Salbei Wirkung — zwei Anwendungen mit unterschiedlicher Grundlage
Salbei wird für zwei Dinge verwendet, die wenig miteinander zu tun haben. Äußerlich zum Gurgeln
bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum — hier ist die Anwendung als Arzneimittel anerkannt und
durch die zusammenziehende Wirkung der Gerbstoffe und die keimhemmenden ätherischen Öle
plausibel.
Innerlich gegen vermehrtes Schwitzen, ein Effekt, der seit Jahrhunderten beschrieben und
mechanistisch bis heute nicht befriedigend erklärt ist. Der HMPC führt ihn als traditionelle
Anwendung; kleine Studien bei Wechseljahresbeschwerden fanden eine Verringerung der
Schweißausbrüche.
Salbei Nebenwirkungen — warum die Anwendungsdauer begrenzt ist
Salbei enthält Thujon, ein Monoterpen, das auf GABA-Rezeptoren wirkt und in hoher Dosis
Krampfanfälle auslösen kann. Es ist derselbe Stoff, der Absinth seinen zweifelhaften Ruf
eingebracht hat und für den es in der Aromenverordnung Höchstmengen gibt.
Aus dem Teeaufguss geht nur wenig Thujon über, weil es kaum wasserlöslich ist. Bei alkoholischen
Auszügen und ätherischem Öl sieht das anders aus. Der HMPC begrenzt die Anwendung deshalb auf
ein bis zwei Wochen.
Für die Küche ist das ohne Belang — die Mengen im Saltimbocca sind unproblematisch. Wer
Salbeitee zum täglichen Getränk macht, sollte die Begrenzung dagegen kennen.
Salbei beim Abstillen — der Punkt für Stillende
Salbei vermindert die Milchbildung. Das ist keine Nebenwirkung, sondern eine seit Jahrhunderten
genutzte Wirkung: Salbeitee gehört zu den klassischen Mitteln beim Abstillen.
Wer weiterstillen möchte, sollte ihn deshalb meiden — auch in Kräutertee-Mischungen, wo er
gelegentlich mitläuft, ohne dass man daran denkt.
Salbei bei Halsschmerzen — nicht nur der Wirkstoff entscheidet
Gurgeln mit Salbeitee lindert Halsschmerzen zuverlässig — ein Teil davon geht auf die
Befeuchtung, die Wärme und den angeregten Speichelfluss zurück. Das schmälert die Anwendung
nicht, ordnet sie aber ein.
Bei Halsschmerzen mit hohem Fieber, einseitigen Schluckbeschwerden oder Belägen auf den Mandeln
gehört die Sache ärztlich beurteilt. Salbei ist ein Mittel für den harmlosen Verlauf.