Der Rohstoff für drei Botenstoffe und zwei Hormone
Aus Tyrosin baut der Körper Dopamin, daraus Noradrenalin und daraus Adrenalin. In der
Schilddrüse wird Tyrosin mit Jod verknüpft — daraus entstehen T3 und T4. Und in den Melanozyten
wird es zu Melanin, dem Farbstoff von Haut und Haaren.
Wann es doch etwas ändert
Ein Übersichtsartikel von 2015 (Jongkees et al., Journal of Psychiatric Research) kommt zu dem
Ergebnis, dass Tyrosin die kognitive Leistung offenbar verbessert, besonders in kurzen
Belastungsphasen oder bei hoher kognitiver Anforderung — und zwar nur, wenn die
Botenstoffübertragung intakt ist und Dopamin oder Noradrenalin vorübergehend erschöpft sind.
Die EFSA hat die Anträge zu Aufmerksamkeit und Muskelfunktion 2011 abgelehnt: Ein
Ursache-Wirkungs-Zusammenhang war nicht belegt. Von den eingereichten Studien waren nur zwei
verwertbar, beide mit je 20 Teilnehmern, und beide zeigten gegenüber Placebo keine Wirkung auf
die Aufmerksamkeit.
N-Acetyl-Tyrosin — der scheinbare Fortschritt
Weil freies Tyrosin sich schlecht löst, wird in Getränkepulvern gern N-Acetyl-L-Tyrosin
verwendet. Es löst sich besser, wird aber nur zu einem kleinen Teil in Tyrosin umgewandelt; der
Rest verlässt den Körper unverändert über den Urin.
Für die Wirkung ist das ein Nachteil, für die Rezeptur ein Vorteil. Wer die Studienbedingungen
nachbilden will, braucht freies L-Tyrosin.
Die eine Gruppe, für die es Pflicht ist
Bei Phenylketonurie fehlt das Enzym, das Phenylalanin in Tyrosin umwandelt. Betroffene müssen
Phenylalanin streng meiden — und bekommen Tyrosin zugeführt, weil es für sie zur essenziellen
Aminosäure wird. Das ist eine ärztlich gesteuerte Therapie und der Grund, warum auf
aspartamhaltigen Produkten der Hinweis „enthält eine Phenylalaninquelle“ steht.