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IV · Fettsäuren

Linolsäure

auch: Omega-6 · LA · Sonnenblumenöl · Distelöl

Die essenzielle Omega-6-Fettsäure mit zugelassenem Cholesterin-Claim — und dem hartnäckigsten Ernährungsmythos der letzten zwanzig Jahre.

Studienlage

Gut untersucht, überwiegend übereinstimmende Ergebnisse
Zugelassene Angabe

Was über Linolsäure gesagt werden darf

Für diesen Stoff stehen gesundheitsbezogene Angaben in der Unionsliste (VO (EU) 432/2012). Sie dürfen im angegebenen Wortlaut verwendet werden.

  1. 01

    „Linolsäure trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei“

    Bedingung mindestens 1,5 g Linolsäure je 100 g bzw. 100 kcal. Der Hinweis, dass sich die günstige Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 10 g einstellt, ist anzugeben.

Ein zugelassener Claim für eine Omega-6-Fettsäure überrascht viele, die Omega-6 pauschal für entzündungsfördernd halten. Die EFSA hat die cholesterinsenkende Wirkung als hinreichend belegt angesehen.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Der Stoff, den niemand ergänzt und über den trotzdem alle streiten

Linolsäure ist essenziell: Der Körper kann sie nicht selbst bilden und braucht sie für die Hautbarriere, für Zellmembranen und als Ausgangsstoff der Arachidonsäure. Zugleich ist sie die Fettsäure, vor der in Ratgebern am häufigsten gewarnt wird — als angeblicher Motor stiller Entzündungen.

Beides passt schlechter zusammen, als die Debatte vermuten lässt.

Was der zugelassene Claim bedeutet

Die EFSA hat den Cholesterin-Claim zugelassen, weil kontrollierte Studien übereinstimmend zeigen: Wird gesättigtes Fett durch Linolsäure ersetzt, sinkt das LDL-Cholesterin. Vorgesehen sind dafür 10 g am Tag — eine Menge, die mit zwei Esslöffeln Sonnenblumenöl erreicht ist.

Wichtig ist das Wort „ersetzt“. Der Nutzen entsteht durch den Austausch, nicht durch zusätzliches Öl obendrauf.

Das Verhältnis 5 zu 1 und warum es weniger taugt als sein Ruf

Häufig zu lesen ist, das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 solle bei 5 zu 1 liegen, tatsächlich liege es bei 15 zu 1. Der biochemische Kern stimmt: Beide Fettsäurefamilien konkurrieren um dieselben Enzyme, viel Linolsäure bremst die Bildung von EPA aus pflanzlichem Omega-3.

Nur folgt daraus nicht, dass weniger Linolsäure das Ziel sein muss. In großen Beobachtungsstudien geht eine höhere Linolsäurezufuhr eher mit einem geringeren Herz-Kreislauf-Risiko einher, nicht mit einem höheren. Entzündungsmarker steigen in Interventionsstudien mit Linolsäure nicht an. Der wirksamere Hebel ist deshalb, mehr Omega-3 zuzuführen — nicht, Omega-6 zu meiden.

Praktisch heißt das

Rapsöl als Standardöl, Oliven- oder Butterschmalz zum Braten, Lein- oder Walnussöl kalt für Omega-3, gelegentlich fetter Seefisch oder ein Algenölpräparat. Ein Linolsäure-Präparat gibt es im Handel praktisch nicht — und es bräuchte auch niemand.

Linolsäure — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Sonnenblumenöl hoch Rund 60 Prozent Linolsäure. Nicht stark erhitzen — die Doppelbindungen sind hitzeempfindlich.
Distelöl (Saflor) hoch Mit bis zu 75 Prozent der höchste Linolsäuregehalt aller gängigen Speiseöle.
Maiskeim- und Sojaöl hoch 50 bis 55 Prozent Linolsäure, in verarbeiteten Lebensmitteln weit verbreitet.
Rapsöl hoch Nur rund 20 Prozent Linolsäure, dafür ein günstiges Verhältnis zur Alpha-Linolensäure von etwa 2 zu 1. Das Allzwecköl der DGE-Empfehlungen.

Linolsäure einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Über die Ernährung, kalt verwendet. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.

Linolsäure wird über das Nahrungsfett aufgenommen und braucht keine gesonderte Einnahme. Für die Küche gilt: kaltgepresste Öle für Salat, hitzestabile Öle zum Braten.

Linolsäure Wechselwirkungen

Alpha-Linolensäure (Omega-3)

hemmt

Beide Fettsäuren werden von denselben Enzymen weiterverarbeitet. Eine sehr hohe Linolsäurezufuhr bremst deshalb die ohnehin geringe Umwandlung von ALA in EPA.

Vitamin E

verstärkt

Je mehr mehrfach ungesättigte Fettsäuren aufgenommen werden, desto höher der Bedarf an Vitamin E als Oxidationsschutz. Gute Öle liefern beides zusammen.

Wer auf Linolsäure besonders achten sollte

  • Menschen mit sehr fettarmer Ernährung über lange Zeit
  • Menschen mit gestörter Fettverdauung, etwa bei Mukoviszidose oder nach Darmoperationen
  • Frühgeborene und Säuglinge ohne angepasste Nahrung

Mangel an Linolsäure — Symptome und Anzeichen

  • Trockene, schuppige Haut
  • Gestörte Wundheilung
  • Ein echter Mangel ist bei normaler Ernährung praktisch ausgeschlossen

Diese Zeichen sind unspezifisch und können viele andere Ursachen haben. Sie ersetzen keine Diagnose.

Linolsäure in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Distelöl 75 g je 100 g
Sonnenblumenöl 60 g je 100 g
Walnüsse 34 g je 100 g
Sonnenblumenkerne 31 g je 100 g
Rapsöl 20 g je 100 g

Häufige Fragen zu Linolsäure

01Wann sollte man Linolsäure einnehmen?

Über die Ernährung, kalt verwendet. Zu oder direkt nach einer Mahlzeit. Linolsäure wird über das Nahrungsfett aufgenommen und braucht keine gesonderte Einnahme. Für die Küche gilt: kaltgepresste Öle für Salat, hitzestabile Öle zum Braten.

02Wie viel Linolsäure am Tag?

2,5 Prozent der Nahrungsenergie als Linolsäure (DGE) — bei 2.000 kcal rund 5,5 g am Tag. Eine gezielte Ergänzung ist nicht üblich und nicht nötig; die Zufuhr über Speiseöle liegt in Deutschland bei 10–15 g.

03Wie viel Linolsäure ist zu viel?

Keine Obergrenze festgelegt. EFSA; die Bewertung erfolgt über das Fettsäuremuster der Gesamtkost. Für den zugelassenen Cholesterin-Claim sind 10 g Linolsäure am Tag vorgesehen. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren oxidieren leicht — Öle dunkel, kühl und nicht zu lange lagern.

04Welche Wechselwirkungen hat Linolsäure?

Zu beachten sind Alpha-Linolensäure (Omega-3) und Vitamin E. Alpha-Linolensäure (Omega-3): Beide Fettsäuren werden von denselben Enzymen weiterverarbeitet. Eine sehr hohe Linolsäurezufuhr bremst deshalb die ohnehin geringe Umwandlung von ALA in EPA. Vitamin E: Je mehr mehrfach ungesättigte Fettsäuren aufgenommen werden, desto höher der Bedarf an Vitamin E als Oxidationsschutz. Gute Öle liefern beides zusammen.

05Für wen ist Linolsäure nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Menschen mit sehr fettarmer Ernährung über lange Zeit; Menschen mit gestörter Fettverdauung, etwa bei Mukoviszidose oder nach Darmoperationen; Frühgeborene und Säuglinge ohne angepasste Nahrung. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06Woran erkennt man einen Linolsäure-Mangel?

Mögliche Anzeichen sind Trockene, schuppige Haut, Gestörte Wundheilung und Ein echter Mangel ist bei normaler Ernährung praktisch ausgeschlossen. Keines davon ist für sich beweisend — Sicherheit gibt erst die Messung im Blut.

07In welchen Lebensmitteln steckt Linolsäure?

Gute Quellen sind Distelöl (75 g je 100 g), Sonnenblumenöl (60 g je 100 g), Walnüsse (34 g je 100 g), Sonnenblumenkerne (31 g je 100 g) und Rapsöl (20 g je 100 g).

08Welche Form von Linolsäure ist am besten?

Gut aufgenommen werden Sonnenblumenöl, Distelöl (Saflor), Maiskeim- und Sojaöl und Rapsöl. Zu Sonnenblumenöl: Rund 60 Prozent Linolsäure. Nicht stark erhitzen — die Doppelbindungen sind hitzeempfindlich.

09Womit darf für Linolsäure geworben werden?

Zugelassen sind nach der Unionsliste unter anderem: „Linolsäure trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei“. Bedingung: mindestens 1,5 g Linolsäure je 100 g bzw. 100 kcal. Der Hinweis, dass sich die günstige Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 10 g einstellt, ist anzugeben.

Belege

  1. 01 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Unionsliste zulässiger Angaben · Europäische Kommission · 2012
  2. 02 Dietary Reference Values for fats · European Food Safety Authority · 2010
  3. 03 Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr — Fett und Fettsäuren · Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Siehe auch

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