VI · Pflanzenstoffe
Zimt
auch: Cassia-Zimt · Ceylon-Zimt · Cinnamomum verum · Cinnamomum cassia · Cumarin
Blutzuckerstudien mit kleinen Effekten — und ein Inhaltsstoff, der die Sorte zur wichtigsten Kaufentscheidung macht.
Studienlage
Was über Zimt gesagt werden darf
Die Angaben zu diesem Stoff sind weder zugelassen noch abgelehnt — das Verfahren ist nicht abgeschlossen. Werbeaussagen dazu sind rechtlich angreifbar.
Für Zimt ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Werbung mit Blutzucker oder Stoffwechsel ist damit nicht gedeckt — eine Aussage zur Diabetesbehandlung wäre zusätzlich krankheitsbezogen und verboten.
Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert
Zimt Nebenwirkungen — die Sorte ist wichtiger als die Menge
Zimt ist nicht gleich Zimt. Ceylon-Zimt, der echte, enthält praktisch kein Cumarin. Cassia-Zimt, der billigere und in gemahlener Handelsware übliche, enthält bis zu 2.900 mg je Kilogramm.
Cumarin kann in höheren Mengen die Leber belasten. Die tolerierbare tägliche Aufnahme liegt bei 0,1 mg je Kilogramm Körpergewicht — für einen Erwachsenen mit 60 kg sind das 6 mg. Mit zwei bis drei Gramm Cassia-Zimtpulver ist das erreicht.
Bei Kindern greift die Grenze noch früher: Wegen des geringeren Körpergewichts ist die Cumaringrenze schnell erreicht, das BfR hat bei Zimtsternen und Lebkuchen wiederholt auf die Kindermenge hingewiesen. Bei empfindlichen Menschen kann Cumarin die Leberwerte erhöhen. Die Veränderungen sind nach dem Absetzen rückbildungsfähig, bei bestehender Lebererkrankung aber ein Grund zur Zurückhaltung. Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung, „Fragen und Antworten zu Cumarin in Zimt und anderen Lebensmitteln“ (BfR-Seite).
Zimt kann außerdem blutzuckersenkende Medikamente verstärken: Eine additive Senkung ist möglich, bei Insulintherapie sollte man den Verlauf im Blick behalten.
Zimt Wirkung — was die Blutzuckerstudien zeigen
Die Blutzuckerstudien zeigen kleine Effekte bei uneinheitlichen Ergebnissen. In den Studien wurden 1 bis 6 g Zimtpulver am Tag über acht bis sechzehn Wochen eingenommen. Für Zimt ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen, die Bewertung der Botanicals ruht seit 2010. Werbung mit Blutzucker oder Stoffwechsel ist damit nicht gedeckt.
Warum Zimtkapseln der schwierigste Fall sind
Als Gewürz sind 1 bis 2 g üblich. Wer Zimt täglich als Präparat einnimmt, gehört zu den Risikogruppen, denn Zimtextrakt in Kapseln stammt meist aus Cassia.
Auf vielen Präparaten steht weder die Sorte noch der Cumaringehalt. Ohne beide Angaben lässt sich das Produkt nicht beurteilen. Wasserlösliche Extrakte enthalten weniger Cumarin, weil dieses fettlöslich ist — ohne Angabe der Sorte und des Cumaringehalts bleibt das aber Spekulation.
Ceylon- oder Cassia-Zimt — die Namensverwechslung
Cumarin aus Zimt ist nicht mit den Cumarin-Gerinnungshemmern identisch und wirkt nicht blutverdünnend. Die Namensähnlichkeit führt regelmäßig zu Missverständnissen.
Zimt — welche Form ist die beste?
Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.
| Form | Aufnahme | Anmerkung |
|---|---|---|
| Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum) | hoch | Der echte Zimt, hell und mild, in dünnen ineinandergerollten Schichten. Cumaringehalt vernachlässigbar — die richtige Wahl für regelmäßigen Verzehr. |
| Cassia-Zimt (Cinnamomum cassia) | hoch | Der billigere und kräftigere Zimt, eine einzelne dicke Rindenschicht. Der Standard in gemahlener Handelsware und in Backwaren — und der Cumarinträger. |
| Zimtextrakt in Kapseln | hoch | Meist aus Cassia. Wasserlösliche Extrakte enthalten weniger Cumarin, weil dieses fettlöslich ist — ohne Angabe der Sorte und des Cumaringehalts bleibt das aber Spekulation. |
| Zimtöl | hoch | Sehr hoch konzentriert, hautreizend und nicht zur inneren Anwendung in Eigenregie geeignet. |
Zimt einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?
Empfohlener Zeitpunkt: Zu kohlenhydrathaltigen Mahlzeiten. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.
In den Studien wurde über acht bis sechzehn Wochen täglich eingenommen. Wer Zimt regelmäßig verwendet, sollte auf Ceylon umsteigen — bei Cassia summiert sich das Cumarin.
Zimt Wechselwirkungen
Blutzuckersenkende Medikamente
verstärktEine additive Senkung ist möglich. Bei Insulintherapie den Verlauf im Blick behalten.
Lebererkrankungen
VorsichtCumarin kann bei empfindlichen Menschen die Leberwerte erhöhen. Die Veränderungen sind nach Absetzen rückbildungsfähig, bei bestehender Lebererkrankung aber ein Grund zur Zurückhaltung.
Gerinnungshemmer
VorsichtCumarin aus Zimt ist nicht mit den Cumarin-Gerinnungshemmern identisch und wirkt nicht blutverdünnend. Die Namensähnlichkeit führt regelmäßig zu Missverständnissen.
Wer auf Zimt besonders achten sollte
- Kinder — wegen des geringeren Körpergewichts ist die Cumaringrenze schnell erreicht
- Menschen mit Lebererkrankungen
- Menschen, die Zimt täglich als Präparat einnehmen
Zimt in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt
Häufige Fragen zu Zimt
01Wann sollte man Zimt einnehmen?
Zu kohlenhydrathaltigen Mahlzeiten. In den Studien wurde über acht bis sechzehn Wochen täglich eingenommen. Wer Zimt regelmäßig verwendet, sollte auf Ceylon umsteigen — bei Cassia summiert sich das Cumarin.
02Wie viel Zimt am Tag?
In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 1–6 g Zimtpulver am Tag in Studien; als Gewürz üblich sind 1–2 g.
03Wie viel Zimt ist zu viel?
Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei 0,1 mg Cumarin je kg Körpergewicht am Tag. Tolerierbare tägliche Aufnahmemenge nach EFSA-Bewertung, vom BfR übernommen. Bei einer Person von 60 kg sind das 6 mg Cumarin. Cassia-Zimt enthält bis zu 2.900 mg Cumarin je kg — damit ist die Menge mit zwei bis drei Gramm Pulver erreicht. Ceylon-Zimt enthält praktisch keines.
04Welche Wechselwirkungen hat Zimt?
Zu beachten sind Blutzuckersenkende Medikamente, Lebererkrankungen und Gerinnungshemmer. Blutzuckersenkende Medikamente: Eine additive Senkung ist möglich. Bei Insulintherapie den Verlauf im Blick behalten. Lebererkrankungen: Cumarin kann bei empfindlichen Menschen die Leberwerte erhöhen. Die Veränderungen sind nach Absetzen rückbildungsfähig, bei bestehender Lebererkrankung aber ein Grund zur Zurückhaltung. Gerinnungshemmer: Cumarin aus Zimt ist nicht mit den Cumarin-Gerinnungshemmern identisch und wirkt nicht blutverdünnend. Die Namensähnlichkeit führt regelmäßig zu Missverständnissen.
05Für wen ist Zimt nicht geeignet?
Besondere Vorsicht gilt für: Kinder — wegen des geringeren Körpergewichts ist die Cumaringrenze schnell erreicht; Menschen mit Lebererkrankungen; Menschen, die Zimt täglich als Präparat einnehmen. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.
06In welchen Lebensmitteln steckt Zimt?
Gute Quellen sind Cassia-Zimt gemahlen (bis 2.900 mg Cumarin je kg), Ceylon-Zimt gemahlen (unter 20 mg Cumarin je kg), Zimtsterne und Lebkuchen (je nach Rezeptur; das BfR hat wiederholt auf die Kindermenge hingewiesen) und Zimtschnecken und Milchreis mit Zimt (relevante Mengen bei täglichem Verzehr).
07Welche Form von Zimt ist am besten?
Gut aufgenommen werden Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum), Cassia-Zimt (Cinnamomum cassia), Zimtextrakt in Kapseln und Zimtöl. Zu Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum): Der echte Zimt, hell und mild, in dünnen ineinandergerollten Schichten. Cumaringehalt vernachlässigbar — die richtige Wahl für regelmäßigen Verzehr.
08Womit darf für Zimt geworben werden?
Nichts. Für Zimt ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Werbung mit Blutzucker oder Stoffwechsel ist damit nicht gedeckt — eine Aussage zur Diabetesbehandlung wäre zusätzlich krankheitsbezogen und verboten.
Belege
- 01 Fragen und Antworten zu Cumarin in Zimt und anderen Lebensmitteln · Bundesinstitut für Risikobewertung
- 02 Cinnamon for diabetes mellitus · Cochrane Database of Systematic Reviews
- 03 Health-Claims-Verordnung — Liste der „on hold“-Angaben · Europäische Kommission
Siehe auch
Andere Pflanzenstoffe
Wirkstoffbereiche
Die Datenbank weiterlesen
Vitamine
Organische Verbindungen, die der Körper nicht oder nicht ausreichend selbst herstellt.
Mineralstoffe
Anorganische Nährstoffe, die der Körper in Mengen über 50 mg am Tag braucht.
Spurenelemente
Mineralstoffe, von denen der Körper täglich weniger als 50 mg benötigt.
Fettsäuren
Bausteine der Nahrungsfette, darunter die essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
Aminosäuren
Bausteine der Eiweiße, teils essenziell, teils vom Körper selbst herstellbar.
Pflanzenstoffe
Extrakte und Einzelstoffe aus Pflanzen. Für sie ist die Claim-Bewertung bis heute ausgesetzt.
Du bist hier
Darmflora
Probiotische Kulturen und Ballaststoffe, die auf die Darmbesiedlung wirken.
Weitere Stoffe
Körpereigene Verbindungen und Strukturstoffe, die keiner der übrigen Gruppen zufallen.