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VIII · Weitere Stoffe

Glucosamin

auch: Glucosaminsulfat · Glucosaminhydrochlorid · N-Acetylglucosamin · Chondroitin-Kombination

Das meistverkaufte Gelenkpräparat Europas — von der EFSA geprüft, abgelehnt und vom BfR mit einer Warnung für Gerinnungspatienten versehen.

Studienlage

Erste Studien am Menschen, uneinheitliche Ergebnisse
Angabe abgelehnt

Was über Glucosamin gesagt werden darf

Beantragte gesundheitsbezogene Angaben wurden von der EFSA geprüft und nicht zugelassen. Es darf nicht mit einer gesundheitlichen Wirkung geworben werden.

Die EFSA hat mehrere Anträge geprüft — Erhaltung des Gelenkknorpels, Beweglichkeit, Schutz der Gelenke — und alle abgelehnt. Werbung mit Knorpel, Gelenken oder Beweglichkeit ist damit nicht nur ungedeckt, sondern ausdrücklich zurückgewiesen.

Grundlage: VO (EG) 1924/2006 · Unionsliste nach VO (EU) 432/2012 · Wie das Verfahren funktioniert

Glucosamin Wirkung — Gelenkangaben von der EFSA abgelehnt

Die EFSA hat alle Anträge zu Gelenkknorpel, Beweglichkeit und Schutz der Gelenke abgelehnt („Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to glucosamine“, 2012), die Studienlage ist schwach (Evidenzstufe 2). Auf der Packung darf deshalb weder von Knorpel noch von Beweglichkeit die Rede sein.

Die Studien mit den günstigsten Ergebnissen verwendeten kristallines Glucosaminsulfat; Glucosaminhydrochlorid schnitt durchweg schlechter ab, ob wegen der Verbindung oder des Studiendesigns, ist offen. Zur Studie „Glucosamine, chondroitin sulfate, and the two in combination for painful knee osteoarthritis (GAIT)“ (New England Journal of Medicine, 2006) gehört die Kombination mit Chondroitin; ob sie mehr leistet als Glucosamin allein, ist trotz großer Studien nicht geklärt.

Glucosamin Nebenwirkungen — Gerinnungshemmer, Schalentiere, Blutzucker

Das BfR warnt ausdrücklich vor der gleichzeitigen Einnahme mit Cumarin-Gerinnungshemmern (Warfarin, Acenocumarol): Es liegen mehrere Fallberichte über einen deutlich erhöhten INR-Wert und Blutungen vor, das BfR rät von der Kombination ab (Stellungnahme Nr. 004/2010 „Glucosaminhaltige Nahrungsergänzungsmittel können ein Gesundheitsrisiko für Patienten darstellen, die Cumarin-Antikoagulantien als Blutgerinnungshemmer einnehmen“, Bundesinstitut für Risikobewertung). Unter Warfarin oder anderen Cumarinen ist Glucosamin nicht geeignet.

  • Schalentierallergie: Die meisten Präparate stammen aus Krebstierpanzern, bei Allergie ist Vorsicht geboten. Glucosamin aus Aspergillus wird fermentativ gewonnen und ist für Menschen mit Schalentierallergie oder veganer Ernährung die einzige Option.
  • Blutzucker: Glucosamin ist ein Aminozucker. Eine relevante Blutzuckererhöhung wurde in Studien nicht bestätigt, bei Diabetes ist eine Kontrolle dennoch sinnvoll.
  • Schwangere und Stillende: Daten fehlen.

Wie man es vernünftig angeht

Üblich sind 1.500 mg Glucosaminsulfat als einmalige Tagesgabe zu einer Mahlzeit. Eine Beurteilung ist frühestens nach drei Monaten möglich.

Glucosamin — welche Form ist die beste?

Welche Form auf der Packung steht, entscheidet oft mehr über die Wirkung als die Zahl davor.

Form Aufnahme Anmerkung
Glucosaminsulfat (kristallin) hoch Die Form aus den Studien mit den günstigsten Ergebnissen, meist als Kaliumchlorid-Komplex stabilisiert. 1.500 mg als einmalige Tagesgabe.
Glucosaminhydrochlorid hoch Höherer Glucosaminanteil je Gramm und billiger, in Studien aber durchweg schlechter abgeschnitten. Ob das an der Verbindung oder am Studiendesign liegt, ist offen.
N-Acetylglucosamin mittel Andere chemische Form, für die die Datenlage noch dünner ist.
Pflanzliches Glucosamin aus Aspergillus hoch Fermentativ gewonnen und für Menschen mit Schalentierallergie oder veganer Ernährung die einzige Option.

Glucosamin einnehmen — wann ist der beste Zeitpunkt?

Empfohlener Zeitpunkt: Einmal täglich zu einer Mahlzeit. Am besten zusammen mit einer Mahlzeit.

In den Studien mit positivem Ergebnis wurde eine einzelne Tagesgabe von 1.500 mg verwendet, nicht drei Einzelgaben. Eine Beurteilung ist frühestens nach drei Monaten möglich.

Glucosamin Wechselwirkungen

Cumarin-Gerinnungshemmer (Warfarin, Acenocumarol)

verstärkt

Es liegen mehrere Fallberichte über einen deutlich erhöhten INR-Wert und Blutungen vor. Das BfR rät von der Kombination ab.

Blutzuckersenkende Medikamente

Vorsicht

Glucosamin ist ein Aminozucker. Eine relevante Blutzuckererhöhung wurde in Studien nicht bestätigt, bei Diabetes ist eine Kontrolle dennoch sinnvoll.

Chondroitin

verstärkt

Die übliche Kombination. Ob sie mehr leistet als Glucosamin allein, ist trotz großer Studien nicht geklärt.

Wer auf Glucosamin besonders achten sollte

  • Menschen mit Kniearthrose im frühen bis mittleren Stadium
  • Nicht geeignet unter Marcumar oder anderen Cumarinen
  • Vorsicht bei Schalentierallergie — die meisten Präparate stammen aus Krebstierpanzern
  • Schwangere und Stillende, für die Daten fehlen

Mangel an Glucosamin — Symptome und Anzeichen

  • Kein Nährstoff — der Körper bildet Glucosamin selbst aus Glucose und Glutamin

Diese Zeichen sind unspezifisch und können viele andere Ursachen haben. Sie ersetzen keine Diagnose.

Glucosamin in Lebensmitteln — woher es über die Nahrung kommt

Krebstierpanzer Ausgangsmaterial der Präparate, kein übliches Lebensmittel
Knorpel und Knochenbrühe enthält Glykosaminoglykane, Mengen nicht standardisiert

Häufige Fragen zu Glucosamin

01Wann sollte man Glucosamin einnehmen?

Einmal täglich zu einer Mahlzeit. In den Studien mit positivem Ergebnis wurde eine einzelne Tagesgabe von 1.500 mg verwendet, nicht drei Einzelgaben. Eine Beurteilung ist frühestens nach drei Monaten möglich.

02Wie viel Glucosamin am Tag?

In Nahrungsergänzungsmitteln üblich sind 1.500 mg Glucosaminsulfat am Tag, als Einzelgabe.

03Wie viel Glucosamin ist zu viel?

Die empfohlene Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel liegt bei 1.500 mg am Tag als übliche Höchstdosis aus Studien. Klinische Studienlage; die EFSA hat keinen Tolerable Upper Intake Level abgeleitet. Das BfR warnt ausdrücklich vor der gleichzeitigen Einnahme mit Cumarin-Gerinnungshemmern. Menschen mit Diabetes sollten den Blutzucker im Blick behalten, weil Glucosamin ein Aminozucker ist.

04Welche Wechselwirkungen hat Glucosamin?

Zu beachten sind Cumarin-Gerinnungshemmer (Warfarin, Acenocumarol); Blutzuckersenkende Medikamente; Chondroitin. Cumarin-Gerinnungshemmer (Warfarin, Acenocumarol): Es liegen mehrere Fallberichte über einen deutlich erhöhten INR-Wert und Blutungen vor. Das BfR rät von der Kombination ab. Blutzuckersenkende Medikamente: Glucosamin ist ein Aminozucker. Eine relevante Blutzuckererhöhung wurde in Studien nicht bestätigt, bei Diabetes ist eine Kontrolle dennoch sinnvoll. Chondroitin: Die übliche Kombination. Ob sie mehr leistet als Glucosamin allein, ist trotz großer Studien nicht geklärt.

05Für wen ist Glucosamin nicht geeignet?

Besondere Vorsicht gilt für: Menschen mit Kniearthrose im frühen bis mittleren Stadium; Nicht geeignet unter Marcumar oder anderen Cumarinen; Vorsicht bei Schalentierallergie — die meisten Präparate stammen aus Krebstierpanzern; Schwangere und Stillende, für die Daten fehlen. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

06Woran erkennt man einen Glucosamin-Mangel?

Mögliche Anzeichen sind Kein Nährstoff — der Körper bildet Glucosamin selbst aus Glucose und Glutamin. Keines davon ist für sich beweisend — Sicherheit gibt erst die Messung im Blut.

07In welchen Lebensmitteln steckt Glucosamin?

Gute Quellen sind Krebstierpanzer (Ausgangsmaterial der Präparate, kein übliches Lebensmittel) und Knorpel und Knochenbrühe (enthält Glykosaminoglykane, Mengen nicht standardisiert).

08Welche Form von Glucosamin ist am besten?

Gut aufgenommen werden Glucosaminsulfat (kristallin), Glucosaminhydrochlorid und Pflanzliches Glucosamin aus Aspergillus. Zu Glucosaminsulfat (kristallin): Die Form aus den Studien mit den günstigsten Ergebnissen, meist als Kaliumchlorid-Komplex stabilisiert. 1.500 mg als einmalige Tagesgabe.

09Womit darf für Glucosamin geworben werden?

Nichts. Die EFSA hat mehrere Anträge geprüft — Erhaltung des Gelenkknorpels, Beweglichkeit, Schutz der Gelenke — und alle abgelehnt. Werbung mit Knorpel, Gelenken oder Beweglichkeit ist damit nicht nur ungedeckt, sondern ausdrücklich zurückgewiesen.

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Belege

  1. 01 Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to glucosamine · European Food Safety Authority · 2012
  2. 02 Glucosaminhaltige Nahrungsergänzungsmittel können ein Gesundheitsrisiko für Patienten darstellen, die Cumarin-Antikoagulantien als Blutgerinnungshemmer einnehmen · Bundesinstitut für Risikobewertung
  3. 03 Glucosamine, chondroitin sulfate, and the two in combination for painful knee osteoarthritis (GAIT) · New England Journal of Medicine · 2006

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