Schafgarbe Wirkung — zwei Wirkprinzipien in einer Pflanze
Die Schafgarbe verbindet, was sonst auf zwei Drogen verteilt ist: Sie enthält Bitterstoffe wie
Enzian und Löwenzahn und zugleich ätherisches Öl mit Azulenen wie die Kamille.
Daraus ergeben sich die beiden anerkannten Anwendungen. Innerlich als Bittermittel bei
Appetitlosigkeit und Völlegefühl. Und als krampflösende Droge bei Beschwerden im Unterbauch, wo
sie traditionell als Sitzbad oder Tee eingesetzt wird — daher der alte Name Bauchwehkraut.
Schafgarbe bei Frauenleiden — was davon zu halten ist
In der Volksheilkunde gilt die Schafgarbe als Frauenheilpflanze schlechthin: bei
Menstruationsbeschwerden, bei Zyklusunregelmäßigkeiten, im Wochenbett.
Der HMPC hat davon die krampflösende Anwendung bei Beschwerden im kleinen Becken übernommen. Für
alles Weitere — Zyklusregulation, hormonelle Wirkungen — fehlen Belege.
Beim Sitzbad ist ohnehin schwer zu trennen, was die Pflanze und was die Wärme leistet. Wärme
entspannt die glatte Muskulatur zuverlässig, und das ist bei krampfartigen Beschwerden schon die
halbe Miete.
Schafgarbe Nebenwirkungen — die Wiesendermatitis
Wer im Sommer durch hohes Gras streift und danach streifenförmige Rötungen und Blasen an den Beinen
bekommt, hat es meist mit einer Wiesendermatitis zu tun. Schafgarbe gehört zu den Pflanzen, die
sie auslösen können.
Der Mechanismus: Bestimmte Pflanzenstoffe machen die Haut lichtempfindlich, und das Sonnenlicht
tut den Rest. Deshalb treten die Reaktionen streifenförmig genau dort auf, wo die Pflanze die Haut
berührt hat.
Für die arzneiliche Anwendung ist das ohne Belang — für das Sammeln im Sommer schon.
Schafgarbe als Wildkraut
Junge Schafgarbenblätter vor der Blüte sind ein brauchbares Küchenkraut: würzig, leicht bitter,
gut in Kräuterquark und Salaten. Sie wächst auf praktisch jeder Wiese.
Wie bei allen Wildkräutern gilt: nicht an Hundewiesen, Straßenrändern oder gedüngten Feldern
sammeln — und bei Korbblütlerallergie ganz meiden.