VI · Pflanzenstoffe
Rotschimmelreis
auch: Monascus purpureus · Roter Reis · Monakolin K · Red Yeast Rice · Angkak
Ein Nahrungsergänzungsmittel, das denselben Wirkstoff enthält wie ein Cholesterinsenker — mit dem Ergebnis, dass die EU seine Menge 2022 drastisch begrenzt hat.
Studienlage
Was über Rotschimmelreis gesagt werden darf
Beantragte gesundheitsbezogene Angaben wurden von der EFSA geprüft und nicht zugelassen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.
Bis 2022 war die Angabe „Monakolin K aus fermentiertem rotem Reis trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels bei“ mit 10 mg täglich zugelassen. Die EFSA konnte 2018 keine Zufuhrmenge benennen, die für alle Verbraucher unbedenklich ist — Nebenwirkungen traten bereits ab 3 mg auf. Die Kommission hat die zulässige Menge daraufhin auf unter 3 mg begrenzt, womit die Angabe praktisch nicht mehr verwendbar ist.
Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert
Ein Statin ohne Rezept
Monakolin K, der Wirkstoff des Rotschimmelreises, ist chemisch identisch mit Lovastatin — einem verschreibungspflichtigen Cholesterinsenker. Nicht ähnlich, nicht verwandt: dasselbe Molekül.
Damit steht Rotschimmelreis für ein grundsätzliches Problem des Nahrungsergänzungsmarkts. Ein Erzeugnis kann pharmakologisch wirksam sein, ohne die Prüfungen, die Beipackzettel und die ärztliche Begleitung eines Arzneimittels zu durchlaufen — allein weil der Wirkstoff aus einem fermentierten Lebensmittel stammt.
Es wirkt tatsächlich: Studien zeigen LDL-Senkungen von zwanzig bis dreißig Prozent, vergleichbar mit einer niedrig dosierten Statintherapie. Und es verursacht dieselben Nebenwirkungen — Muskelschmerzen, erhöhte Leberwerte, in seltenen Fällen schwere Muskelschäden.
Was die EU 2022 entschieden hat
Die EFSA prüfte 2018 die Sicherheit und kam zu einem für die Behörde ungewöhnlich klaren Schluss: Es lässt sich keine Zufuhrmenge benennen, die für alle Verbrauchergruppen unbedenklich ist. Nebenwirkungsmeldungen lagen bereits ab 3 mg täglich vor — also weit unter den 10 mg, für die der Health Claim galt.
Die Kommission hat daraufhin mit der Verordnung 2022/860 die zulässige Menge auf unter 3 mg je Tagesportion begrenzt und eine Reihe von Pflichtwarnhinweisen eingeführt. Der frühere Cholesterin-Claim, der 10 mg voraussetzte, ist damit praktisch nicht mehr verwendbar.
Ein bemerkenswerter Vorgang: Ein Stoff wurde nicht verboten, aber so weit begrenzt, dass die beworbene Wirkung mit der zulässigen Menge nicht mehr zu erreichen ist.
Der zweite Grund zur Vorsicht: Citrinin
Der Schimmelpilz Monascus purpureus kann bei ungünstiger Fermentation Citrinin bilden — ein nierenschädigendes Mykotoxin. Für Rotschimmelreis-Erzeugnisse gilt deshalb ein Höchstgehalt, und Untersuchungen von Handelsware haben wiederholt Überschreitungen gefunden.
Dazu kommt die Schwankung des Monakolingehalts selbst: Analysen fanden Produkte mit fast keinem Wirkstoff neben solchen mit arzneilich relevanten Mengen. Bei einer Substanz mit Statin-Nebenwirkungsprofil ist das eine unangenehme Unsicherheit.
Die ehrlichere Alternative
Wer erhöhte Cholesterinwerte hat, steht vor einer Entscheidung, die in ein ärztliches Gespräch gehört. Wird ein Statin gebraucht, ist das verschreibungspflichtige Präparat die bessere Wahl: definierte Dosis, Leberwertkontrolle, bekannte Wechselwirkungen, Erstattung.
Wer ohne Medikament arbeiten möchte, findet in dieser Datenbank Stoffe mit zugelassenen Angaben und ohne Statin-Risiken — Hafer-Beta-Glucan, Pflanzensterine, Flohsamen, Pektin. Ihre Wirkung ist kleiner, aber sie ist geprüft und gedeckt.
Rotschimmelreis — welche Form ist die beste?
Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.
| Form | Aufnahme | Anmerkung |
|---|---|---|
| Rotschimmelreis-Extrakt | hoch | Der Monakolingehalt schwankte in Untersuchungen von Handelsware erheblich — von nahezu null bis zu Mengen, die einer niedrig dosierten Statintherapie entsprachen. |
| Fermentierter roter Reis als Lebensmittel | mittel | In China und Japan traditionell zum Färben und Würzen von Reisgerichten, Tofu und Wurst verwendet. In diesen Mengen ohne arzneiliche Wirkung. |
| Lovastatin | hoch | Der verschreibungspflichtige Arzneistoff — chemisch dasselbe Molekül wie Monakolin K. Der Unterschied liegt allein im Zulassungsweg, nicht im Wirkstoff. |
Rotschimmelreis einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?
Empfohlener Zeitpunkt: Abends. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.
Die körpereigene Cholesterinbildung läuft nachts am stärksten — deshalb werden Statine abends eingenommen, und für Monakolin gilt dasselbe. Wer diese Frage stellt, sollte allerdings ohnehin über eine ärztlich geführte Therapie nachdenken.
Rotschimmelreis Wechselwirkungen
Statine
verstärktDieselbe Wirkstoffklasse. Die Kombination bedeutet eine unkontrollierte Dosiserhöhung mit entsprechendem Risiko für Muskelschäden.
Grapefruitsaft und CYP3A4-Hemmer
verstärktMonakolin K wird über CYP3A4 abgebaut. Grapefruit, manche Antibiotika und Antimykotika heben die Spiegel deutlich an — ein Grund für den vorgeschriebenen Warnhinweis.
Fibrate
verstärktErhöhtes Risiko für Muskelschäden bis hin zur Rhabdomyolyse.
Coenzym Q10
hemmtWie Statine hemmt Monakolin K auch die körpereigene Q10-Bildung — der Grund, warum beide oft gemeinsam angeboten werden.
Wer auf Rotschimmelreis besonders achten sollte
- Nicht für Kinder, Jugendliche und Erwachsene über 70
- Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit
- Nicht bei bestehender Statintherapie oder Lebererkrankung
- Bei Muskelschmerzen sofort absetzen und ärztlichen Rat einholen
Rotschimmelreis in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt
Häufige Fragen zu Rotschimmelreis
01Wann sollte man Rotschimmelreis einnehmen?
Abends. Zu oder direkt nach einer Mahlzeit. Die körpereigene Cholesterinbildung läuft nachts am stärksten — deshalb werden Statine abends eingenommen, und für Monakolin gilt dasselbe. Wer diese Frage stellt, sollte allerdings ohnehin über eine ärztlich geführte Therapie nachdenken.
02Wie viel Rotschimmelreis am Tag?
Seit 2022 dürfen Erzeugnisse in der EU weniger als 3 mg Monakolin K je Tagesportion enthalten.
03Wie viel Rotschimmelreis ist zu viel?
Unter 3 mg Monakolin K je Tagesportion. Verordnung (EU) 2022/860 zur Änderung von Anhang III der Verordnung (EG) Nr. 1925/2006. Vorgeschriebene Warnhinweise auf der Packung — nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, nicht für Erwachsene über 70, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit, nicht bei bestehender Cholesterintherapie und nicht zusammen mit Grapefruitsaft. Bei Muskelschmerzen ist ärztlicher Rat einzuholen.
04Welche Wechselwirkungen hat Rotschimmelreis?
Zu beachten sind Statine; Grapefruitsaft und CYP3A4-Hemmer; Fibrate; Coenzym Q10. Statine: Dieselbe Wirkstoffklasse. Die Kombination bedeutet eine unkontrollierte Dosiserhöhung mit entsprechendem Risiko für Muskelschäden. Grapefruitsaft und CYP3A4-Hemmer: Monakolin K wird über CYP3A4 abgebaut. Grapefruit, manche Antibiotika und Antimykotika heben die Spiegel deutlich an — ein Grund für den vorgeschriebenen Warnhinweis. Fibrate: Erhöhtes Risiko für Muskelschäden bis hin zur Rhabdomyolyse.
05Für wen ist Rotschimmelreis nicht geeignet?
Besondere Vorsicht gilt für: Nicht für Kinder, Jugendliche und Erwachsene über 70; Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit; Nicht bei bestehender Statintherapie oder Lebererkrankung; Bei Muskelschmerzen sofort absetzen und ärztlichen Rat einholen. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.
06In welchen Lebensmitteln steckt Rotschimmelreis?
Gute Quellen sind Fermentierter roter Reis (als Färbe- und Würzmittel in der ostasiatischen Küche, in Speisemengen unbedenklich).
07Welche Form von Rotschimmelreis ist am besten?
Gut aufgenommen werden Rotschimmelreis-Extrakt und Lovastatin. Zu Rotschimmelreis-Extrakt: Der Monakolingehalt schwankte in Untersuchungen von Handelsware erheblich — von nahezu null bis zu Mengen, die einer niedrig dosierten Statintherapie entsprachen.
08Womit darf für Rotschimmelreis geworben werden?
Nichts. Bis 2022 war die Angabe „Monakolin K aus fermentiertem rotem Reis trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels bei“ mit 10 mg täglich zugelassen. Die EFSA konnte 2018 keine Zufuhrmenge benennen, die für alle Verbraucher unbedenklich ist — Nebenwirkungen traten bereits ab 3 mg auf. Die Kommission hat die zulässige Menge daraufhin auf unter 3 mg begrenzt, womit die Angabe praktisch nicht mehr verwendbar ist.
Belege
- 01 Verordnung (EU) 2022/860 über Monakoline aus rotem Reis · Europäische Kommission · 2022
- 02 Scientific opinion on the safety of monacolins in red yeast rice · European Food Safety Authority · 2018
- 03 Red yeast rice for hypercholesterolaemia — systematic review · European Journal of Preventive Cardiology
Siehe auch
Andere Pflanzenstoffe
Wirkstoffbereiche
Die Datenbank weiterlesen
Vitamine
Organische Verbindungen, die der Körper nicht oder nicht ausreichend selbst herstellt.
Mineralstoffe
Anorganische Nährstoffe, die der Körper in Mengen über 50 mg am Tag braucht.
Spurenelemente
Mineralstoffe, von denen der Körper täglich weniger als 50 mg benötigt.
Fettsäuren
Bausteine der Nahrungsfette, darunter die essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
Aminosäuren
Bausteine der Eiweiße, teils essenziell, teils vom Körper selbst herstellbar.
Pflanzenstoffe
Extrakte und Einzelstoffe aus Pflanzen. Für sie ist die Claim-Bewertung bis heute ausgesetzt.
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Darmflora
Probiotische Kulturen und Ballaststoffe, die auf die Darmbesiedlung wirken.
Weitere Stoffe
Körpereigene Verbindungen und Strukturstoffe, die keiner der übrigen Gruppen zufallen.