Ein Rohstoffwechsel, der die Studienlage verändert hat
Die überzeugendsten Studien zu Phosphatidylserin stammen aus den 1980er und frühen 1990er Jahren.
Sie fanden bei älteren Menschen mit Gedächtnisproblemen messbare Verbesserungen — und sie
verwendeten Phosphatidylserin aus Rinderhirn.
Nach der BSE-Krise verschwand dieser Rohstoff vom Markt. Seither wird Phosphatidylserin aus Soja
oder Sonnenblume gewonnen. Das Molekülgerüst ist dasselbe, das angehängte Fettsäuremuster nicht:
Die tierische Form trug überwiegend langkettige Fettsäuren wie DHA, die pflanzliche trägt
Linolsäure.
Die Studien mit der Sojaform fielen deutlich schwächer aus. Ob das am Fettsäuremuster liegt oder
an besserer Methodik der neueren Arbeiten, ist ungeklärt — für Käufer bedeutet es, dass die oft
zitierten Erfolge mit einem Produkt erzielt wurden, das es nicht mehr gibt.
Was die EFSA entschieden hat
Sämtliche Anträge wurden abgelehnt: Gedächtnis, geistige Leistung, Stressbewältigung. In den USA
darf ein eingeschränkter Claim geführt werden, allerdings mit dem vorgeschriebenen Zusatz, dass
die wissenschaftliche Beweislage sehr begrenzt sei.
Diese amerikanische Formulierung ist bemerkenswert ehrlich — und in Europa nicht zulässig.
Die Sportanwendung
Ein zweiter Studienstrang betrifft Cortisol: Nach intensiver Belastung fanden kleine Studien
unter 600 mg Phosphatidylserin täglich einen gedämpften Cortisolanstieg und ein geringeres
subjektives Belastungsempfinden.
Die Teilnehmerzahlen sind einstellig bis niedrig zweistellig, und die verwendete Menge liegt über
dem, was übliche Präparate liefern. Es bleibt eine Hypothese, keine Anwendung.
Woher es natürlicherweise kommt
Phosphatidylserin ist Bestandteil jeder Zellmembran, besonders reichlich in Nervengewebe. Die
klassischen Nahrungsquellen sind Innereien und fetter Fisch — Lebensmittel, die auf europäischen
Tellern selten geworden sind.
Der Körper stellt es allerdings selbst her; ein Mangel ist nicht definiert. Wer die
Membranbausteine unterstützen will, ist mit Fisch, Ei und einer guten Cholinversorgung auf dem
naheliegenderen Weg.