Bromelain — ein Enzym, das den Magen überstehen muss
Bromelain ist ein Gemisch eiweißspaltender Enzyme aus dem Ananasstrunk. Damit ist es selbst ein
Eiweiß — und im Magen genau dem ausgesetzt, was es anderswo anrichten soll: Salzsäure und
Pepsin zerlegen es.
Deshalb ist die Darreichungsform bei diesem Stoff nicht Nebensache, sondern die Hauptfrage. Nur
magensaftresistent überzogene Tabletten geben das Enzym erst im Dünndarm frei, wo ein Teil davon
in intakter Form aufgenommen werden kann. Ein Bromelainpulver in einer einfachen Kapsel liefert
im Wesentlichen Aminosäuren.
Bromelain Wirkung — die Anwendung mit Zulassung
In Deutschland sind Bromelain-Arzneimittel zur Behandlung von Schwellungen nach Operationen und
Verletzungen zugelassen, insbesondere im Nasen- und Nebenhöhlenbereich. Grundlage sind Studien,
die eine schnellere Rückbildung von Schwellung und Bluterguss zeigten.
Die Wirkung wird auf einen Eingriff in die Bildung von Entzündungsbotenstoffen und auf den Abbau
von Fibrin im Gewebe zurückgeführt. Für Nahrungsergänzungsmittel ist von alldem nichts sagbar —
Schwellungen und Entzündungen sind Krankheitsbezug.
Bromelain Dosierung — FIP-Einheiten statt Milligramm
Bei Enzymen sagt die Milligrammzahl wenig, weil es auf die Aktivität ankommt. Sie wird in
FIP-Einheiten angegeben. Ein Präparat mit „500 mg Bromelain“ ohne Aktivitätsangabe lässt sich
deshalb nicht einordnen — 500 mg eines schwachen Rohstoffs können weniger leisten als 200 mg
eines hochaktiven.
Wer vergleicht, sollte auf FIP oder GDU achten. Fehlt beides, fehlt die entscheidende Information.
Die Fachinformation zu Bromelain-POS 500 F.I.P.-Einheiten (URSAPHARM, Stand Juni 2018) nennt als
häufige Nebenwirkung allergische Reaktionen: Hautausschlag und asthmaähnliche Beschwerden — dann
sofort absetzen. Gelegentlich treten Magenbeschwerden und Durchfall auf, sehr selten eine
verlängerte Blutungszeit.
Gegenanzeigen sind Überempfindlichkeit gegen Bromelain oder Ananas, Blutgerinnungsstörungen sowie
die Einnahme von Antikoagulantien oder Thrombozytenaggregationshemmern. Vor einer Operation
vorsichtshalber absetzen. Das Papier beschreibt außerdem erhöhte Antibiotika-Spiegel und eine
mögliche stärkere Aufnahme anderer Arzneimittel, systematische Wechselwirkungsstudien gibt es
nicht. Schwangeren und Stillenden wird die Anwendung nicht empfohlen. Ohne ärztlichen Rat sind
höchstens vier bis fünf Tage vorgesehen.
Bromelain aus der Ananas selbst
Der Enzymgehalt sitzt vor allem im holzigen Strunk, den die meisten wegwerfen. Im Fruchtfleisch
ist deutlich weniger enthalten, und beim Erhitzen wird das Enzym zerstört — Ananas aus der Dose
enthält keines mehr.
Das erklärt auch die brennende Zunge nach viel frischer Ananas: Das Enzym baut Eiweiß in der
Mundschleimhaut ab. Ein anschaulicher Beweis dafür, dass es tatsächlich arbeitet — und zugleich
ein Hinweis darauf, warum es den Magen ungeschützt nicht übersteht.