VI · Pflanzenstoffe
Garcinia cambogia
auch: Garcinia gummi-gutta · Malabar-Tamarinde · HCA · Hydroxyzitronensäure
Der Abnehmklassiker aus dem Fernsehen — mit einem Kilogramm Wirkung in Metaanalysen und Fallberichten über akutes Leberversagen.
Studienlage
Was über Garcinia cambogia gesagt werden darf
Beantragte gesundheitsbezogene Angaben wurden von der EFSA geprüft und nicht zugelassen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.
Anträge zur Gewichtsabnahme und zur Fettverbrennung wurden geprüft und abgelehnt. Werbung damit ist ausdrücklich zurückgewiesen — sie ist trotzdem der einzige Grund, aus dem das Produkt gekauft wird.
Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert
Ein Kilogramm — und das Risiko dazu
Garcinia cambogia gehört zu den meistbeworbenen Abnehmmitteln überhaupt, getragen von Fernsehauftritten und Werbeversprechen über blockierte Fettbildung.
Der Wirkgedanke: Hydroxyzitronensäure hemmt das Enzym ATP-Citrat-Lyase, über das der Körper aus Kohlenhydraten Fett aufbaut. Im Reagenzglas funktioniert das.
Am Menschen ist die Bilanz mager. Eine Metaanalyse fand über mehrere Wochen einen Unterschied von etwa neunhundert Gramm gegenüber Placebo, bei erheblichen methodischen Mängeln der Einzelstudien. Die EFSA hat die Anträge zur Gewichtsabnahme abgelehnt.
Der Grund, warum dieser Eintrag eine Warnung ist
Diesem sehr kleinen Nutzen stehen dokumentierte Leberschäden gegenüber. Die Fachliteratur verzeichnet Fälle von akuter Leberentzündung bis zum Leberversagen mit Transplantationsbedarf, teils bei jungen, zuvor gesunden Menschen.
2009 rief der Hersteller des Präparats Hydroxycut, das Garcinia enthielt, sämtliche Produkte zurück, nachdem die US-Behörde vor Leberschäden gewarnt hatte — darunter ein Todesfall.
Der ursächliche Zusammenhang ist nicht in jedem Fall zu sichern, weil viele Betroffene Kombinationspräparate eingenommen hatten. Genau das ist Teil des Problems: In Abnehmmischungen stecken oft fünf bis zehn Zutaten, und im Schadensfall lässt sich keine davon zuordnen.
Die Rechnung, die niemand aufmacht
Ein Kilogramm über zwölf Wochen entspricht rechnerisch einem Defizit von rund achtzig Kilokalorien am Tag — einer halben Scheibe Brot.
Dafür ein Präparat mit dokumentiertem Leberrisiko einzunehmen, ist eine Abwägung, die sich schwer begründen lässt. Wer Gewicht verlieren will, findet in dieser Datenbank mit Glucomannan das einzige Mittel mit zugelassener Angabe — und auch dort steht die kalorienreduzierte Ernährung im Wortlaut des Claims.
Als Lebensmittel unproblematisch
Die Frucht selbst wird in Südindien und Sri Lanka seit jeher zum Säuern von Currys verwendet. Schäden sind aus dieser Verwendung nicht bekannt.
Der Unterschied liegt in der Konzentration und der Dauer: ein Gewürz gelegentlich im Essen gegen ein hochkonzentriertes Extrakt täglich über Monate. Es ist derselbe Unterschied, der sich durch viele Einträge dieser Datenbank zieht.
Garcinia cambogia — welche Form ist die beste?
Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.
| Form | Aufnahme | Anmerkung |
|---|---|---|
| Standardisierter Fruchtschalenextrakt | mittel | Auf 50 bis 60 Prozent Hydroxyzitronensäure standardisiert. Die in Studien verwendete Form. |
| Kombinationspräparate | unklar | Garcinia steckt in zahlreichen Abnehmmischungen mit Grüntee-Extrakt, Koffein und weiteren Stoffen. Bei Leberschäden ist dann meist nicht zu klären, welcher Bestandteil verantwortlich war. |
| Frucht als Lebensmittel | hoch | In Südindien und Südostasien als Sauermacher in Currys gebräuchlich. In dieser Verwendung sind keine Schäden bekannt. |
Garcinia cambogia einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?
Empfohlener Zeitpunkt: In Anleitungen 30 bis 60 Minuten vor den Mahlzeiten. Unabhängig von einer Mahlzeit.
Wer das Präparat dennoch einnimmt, sollte auf Zeichen einer Leberschädigung achten — Gelbfärbung, dunkler Urin, heller Stuhl, anhaltende Müdigkeit — und bei Verdacht sofort absetzen.
Garcinia cambogia Wechselwirkungen
Antidepressiva (SSRI)
verstärktFür Garcinia wird eine serotonerge Wirkung diskutiert. Fallberichte über ein Serotoninsyndrom in Kombination mit SSRI liegen vor.
Lebertoxische Medikamente
verstärktDie Belastung addiert sich. Bei bestehender Lebererkrankung ist die Anwendung ausgeschlossen.
Blutzuckersenkende Medikamente
verstärktEine leichte Blutzuckersenkung ist beschrieben.
Wer auf Garcinia cambogia besonders achten sollte
- Für niemanden ist ein nennenswerter Nutzen belegt
- Nicht geeignet bei Lebererkrankungen
- Nicht geeignet unter antidepressiver Therapie
- Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit
Garcinia cambogia in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt
Häufige Fragen zu Garcinia cambogia
01Wann sollte man Garcinia cambogia einnehmen?
In Anleitungen 30 bis 60 Minuten vor den Mahlzeiten. Wer das Präparat dennoch einnimmt, sollte auf Zeichen einer Leberschädigung achten — Gelbfärbung, dunkler Urin, heller Stuhl, anhaltende Müdigkeit — und bei Verdacht sofort absetzen.
02Wie viel Garcinia cambogia am Tag?
In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 1.500–3.000 mg Extrakt am Tag, entsprechend 900–1.500 mg Hydroxyzitronensäure.
03Wie viel Garcinia cambogia ist zu viel?
Keine Obergrenze festgelegt; von der Anwendung ist wegen des Leberrisikos abzuraten. Fallberichte in der internationalen Literatur und die Datenbank LiverTox der US-amerikanischen Gesundheitsbehörden. Beschrieben sind Leberentzündungen bis zum akuten Leberversagen mit Transplantationsbedarf. Ein ursächlicher Zusammenhang ist in Einzelfällen gut dokumentiert, insbesondere bei Kombinationspräparaten.
04Welche Wechselwirkungen hat Garcinia cambogia?
Zu beachten sind Antidepressiva (SSRI), Lebertoxische Medikamente und Blutzuckersenkende Medikamente. Antidepressiva (SSRI): Für Garcinia wird eine serotonerge Wirkung diskutiert. Fallberichte über ein Serotoninsyndrom in Kombination mit SSRI liegen vor. Lebertoxische Medikamente: Die Belastung addiert sich. Bei bestehender Lebererkrankung ist die Anwendung ausgeschlossen. Blutzuckersenkende Medikamente: Eine leichte Blutzuckersenkung ist beschrieben.
05Für wen ist Garcinia cambogia nicht geeignet?
Besondere Vorsicht gilt für: Für niemanden ist ein nennenswerter Nutzen belegt; Nicht geeignet bei Lebererkrankungen; Nicht geeignet unter antidepressiver Therapie; Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.
06In welchen Lebensmitteln steckt Garcinia cambogia?
Gute Quellen sind Garcinia-Frucht (in der südindischen Küche als Säuerungsmittel, etwa in Fischcurrys).
07Welche Form von Garcinia cambogia ist am besten?
Gut aufgenommen wird Frucht als Lebensmittel. Zu Frucht als Lebensmittel: In Südindien und Südostasien als Sauermacher in Currys gebräuchlich. In dieser Verwendung sind keine Schäden bekannt.
08Womit darf für Garcinia cambogia geworben werden?
Nichts. Anträge zur Gewichtsabnahme und zur Fettverbrennung wurden geprüft und abgelehnt. Werbung damit ist ausdrücklich zurückgewiesen — sie ist trotzdem der einzige Grund, aus dem das Produkt gekauft wird.
Belege
- 01 Garcinia cambogia (hydroxycitric acid) as a potential antiobesity agent — meta-analysis · Journal of Obesity
- 02 Garcinia cambogia — LiverTox clinical and research information on drug-induced liver injury · National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases
- 03 Verordnung (EU) Nr. 432/2012 und Ablehnungsverordnungen · Europäische Kommission
Siehe auch
Andere Pflanzenstoffe
Wirkstoffbereiche
Die Datenbank weiterlesen
Vitamine
Organische Verbindungen, die der Körper nicht oder nicht ausreichend selbst herstellt.
Mineralstoffe
Anorganische Nährstoffe, die der Körper in Mengen über 50 mg am Tag braucht.
Spurenelemente
Mineralstoffe, von denen der Körper täglich weniger als 50 mg benötigt.
Fettsäuren
Bausteine der Nahrungsfette, darunter die essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
Aminosäuren
Bausteine der Eiweiße, teils essenziell, teils vom Körper selbst herstellbar.
Pflanzenstoffe
Extrakte und Einzelstoffe aus Pflanzen. Für sie ist die Claim-Bewertung bis heute ausgesetzt.
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Darmflora
Probiotische Kulturen und Ballaststoffe, die auf die Darmbesiedlung wirken.
Weitere Stoffe
Körpereigene Verbindungen und Strukturstoffe, die keiner der übrigen Gruppen zufallen.