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VI · Pflanzenstoffe

Wermut

auch: Artemisia absinthium · Absinth · Wermutkraut · Thujon · Absinthin

Bitterdroge mit Absinth-Vergangenheit — und ein Fall, in dem der Alkohol war, was man dem Thujon anlastete.

Studienlage

Erste Studien am Menschen, uneinheitliche Ergebnisse
Bewertung ausgesetzt

Was über Wermut gesagt werden darf

Die Angaben zu diesem Stoff sind weder zugelassen noch abgelehnt — das Verfahren ist nicht abgeschlossen. Werbeaussagen dazu sind rechtlich angreifbar.

Für Wermut ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Als traditionelles pflanzliches Arzneimittel sind die Anwendung bei Appetitlosigkeit und bei leichten Verdauungsbeschwerden anerkannt.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Der Absinth-Mythos, aufgelöst

Um 1900 galt Absinth als Ursache von Halluzinationen, Wahnsinn und Verbrechen. Die „grüne Fee” wurde in mehreren Ländern verboten, und schuld war angeblich das Thujon aus dem Wermut.

Spätere Analysen historischer Absinthflaschen und Rekonstruktionen nach alten Rezepten haben ein anderes Bild ergeben: Der Thujongehalt lag deutlich niedriger als angenommen — meist unter den heutigen EU-Grenzwerten. Was die Trinker krank machte, war der Alkohol; Absinth wurde mit 70 Volumenprozent und mehr getrunken.

Dazu kamen billige Nachahmungen mit giftigen Farbstoffen wie Kupfersulfat. Die „Absinth-Epilepsie” des 19. Jahrhunderts war in weiten Teilen schlicht Alkoholismus mit Verunreinigungen.

Was bleibt: eine ernstzunehmende Bitterdroge

Wermut ist neben Enzian die klassische europäische Bitterpflanze. Absinthin, sein Hauptbitterstoff, ist noch in extremer Verdünnung schmeckbar und regt über die Bitterrezeptoren Speichel-, Magensaft- und Gallefluss an.

Der HMPC führt die Anwendung bei Appetitlosigkeit und leichten Verdauungsbeschwerden als traditionell anerkannt — mit der Begrenzung auf zwei bis vier Wochen.

Warum die Begrenzung trotzdem gilt

Auch wenn das Absinth-Bild überzeichnet war: Thujon ist in hoher Dosis ein Nervengift, das die Krampfschwelle senkt. Es ist derselbe Stoff, der auch im Salbei die Anwendungsdauer begrenzt.

Aus einem Teeaufguss geht wenig Thujon über, weil es schlecht wasserlöslich ist. Bei Tinkturen und ätherischem Öl sieht es anders aus — dort liegt die eigentliche Vorsicht.

Für die Küche ist das ohne Belang: Wermut als Würzkraut oder ein Glas Vermouth bewegen sich weit unter jeder kritischen Menge.

Der Wein, der den Namen trägt

Vermouth heißt so, weil er mit Wermut aromatisiert wird — das Wort ist die romanische Form von Wermut. Als Aperitif getrunken, folgt er derselben Idee wie die Bittertropfen: Bitterstoffe vor dem Essen regen den Appetit an.

Der Unterschied liegt im Alkohol. Ein Aperitif ist ein Genussmittel, kein Verdauungsmittel — und das gilt auch für den Verdauungsschnaps danach.

Wermut — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Wermutkraut als Tee mittel Sehr bitter — Absinthin ist noch in einer Verdünnung von eins zu dreißigtausend wahrnehmbar. Der Thujongehalt im Aufguss ist gering.
Wermuttinktur hoch Löst deutlich mehr Thujon heraus. Entsprechend strenger sind Dosierung und Anwendungsdauer zu beachten.
Ätherisches Wermutöl hoch Sehr thujonreich und für die innere Anwendung nicht geeignet.
Wermutwein und Absinth hoch Als Lebensmittel geregelt — die EU begrenzt den Thujongehalt in Spirituosen. Der Alkohol ist hier das bestimmende Problem, nicht das Thujon.

Wermut einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: 15 bis 30 Minuten vor den Mahlzeiten. Unabhängig von einer Mahlzeit.

Wie bei allen Bittermitteln läuft ein Teil der Wirkung über die Geschmacksrezeptoren. Nicht über Wochen hinweg anwenden — der HMPC nennt zwei bis vier Wochen als Rahmen.

Wermut Wechselwirkungen

Antiepileptika

hemmt

Thujon kann die Krampfschwelle senken. Bei Epilepsie ist von thujonreichen Zubereitungen abzuraten.

Magensäurehemmer

hemmt

Bitterstoffe regen die Säurebildung an und arbeiten der Therapie entgegen.

Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre

Vorsicht

Gegenanzeige wie bei allen Bitterdrogen.

Wer auf Wermut besonders achten sollte

  • Menschen mit Appetitlosigkeit und Völlegefühl
  • Nicht geeignet bei Epilepsie
  • Nicht geeignet in Schwangerschaft und Stillzeit
  • Nicht für Kinder

Wermut in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Wermutwein (Vermouth) mit Wermut aromatisierter Wein — der Name stammt daher
Absinth EU-rechtlich im Thujongehalt begrenzt

Häufige Fragen zu Wermut

01Wann sollte man Wermut einnehmen?

15 bis 30 Minuten vor den Mahlzeiten. Wie bei allen Bittermitteln läuft ein Teil der Wirkung über die Geschmacksrezeptoren. Nicht über Wochen hinweg anwenden — der HMPC nennt zwei bis vier Wochen als Rahmen.

02Wie viel Wermut am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 1–1,5 g Wermutkraut je Tasse, dreimal täglich vor den Mahlzeiten.

03Wie viel Wermut ist zu viel?

Anwendungsdauer auf zwei bis vier Wochen begrenzen. HMPC-Monographie zu Absinthii herba. Wermut enthält Thujon, das in hoher Dosis auf das Nervensystem wirkt und Krampfanfälle auslösen kann. Aus dem wässrigen Aufguss geht wenig davon über, aus alkoholischen Auszügen und dem ätherischen Öl deutlich mehr.

04Welche Wechselwirkungen hat Wermut?

Zu beachten sind Antiepileptika; Magensäurehemmer; Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre. Antiepileptika: Thujon kann die Krampfschwelle senken. Bei Epilepsie ist von thujonreichen Zubereitungen abzuraten. Magensäurehemmer: Bitterstoffe regen die Säurebildung an und arbeiten der Therapie entgegen. Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre: Gegenanzeige wie bei allen Bitterdrogen.

05Für wen ist Wermut nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Menschen mit Appetitlosigkeit und Völlegefühl; Nicht geeignet bei Epilepsie; Nicht geeignet in Schwangerschaft und Stillzeit; Nicht für Kinder. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06In welchen Lebensmitteln steckt Wermut?

Gute Quellen sind Wermutwein (Vermouth) (mit Wermut aromatisierter Wein — der Name stammt daher) und Absinth (EU-rechtlich im Thujongehalt begrenzt).

07Welche Form von Wermut ist am besten?

Gut aufgenommen werden Wermuttinktur, Ätherisches Wermutöl und Wermutwein und Absinth. Zu Wermuttinktur: Löst deutlich mehr Thujon heraus. Entsprechend strenger sind Dosierung und Anwendungsdauer zu beachten.

08Womit darf für Wermut geworben werden?

Nichts. Für Wermut ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Als traditionelles pflanzliches Arzneimittel sind die Anwendung bei Appetitlosigkeit und bei leichten Verdauungsbeschwerden anerkannt.

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Belege

  1. 01 Community herbal monograph on Artemisia absinthium L., herba · HMPC, Europäische Arzneimittel-Agentur
  2. 02 Thujone — a review of its toxicology and the absinthe question · Journal of Agricultural and Food Chemistry
  3. 03 Verordnung (EG) Nr. 1334/2008 über Aromen — Höchstmengen für Thujon · Europäische Kommission

Siehe auch

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