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IV · Fettsäuren

Konjugierte Linolsäure

auch: CLA · Conjugated Linoleic Acid · Tonalin · c9t11 · t10c12

Der Fettabbau-Klassiker aus dem Sportregal — von der EFSA geprüft, abgelehnt und mit ausdrücklicher Warnung zur Leber versehen.

Studienlage

Erste Studien am Menschen, uneinheitliche Ergebnisse
Angabe abgelehnt

Was über Konjugierte Linolsäure gesagt werden darf

Beantragte gesundheitsbezogene Angaben wurden von der EFSA geprüft und nicht zugelassen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.

Die EFSA hat mehrere Anträge zu CLA geprüft — Verringerung der Körperfettmasse, Erhalt der Muskelmasse, Unterstützung der Gewichtsabnahme — und alle abgelehnt. Ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang gilt als nicht belegt. Werbung mit Fettabbau ist damit nicht nur ungedeckt, sondern ausdrücklich zurückgewiesen.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Ein Lehrstück über abgelehnte Angaben

CLA ist das Beispiel, an dem sich der Unterschied zwischen „nicht bewertet“ und „geprüft und zurückgewiesen“ am besten zeigt. Pflanzliche Stoffe wie Ashwagandha oder Ginkgo warten seit 2010 auf eine Bewertung. CLA hat sie bekommen — und ist durchgefallen. Die EFSA sah in keinem der eingereichten Dossiers einen belegten Zusammenhang zwischen der Einnahme und einer Verringerung der Körperfettmasse.

Trotzdem steht CLA bis heute in fast jedem Sortiment für Sportnahrung, meist mit Formulierungen, die eine Wirkung andeuten, ohne sie auszusprechen. Rechtlich ist auch das riskant: Nach Artikel 10 der Health-Claims-Verordnung sind Anspielungen ebenso erfasst wie ausdrückliche Aussagen.

Was die Studien tatsächlich zeigen

Der Ausgangspunkt waren Tierversuche: Mäuse verloren unter CLA deutlich an Fettmasse. Beim Menschen fällt das Ergebnis weit kleiner aus. Metaanalysen finden über drei bis sechs Monate Unterschiede in der Größenordnung von wenigen hundert Gramm Fettmasse gegenüber Placebo — eine Zahl, die im Alltag keine Rolle spielt und in Studien mit besserer Methodik weiter schrumpft.

Dem steht ein ungünstiges Nebenwirkungsprofil gegenüber. Mehrere Untersuchungen fanden unter dem t10c12-Isomer eine verschlechterte Insulinempfindlichkeit, gesunkenes HDL-Cholesterin und erhöhte Entzündungsmarker. Bei übergewichtigen Männern mit metabolischem Syndrom — also der Zielgruppe der Werbung — waren diese Effekte am deutlichsten.

Natürliches CLA aus Milch ist eine andere Sache

In Butter, Käse und Rindfleisch kommt CLA natürlich vor, überwiegend als c9t11-Isomer. Für dieses Isomer gibt es keine der beschriebenen ungünstigen Beobachtungen. Wer Weidebutter isst, nimmt CLA auf, ohne sich mit den Fragen der Präparate zu befassen.

Der Unterschied zwischen dem natürlich vorkommenden Isomer und dem industriell erzeugten Gemisch ist der Kern der Sache — und er verschwindet, sobald beides unter demselben Kürzel beworben wird.

Konjugierte Linolsäure — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Isomerengemisch c9t11 und t10c12 (1:1) hoch Die Handelsware aus Distelöl, meist unter Markennamen wie Tonalin. Beide Isomere zu gleichen Teilen.
t10c12-Isomer hoch Das Isomer, dem die Wirkung auf die Fettzelle zugeschrieben wird — und zugleich das, dem die ungünstigen Wirkungen auf Insulinempfindlichkeit und Leber angelastet werden.
c9t11-Isomer (Rumensäure) hoch Das in Milch und Rindfleisch natürlich vorkommende Isomer. Gilt als unproblematisch, ist aber für den beworbenen Zweck das wirkungslosere.

Konjugierte Linolsäure einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Zu den Mahlzeiten. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.

Auf nüchternen Magen häufig Übelkeit, Durchfall und Aufstoßen. Diese Beschwerden sind der häufigste Abbruchgrund in Studien.

Konjugierte Linolsäure Wechselwirkungen

Insulin und blutzuckersenkende Medikamente

Vorsicht

Das t10c12-Isomer verschlechterte in mehreren Studien die Insulinempfindlichkeit. Bei Typ-2-Diabetes oder Insulinresistenz spricht das gegen die Einnahme.

Lebererkrankungen

Vorsicht

Fallberichte über Leberentzündungen und erhöhte Transaminasen liegen vor. Bei bekannten Leberproblemen ist davon abzuraten.

Blutfettsenker

Vorsicht

CLA senkte in Studien das HDL-Cholesterin und erhöhte Lipoprotein(a) — eine Richtung, die einer Blutfetttherapie zuwiderläuft.

Wer auf Konjugierte Linolsäure besonders achten sollte

  • Menschen mit Typ-2-Diabetes oder metabolischem Syndrom
  • Menschen mit Fettleber oder erhöhten Leberwerten
  • Schwangere und Stillende, für die keine Sicherheitsdaten vorliegen

Konjugierte Linolsäure in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Butter von Weidekühen 400–1.000 mg je 100 g
Rind- und Lammfleisch 300–500 mg je 100 g
Vollmilch 50 mg je 100 g
Hartkäse 300–600 mg je 100 g

Häufige Fragen zu Konjugierte Linolsäure

01Wann sollte man Konjugierte Linolsäure einnehmen?

Zu den Mahlzeiten. Auf nüchternen Magen häufig Übelkeit, Durchfall und Aufstoßen. Diese Beschwerden sind der häufigste Abbruchgrund in Studien.

02Wie viel Konjugierte Linolsäure am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 3.000–4.000 mg am Tag in Präparaten, meist auf drei Gaben verteilt.

03Wie viel Konjugierte Linolsäure ist zu viel?

Keine Obergrenze festgelegt; die EFSA sieht 3 g am Tag über sechs Monate als tolerierbar an. EFSA-Bewertung des Novel-Food-Antrags. Für eine Anwendung über sechs Monate hinaus fehlen Sicherheitsdaten. Berichtet wurden erhöhte Leberwerte, ungünstige Blutfettverschiebungen und eine verschlechterte Insulinempfindlichkeit.

04Welche Wechselwirkungen hat Konjugierte Linolsäure?

Zu beachten sind Insulin und blutzuckersenkende Medikamente; Lebererkrankungen; Blutfettsenker. Insulin und blutzuckersenkende Medikamente: Das t10c12-Isomer verschlechterte in mehreren Studien die Insulinempfindlichkeit. Bei Typ-2-Diabetes oder Insulinresistenz spricht das gegen die Einnahme. Lebererkrankungen: Fallberichte über Leberentzündungen und erhöhte Transaminasen liegen vor. Bei bekannten Leberproblemen ist davon abzuraten. Blutfettsenker: CLA senkte in Studien das HDL-Cholesterin und erhöhte Lipoprotein(a) — eine Richtung, die einer Blutfetttherapie zuwiderläuft.

05Für wen ist Konjugierte Linolsäure nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Menschen mit Typ-2-Diabetes oder metabolischem Syndrom; Menschen mit Fettleber oder erhöhten Leberwerten; Schwangere und Stillende, für die keine Sicherheitsdaten vorliegen. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Konjugierte Linolsäure?

Gute Quellen sind Butter von Weidekühen (400–1.000 mg je 100 g), Rind- und Lammfleisch (300–500 mg je 100 g), Vollmilch (50 mg je 100 g) und Hartkäse (300–600 mg je 100 g).

07Welche Form von Konjugierte Linolsäure ist am besten?

Gut aufgenommen werden Isomerengemisch c9t11 und t10c12 (1:1), t10c12-Isomer und c9t11-Isomer (Rumensäure). Zu Isomerengemisch c9t11 und t10c12 (1:1): Die Handelsware aus Distelöl, meist unter Markennamen wie Tonalin. Beide Isomere zu gleichen Teilen.

08Womit darf für Konjugierte Linolsäure geworben werden?

Nichts. Die EFSA hat mehrere Anträge zu CLA geprüft — Verringerung der Körperfettmasse, Erhalt der Muskelmasse, Unterstützung der Gewichtsabnahme — und alle abgelehnt. Ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang gilt als nicht belegt. Werbung mit Fettabbau ist damit nicht nur ungedeckt, sondern ausdrücklich zurückgewiesen.

Belege

  1. 01 Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to conjugated linoleic acid · European Food Safety Authority · 2010
  2. 02 Safety of conjugated linoleic acid as a Novel Food ingredient · European Food Safety Authority · 2010
  3. 03 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 und Ablehnungsverordnungen · Europäische Kommission

Siehe auch

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