Die dritte im Bunde
Europas Bitterdrogen sind traditionell drei: Enzian, Wermut und Tausendgüldenkraut. Alle drei
regen über die Bitterrezeptoren der Zunge Speichel-, Magensaft- und Gallefluss an, alle drei
stehen in denselben Magenbittern.
Der Unterschied liegt in Nuancen. Enzian ist am reinsten bitter, Wermut bringt sein ätherisches Öl
und das Thujon mit, Tausendgüldenkraut liegt dazwischen — bitter, aber ohne die
Anwendungsbegrenzung des Wermuts.
Für eine längere Anwendung ist es damit die unproblematischste der drei.
Wofür Bitterstoffe gut sind
Der anerkannte Anwendungsbereich ist eng: Appetitlosigkeit und leichte Verdauungsbeschwerden. Das
klingt bescheiden, ist aber praktisch relevant — etwa in der Genesung nach einer Krankheit, bei
älteren Menschen mit nachlassendem Appetit oder bei Völlegefühl nach schwerem Essen.
Der Reflexweg über die Zunge erklärt die wichtigste Anwendungsregel: vor dem Essen, langsam,
möglichst schmeckbar. Eine Kapsel, die den Bittergeschmack umgeht, verschenkt einen Teil der
Wirkung — das gilt für alle Bittermittel dieser Datenbank.
Der Name und der Schutz
Der Name geht auf eine Fehlübersetzung zurück: Aus dem lateinischen centaurium — nach dem
Zentauren Chiron — wurde volksetymologisch „hundert Gulden”, später „tausend Gulden”. Die Pflanze
galt als so wertvoll.
Heute ist sie in Deutschland besonders geschützt und darf nicht gesammelt werden. Sie lässt sich
schwer kultivieren, weshalb die Droge vergleichsweise teuer ist — und in Fertigmischungen
gelegentlich durch günstigere Bitterdrogen ersetzt wird.