind entsprechend unzulässig. In Australien ist es ein kontrollierter Stoff, in mehreren europäischen Ländern verboten.
Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert
Warum es entwickelt wurde
GABA ist der wichtigste dämpfende Botenstoff des Gehirns. Als Nahrungsergänzungsmittel wird er verkauft, obwohl er die Blut-Hirn-Schranke kaum überwindet — geschluckt kommt praktisch nichts dort an, wo er wirken soll.
In den sechziger Jahren löste eine sowjetische Arbeitsgruppe genau dieses Problem, indem sie einen Phenylring an das Molekül hängte. Das Ergebnis ist fettlöslicher, gelangt ins Gehirn und wirkt dort am GABA-B-Rezeptor — demselben, an dem auch Baclofen ansetzt.
Phenibut wurde Teil der sowjetischen Raumfahrtapotheke, weil es beruhigt, ohne die Leistungsfähigkeit stark einzuschränken. In Russland, Lettland und der Ukraine ist es bis heute ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel gegen Angst und Schlafstörungen.
Wie es in den Supplementmarkt kam
Weil es in Osteuropa als Arzneimittel geführt wird und im Westen lange in keiner Liste stand, erschien Phenibut ab den zweitausender Jahren in westlichen Onlineshops — als Nootropikum, als Entspannungsmittel, als Mittel gegen soziale Ängstlichkeit.
Verkauft wurde es neben Aminosäuren und Vitaminen, im selben Regal und mit derselben Aufmachung. Dass es sich um einen Arzneistoff mit erheblichem Abhängigkeitspotenzial handelt, stand nirgends.
Was in den Fallberichten steht
Die Giftinformationszentralen mehrerer Länder verzeichnen seit Jahren steigende Fallzahlen.
Zwei Muster wiederholen sich. Das eine ist die akute Überdosierung, häufig zusammen mit Alkohol — Bewusstlosigkeit, Atemdepression, Aufnahme auf die Intensivstation.
Das andere ist der Entzug, und er ist der eigentliche Grund für diesen Eintrag. Toleranz entwickelt sich schnell; wer täglich nimmt, braucht binnen Wochen mehr. Setzt er ab, treten Angstzustände, Schlaflosigkeit, Herzrasen, Verwirrtheit, Halluzinationen und Krampfanfälle auf — ein Bild, das dem Benzodiazepin- und Alkoholentzug entspricht und wie diese ärztlich begleitet werden muss.
Beschrieben sind Verläufe über Wochen, teils mit stationärer Behandlung.
Was zu tun ist, wenn man betroffen ist
Nicht abrupt absetzen. Das ist der wichtigste Satz dieses Eintrags.
Ein Ausschleichen über Wochen, ärztlich begleitet, ist der übliche Weg; in schwereren Fällen wird mit Baclofen oder einem Benzodiazepin überbrückt. Hausarzt, Suchtberatungsstellen und die Giftinformationszentralen sind die Anlaufstellen — Letztere beraten rund um die Uhr und anonym.
Der Umstand, dass der Stoff frei im Netz gekauft wurde, ändert an der Behandlung nichts und ist kein Grund, ihn beim Arztgespräch zu verschweigen.
Die Rechtslage
In Deutschland ist Phenibut kein zulässiger Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln und wird als Arzneistoff ohne Zulassung eingestuft. Handel und Einfuhr sind unzulässig.
Australien hat ihn als kontrollierten Stoff eingestuft, mehrere europäische Länder haben ihn verboten, und die amerikanische Behörde hat Verkäufer verwarnt, die ihn als Nahrungsergänzungsmittel deklarierten.
Die Einordnung
Wer Ruhe sucht, findet in dieser Datenbank Stoffe mit kleinen, aber ehrlichen Wirkungen — L-Theanin, Baldrian, Lavendel, Melisse. Keiner von ihnen macht abhängig.
Phenibut wirkt stärker als alle zusammen. Das ist genau der Grund, warum es kein Nahrungsergänzungsmittel ist und in keines gehört.
Phenibut — welche Form ist die beste?
Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.
| Form | Aufnahme | Anmerkung |
|---|---|---|
| Phenibut-Hydrochlorid | hoch | Die verbreitete Form aus dem Onlinehandel, meist als Pulver. In Russland, Lettland und der Ukraine als verschreibungspflichtiges Arzneimittel zugelassen. |
| Phenibut-FAA (freie Aminosäureform) | hoch | Wird als milder beworben. Der Unterschied betrifft den Geschmack und die Anflutung, nicht das Abhängigkeitspotenzial. |
| GABA | niedrig | Der körpereigene Botenstoff, der als Supplement verkauft wird und die Blut-Hirn-Schranke kaum überwindet. Phenibut wurde genau deshalb entwickelt — in dieser Datenbank als eigener Eintrag. |
Phenibut einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?
Empfohlener Zeitpunkt: Keine Empfehlung. Unabhängig von einer Mahlzeit.
Wer Phenibut über längere Zeit genommen hat, sollte nicht abrupt absetzen. Ein Entzug gehört ärztlich begleitet — üblicherweise durch langsames Ausschleichen, bei Bedarf unter Ersatz durch ein Benzodiazepin oder Baclofen. Anlaufstellen sind der Hausarzt, die Suchtberatung und die Giftinformationszentralen.
Phenibut Wechselwirkungen
Alkohol
verstärktBeide dämpfen das Zentralnervensystem. Die Kombination ist der häufigste Umstand in den Notaufnahmeberichten.
Benzodiazepine und Schlafmittel
verstärktErhebliche Verstärkung bis zur Atemdepression.
Baclofen
verstärktWirkt am selben Rezeptor. Wird deshalb im ärztlich begleiteten Entzug eingesetzt — nicht zur gleichzeitigen Einnahme.
Wer auf Phenibut besonders achten sollte
- Für die Selbstanwendung für niemanden geeignet
- Besonders bedenklich bei bestehender Angsterkrankung, weil die Ursache verdeckt und die Abhängigkeit gefördert wird
- Besonders bedenklich bei Suchterkrankungen in der Vorgeschichte
Häufige Fragen zu Phenibut
01Wann sollte man Phenibut einnehmen?
Keine Empfehlung. Auf nüchternen Magen, mit Abstand zu den Mahlzeiten. Wer Phenibut über längere Zeit genommen hat, sollte nicht abrupt absetzen. Ein Entzug gehört ärztlich begleitet — üblicherweise durch langsames Ausschleichen, bei Bedarf unter Ersatz durch ein Benzodiazepin oder Baclofen. Anlaufstellen sind der Hausarzt, die Suchtberatung und die Giftinformationszentralen.
02Wie viel Phenibut am Tag?
Keine — in Deutschland kein zulässiger Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln.
03Wie viel Phenibut ist zu viel?
In Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln nicht zulässig. Einstufung als Arzneistoff; Warnungen der FDA und europäischer Überwachungsbehörden. Der entscheidende Punkt ist nicht die Einzeldosis, sondern die Gewöhnung: Schon nach wenigen Wochen täglicher Einnahme sind Entzugssyndrome mit Angst, Schlaflosigkeit, Herzrasen, Halluzinationen und Krampfanfällen dokumentiert. Ein abruptes Absetzen kann gefährlich sein.
04Welche Wechselwirkungen hat Phenibut?
Zu beachten sind Alkohol; Benzodiazepine und Schlafmittel; Baclofen. Alkohol: Beide dämpfen das Zentralnervensystem. Die Kombination ist der häufigste Umstand in den Notaufnahmeberichten. Benzodiazepine und Schlafmittel: Erhebliche Verstärkung bis zur Atemdepression. Baclofen: Wirkt am selben Rezeptor. Wird deshalb im ärztlich begleiteten Entzug eingesetzt — nicht zur gleichzeitigen Einnahme.
05Für wen ist Phenibut nicht geeignet?
Besondere Vorsicht gilt für: Für die Selbstanwendung für niemanden geeignet; Besonders bedenklich bei bestehender Angsterkrankung, weil die Ursache verdeckt und die Abhängigkeit gefördert wird; Besonders bedenklich bei Suchterkrankungen in der Vorgeschichte. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.
06Welche Form von Phenibut ist am besten?
Gut aufgenommen werden Phenibut-Hydrochlorid und Phenibut-FAA (freie Aminosäureform). Schlechter verfügbar ist GABA. Zu Phenibut-Hydrochlorid: Die verbreitete Form aus dem Onlinehandel, meist als Pulver. In Russland, Lettland und der Ukraine als verschreibungspflichtiges Arzneimittel zugelassen.
07Womit darf für Phenibut geworben werden?
Nichts. Phenibut ist kein zulässiger Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln. In Deutschland wird es als Arzneistoff ohne Zulassung eingestuft; Handel und Einfuhr sind entsprechend unzulässig. In Australien ist es ein kontrollierter Stoff, in mehreren europäischen Ländern verboten.
Belege
- 01 Phenibut — a review of clinical use and withdrawal syndromes · Journal of Psychoactive Drugs
- 02 Phenibut exposures reported to poison centres · Clinical Toxicology
- 03 FDA warns companies for illegally selling phenibut in dietary supplements · US Food and Drug Administration
Siehe auch
Andere Weitere Stoffe
Wirkstoffbereiche
Die Datenbank weiterlesen
Vitamine
Organische Verbindungen, die der Körper nicht oder nicht ausreichend selbst herstellt.
Mineralstoffe
Anorganische Nährstoffe, die der Körper in Mengen über 50 mg am Tag braucht.
Spurenelemente
Mineralstoffe, von denen der Körper täglich weniger als 50 mg benötigt.
Fettsäuren
Bausteine der Nahrungsfette, darunter die essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
Aminosäuren
Bausteine der Eiweiße, teils essenziell, teils vom Körper selbst herstellbar.
Pflanzenstoffe
Extrakte und Einzelstoffe aus Pflanzen. Für sie ist die Claim-Bewertung bis heute ausgesetzt.
Darmflora
Probiotische Kulturen und Ballaststoffe, die auf die Darmbesiedlung wirken.
Weitere Stoffe
Körpereigene Verbindungen und Strukturstoffe, die keiner der übrigen Gruppen zufallen.
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