Warum der Umweg der kürzere ist
Wer den Argininspiegel im Blut anheben will, sollte kein Arginin nehmen. Das klingt widersinnig,
folgt aber direkt aus der Verdauungsphysiologie: Ein großer Teil des geschluckten Arginins wird
schon in der Darmwand und in der Leber durch das Enzym Arginase abgebaut, bevor es den Kreislauf
erreicht.
Citrullin entgeht diesem Abbau. Es passiert Darm und Leber unverändert, wird in der Niere zu
Arginin umgewandelt und gelangt so in den Kreislauf. Vergleichsstudien zeigen übereinstimmend:
Eine bestimmte Menge Citrullin hebt den Argininspiegel stärker und länger als dieselbe Menge
Arginin.
Dazu kommt die bessere Verträglichkeit. Arginin ist ab etwa 9 g je Gabe kaum noch zumutbar;
Citrullin wurde in Studien bis 15 g ohne Beschwerden gegeben.
Was die Studien im Sport zeigen
Für Citrullin-Malat gibt es eine Reihe von Untersuchungen, meist mit 6 bis 8 g eine Stunde vor
dem Training. Gefunden wurden mehr Wiederholungen bei mehrsätzigen Übungen und weniger
Muskelkater am Folgetag. Die Effekte sind klein und nicht in allen Arbeiten reproduziert, aber
konsistenter als bei Arginin.
Ob dabei das Citrullin, die Apfelsäure oder beides wirkt, ist offen — Studien mit reinem
Citrullin fallen teilweise schwächer aus.
Bei der Blutdrucksenkung finden sich Effekte in ähnlicher Größenordnung wie bei Arginin:
messbar, klein, kein Ersatz für eine Behandlung.
Der Etikettentrick beim Malat
Citrullin-Malat wird meist im Verhältnis 2:1 angeboten. Von 8 g Pulver sind damit rund 5,3 g
Citrullin und 2,7 g Apfelsäure. Manche Anbieter deklarieren nur die Gesamtmenge, andere nur den
Citrullinanteil.
Wer Preise vergleicht, sollte immer auf die enthaltene Citrullinmenge umrechnen — sonst
vergleicht man 8 g mit 8 g und meint dabei Verschiedenes.
Und die Wassermelone?
Sie ist die namensgebende Quelle — Citrullus lanatus. Der Gehalt liegt bei rund 100 mg je 100 g
Fruchtfleisch und höher in der weißen Schale, die üblicherweise weggeschnitten wird. Für die in
Studien verwendeten Mengen bräuchte es mehrere Kilogramm.
Als Sommerobst bleibt sie trotzdem eine gute Wahl. Nur eben nicht wegen des Citrullins.