Warum diese Fette anders laufen
Langkettige Fette brauchen Gallensäuren, um im Darm emulgiert zu werden, wandern als Chylomikronen
durch die Lymphe und erreichen den Kreislauf über den Brustgang — ein Weg von Stunden.
Mittelkettige Fettsäuren mit acht bis zehn Kohlenstoffatomen sind kurz genug, um ohne
Gallensäuren aufgenommen zu werden. Sie gehen direkt über die Pfortader zur Leber und werden dort
rasch verbrannt oder in Ketonkörper umgewandelt. Innerhalb einer halben Stunde ist der Effekt
messbar.
Aus dieser Abkürzung folgt die medizinische Anwendung — und der gesamte Rest der Vermarktung.
Der medizinische Kern
In der klinischen Ernährung sind MCT seit Jahrzehnten etabliert: bei Mukoviszidose, bei
Kurzdarmsyndrom, nach Bauchspeicheldrüsenoperationen, bei Gallensäureverlustsyndrom — überall
dort, wo normale Fette nicht verdaut werden können. Auch in der ketogenen Diät bei
therapieschwerer Epilepsie haben sie einen festen Platz, weil sie mehr Ketone je Gramm liefern
als andere Fette und dadurch mehr Spielraum bei den übrigen Lebensmitteln lassen.
Diese Anwendungen sind unstrittig. Sie betreffen aber Menschen mit einer Erkrankung, nicht den
Käufer eines Keto-Kaffees.
Was die EFSA geprüft hat
Die Anträge zu Gewichtsmanagement und Sättigung wurden abgelehnt. Es gibt kleine Studien, in
denen der Austausch langkettiger gegen mittelkettige Fette über Wochen zu einem geringfügig
niedrigeren Körpergewicht führte — die Effekte sind klein, die Studien kurz und die
Teilnehmerzahlen niedrig.
Wichtig ist die Rechnung dahinter: MCT liefern rund 8,3 kcal je Gramm. Wer sie zusätzlich zur
bisherigen Kost verwendet, nimmt Kalorien auf. Ein Nutzen entsteht allenfalls durch den Austausch,
nicht durch das Hinzufügen.
Kokosöl ist kein MCT-Öl
Der hartnäckigste Irrtum in diesem Bereich. Kokosöl besteht zur Hälfte aus Laurinsäure mit zwölf
Kohlenstoffatomen. Chemisch zählt sie zu den mittelkettigen Fettsäuren, im Stoffwechsel verhält
sie sich aber weitgehend wie ein langkettiges Fett — sie nimmt den Umweg über die Lymphe.
Echte MCT im Sinne der schnellen Verstoffwechselung machen in Kokosöl nur etwa fünfzehn Prozent
aus. Wer die beschriebenen Effekte will, braucht ein fraktioniertes MCT-Öl. Und wer Kokosöl wegen
seines Geschmacks verwendet, sollte im Blick behalten, dass es zu über achtzig Prozent aus
gesättigten Fetten besteht — die Fachgesellschaften raten deshalb zur Zurückhaltung.