VI · Pflanzenstoffe
Ingwer
auch: Zingiber officinale · Ingwerwurzel · Gingerol · Shogaol
Der Pflanzenstoff mit der besten Datenlage gegen Übelkeit — und einer der wenigen, die in Leitlinien vorkommen.
Studienlage
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Was über Ingwer gesagt werden darf
Die Angaben zu diesem Stoff sind bei der EU-Kommission „on hold“. Sie sind weder zugelassen noch abgelehnt — die Bewertung pflanzlicher Stoffe ruht seit 2010. Werbeaussagen dazu sind rechtlich angreifbar.
Für Ingwer ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Aussagen zu Übelkeit, Verdauung oder Gelenken sind damit nicht gedeckt — als traditionelles pflanzliches Arzneimittel gegen Reisekrankheit darf dagegen geworben werden.
Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert
Ingwer Wirkung — einer der wenigen Pflanzenstoffe, die es in Leitlinien geschafft haben
Bei Übelkeit und Erbrechen in der Frühschwangerschaft nennen geburtshilfliche Leitlinien Ingwer als Option — neben Vitamin B6 und vor den verschreibungspflichtigen Mitteln. Für einen Pflanzenstoff ist das eine seltene Position.
Cochrane-Auswertungen finden für Ingwer eine Verringerung der Übelkeit gegenüber Placebo, mit uneinheitlichen Ergebnissen beim Erbrechen. Die üblichen Mengen liegen bei bis zu 1 g getrockneter Wurzel am Tag, verteilt auf mehrere kleine Portionen.
Für Übelkeit nach Operationen und nach Chemotherapie gibt es ebenfalls Studien mit günstigen Hinweisen; bei Reisekrankheit ist die Datenlage schwächer und widersprüchlich — was den Arzneimittelstatus als traditionelle Anwendung nicht verhindert hat.
Wie Ingwer wirkt
Gingerole und Shogaole wirken auf Serotoninrezeptoren im Magen-Darm-Trakt und beschleunigen die Magenentleerung. Anders als die klassischen Mittel gegen Übelkeit greifen sie kaum ins zentrale Nervensystem ein — daher die geringe Müdigkeit und die gute Verträglichkeit.
Beim Trocknen wandeln sich Gingerole in Shogaole um, die schärfer und in Zellversuchen wirksamer sind. Getrockneter Ingwer ist deshalb nicht der schwächere Bruder des frischen, sondern ein etwas anderes Wirkstoffmuster.
Ingwer bei Gelenkschmerzen — was dran ist
Für Ingwer bei Arthrose gibt es eine Reihe kleiner Studien mit bescheidenen Effekten auf Schmerzen. Die Entzündungshemmung über Prostaglandine ist plausibel und der Grund, warum Ingwer häufig in Gelenkpräparaten auftaucht.
Belastbar ist das nicht, und beworben werden darf es ohnehin nicht — Arthrose ist eine Krankheit.
Ingwer einnehmen — der praktische Vorteil
Ingwer ist ein Lebensmittel. Wer ihn ausprobieren will, braucht kein Präparat: fünf bis zehn Gramm frische Wurzel am Tag, gerieben ins Essen, als Aufguss oder in Scheiben. Das entspricht der Größenordnung der Studien und kostet fast nichts.
Zwei Einschränkungen bleiben: Bei Gallensteinen und bei Reflux kann Ingwer Beschwerden auslösen statt lindern. Und wer Gerinnungshemmer nimmt, sollte größere Mengen nicht ohne Rücksprache zur Gewohnheit machen.
Ingwer — welche Form ist die beste?
Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.
| Form | Aufnahme | Anmerkung |
|---|---|---|
| Getrocknetes Ingwerpulver | hoch | Die in fast allen Studien verwendete Form. Beim Trocknen entstehen aus Gingerolen die schärferen Shogaole — getrockneter Ingwer ist deshalb schärfer als frischer. |
| Standardisierter Trockenextrakt | hoch | Auf Gingerole standardisiert, meist als Kapsel. Vorteil: keine Schärfe im Mund, definierte Menge. |
| Frische Ingwerwurzel | hoch | Rund 1 Prozent ätherisches Öl und Gingerole. Für die Studienmengen bräuchte es etwa 5 bis 10 g frische Wurzel am Tag. |
| Ingwertee | mittel | Die scharf schmeckenden Inhaltsstoffe gehen nur teilweise in den Aufguss über. Angenehm, aber schwächer als Pulver oder Extrakt. |
| Kandierter Ingwer | mittel | Enthält Wirkstoffe, aber vor allem Zucker. Bei Reiseübelkeit dennoch praktisch, weil er sich portionieren lässt. |
Ingwer Wechselwirkungen
Gerinnungshemmer
verstärktIngwer hemmt die Blutplättchenverklumpung in Laborversuchen. Klinisch relevante Blutungen sind selten beschrieben, vor Operationen und unter Marcumar ist dennoch Vorsicht angebracht.
Blutzuckersenkende Medikamente
verstärktIn Studien senkte Ingwer den Nüchternblutzucker leicht. Bei Insulintherapie im Blick behalten.
Gallensteine
VorsichtDer angeregte Gallenfluss kann Koliken auslösen. Bei bekanntem Steinleiden nur nach ärztlicher Rücksprache.
Protonenpumpenhemmer
VorsichtIngwer regt die Magensäurebildung an — bei Reflux kann das die Beschwerden verstärken.
Wer auf Ingwer besonders achten sollte
- Schwangere mit morgendlicher Übelkeit — eine der wenigen empfohlenen nichtmedikamentösen Optionen
- Menschen mit Reisekrankheit
- Nicht geeignet bei Gallensteinleiden und akutem Reflux
Ingwer in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt
Häufige Fragen zu Ingwer
01Wann sollte man Ingwer einnehmen?
Bei Reiseübelkeit 30 Minuten vor Fahrtantritt, sonst über den Tag verteilt. Zu oder direkt nach einer Mahlzeit. Auf nüchternen Magen häufiger Sodbrennen. Bei Schwangerschaftsübelkeit haben sich kleine, über den Tag verteilte Mengen bewährt.
02Wie viel Ingwer am Tag?
In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 1.000–1.500 mg getrocknetes Ingwerpulver am Tag, auf mehrere Gaben verteilt.
03Wie viel Ingwer ist zu viel?
Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei In der Schwangerschaft nicht über 1.000 mg getrocknete Wurzel am Tag. HMPC-Monographie und geburtshilfliche Leitlinien. Häufigste Nebenwirkung ist Sodbrennen. Bei Gallensteinen kann Ingwer Koliken auslösen, weil er den Gallenfluss anregt.
04Welche Wechselwirkungen hat Ingwer?
Zu beachten sind Gerinnungshemmer, Blutzuckersenkende Medikamente, Gallensteine und Protonenpumpenhemmer. Gerinnungshemmer: Ingwer hemmt die Blutplättchenverklumpung in Laborversuchen. Klinisch relevante Blutungen sind selten beschrieben, vor Operationen und unter Marcumar ist dennoch Vorsicht angebracht. Blutzuckersenkende Medikamente: In Studien senkte Ingwer den Nüchternblutzucker leicht. Bei Insulintherapie im Blick behalten. Gallensteine: Der angeregte Gallenfluss kann Koliken auslösen. Bei bekanntem Steinleiden nur nach ärztlicher Rücksprache.
05Für wen ist Ingwer nicht geeignet?
Besondere Vorsicht gilt für: Schwangere mit morgendlicher Übelkeit — eine der wenigen empfohlenen nichtmedikamentösen Optionen; Menschen mit Reisekrankheit; Nicht geeignet bei Gallensteinleiden und akutem Reflux. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.
06In welchen Lebensmitteln steckt Ingwer?
Gute Quellen sind Frische Ingwerwurzel (rund 1 g Gingerole je 100 g), Getrocknetes Ingwerpulver (konzentrierter, mit höherem Shogaolanteil) und Ingwertee (abhängig von Ziehzeit und Menge).
07Welche Form von Ingwer ist am besten?
Gut aufgenommen werden Getrocknetes Ingwerpulver, Standardisierter Trockenextrakt und Frische Ingwerwurzel. Zu Getrocknetes Ingwerpulver: Die in fast allen Studien verwendete Form. Beim Trocknen entstehen aus Gingerolen die schärferen Shogaole — getrockneter Ingwer ist deshalb schärfer als frischer.
08Womit darf für Ingwer geworben werden?
Nichts. Für Ingwer ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; die Botanical-Bewertung ruht seit 2010. Aussagen zu Übelkeit, Verdauung oder Gelenken sind damit nicht gedeckt — als traditionelles pflanzliches Arzneimittel gegen Reisekrankheit darf dagegen geworben werden.
Belege
- 01 Community herbal monograph on Zingiber officinale Roscoe, rhizoma · HMPC, Europäische Arzneimittel-Agentur
- 02 Interventions for nausea and vomiting in early pregnancy · Cochrane Database of Systematic Reviews
- 03 Health-Claims-Verordnung — Liste der „on hold“-Angaben · Europäische Kommission
Siehe auch
Andere Pflanzenstoffe
Wirkstoffbereiche
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Vitamine
Organische Verbindungen, die der Körper nicht oder nicht ausreichend selbst herstellt.
Mineralstoffe
Anorganische Nährstoffe, die der Körper in Mengen über 50 mg am Tag braucht.
Spurenelemente
Mineralstoffe, von denen der Körper täglich weniger als 50 mg benötigt.
Fettsäuren
Bausteine der Nahrungsfette, darunter die essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
Aminosäuren
Bausteine der Eiweiße, teils essenziell, teils vom Körper selbst herstellbar.
Pflanzenstoffe
Extrakte und Einzelstoffe aus Pflanzen. Für sie ist die Claim-Bewertung bis heute ausgesetzt.
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