Kollagen Wirkung — der Denkfehler in der Werbung
Die Bildsprache ist immer dieselbe: Kollagen wird getrunken und wandert in die Haut. So
funktioniert Verdauung aber nicht. Kollagen ist ein Eiweiß und wird im Darm wie jedes andere
Eiweiß in Aminosäuren und kurze Peptide zerlegt. Der Körper baut daraus, was er gerade braucht —
und das ist nicht notwendigerweise Hautkollagen.
Ganz von der Hand zu weisen ist die Sache dennoch nicht. Bestimmte kollagentypische Dipeptide,
vor allem Prolyl-Hydroxyprolin, tauchen nach der Einnahme messbar im Blut auf. Die Hypothese
lautet, dass sie als Signal wirken und die Fibroblasten anregen. Bewiesen ist das nicht.
Was die Studien zu Kollagen zeigen
Es gibt eine ganze Reihe von Studien zu Hautfeuchtigkeit, Elastizität und Faltentiefe, viele mit
positiven Ergebnissen. Nahezu alle sind allerdings klein, kurz und von Herstellern finanziert.
Bei Gelenkbeschwerden ist das Bild ähnlich gemischt. Wir bewerten die Evidenz deshalb mit 2 von
5 — es gibt Hinweise, aber keine belastbare Grundlage.
Kollagen und Vitamin C — warum es überall beigemischt ist
Das hat einen rechtlichen Grund. Für Kollagen selbst darf nichts versprochen werden, für
Vitamin C aber schon: „trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der
Haut bei“. Diese zugelassene Angabe darf ein Produkt tragen, sobald genug Vitamin C darin ist.
Der Hinweis auf der Packung bezieht sich also auf das Vitamin, nicht auf das Kollagen — und
Vitamin C kostet einen Bruchteil.
Kollagen Nebenwirkungen — als Eiweiß meist gut verträglich
Für Kollagenpeptide ist laut dem Höchstmengenhinweis der EFSA keine Obergrenze
festgelegt, weil sie als unbedenkliches Nahrungseiweiß gelten. Nach der oben genannten systematischen
Übersichtsarbeit (Journal of Drugs in Dermatology, 2019) werden schwerwiegende Nebenwirkungen nicht
berichtet.
Weil Kollagen zur gesamten Eiweißzufuhr zählt, sollten Menschen mit eingeschränkter
Nierenfunktion die eingenommene Menge mit ihrem ärztlich festgelegten Eiweißbedarf abstimmen —
derselbe Vorbehalt, der oben schon bei der Höchstmenge steht.